Sich schnell entfernen

Ich war seit Menschengedenken in Psychotherapie und ein Thema war immer, dass mich böse Menschen plagen und ich wie die Maus vor der Schlange erstarre und mich schlecht behandeln lasse. Verbal bin ich total unfähig einen Schlussstrich zu ziehen. Also war die Idee damals, mich z.B. zurück aufs Klo zu ziehen. Das habe ich mir damals in meinem Kopf eingeprägt: Vorwand und körperlich verschwinden.

In den letzten beiden Tagen hatte ich je einmal diese Situation, spontan, völlig aus dem nichts in die Katastrophe katapultiert zu werden. Ich sehe mich vis a vis von dummdreisten Menschen, die mich anpöbeln. Und beide Male habe ich nur eine sehr begrenzte Zeit zugesehen und dann war ich weg. Am Samstag war ich weg, bevor irgendeine Polizei auf den Aufruhr aufmerksam geworden ist. Gestern war ich weg, nachdem ich meine kleine, süsse Rache genossen habe. Die Bemerkung, dass ein Mensch zu tun habe, suggeriert immer Wichtigkeit. Dieses Getue habe ich bei meinen ehemaligen Berufskollegen abgeschaut. Die sind oft verspätet zu Sitzungen erschienen und haben damit ihre unendliche Wichtigkeit demonstriert. Das ich nicht lache, wer seine Arbeit schlecht organisiert, produziert Überschneidungen.

Rache ist süss

Die Einkäufe haben geklappt, vor Schreck war ich 2-3 Std. zu früh in der Stadt mit entsprechend geringem Publikumsaufkommen. Im Altersheim hat es eine kleine Cafeteria. Dort habe ich mir einen Kaffee und ein Gipfeli bestellt und eine Heimbewohnerin anfragen lassen, ob sie mit mir Kaffee trinken möchte. Das wollte sie und so verbrachten wir eine vergnügte gute Stunde.

Irgendwann fand ich, ich könne nun bei meiner Mittagessendame klingeln, was klappte und wir unterhielten uns vergnügt, gingen dann in den Esssaal, wo ich mich bemühte all die BewohnerInnen freundlich zu grüssen, die mich während meines Aufenthalts gegrüsst hatten. Das was plötzlich eine riesengrosse Menge Menschen.

Als wir den Esssaal verliessen, sah ich ihn schon von weitem, meinen ersten Exehemann, diesen Menschen, der so gar nichts Menschliches an sich hat. Bekanntlich ist seine Mutter in diesem Heim und ebenso bekanntlich behandelt er mich wie den letzten Dreck. Die Situation war genial günstig: Eine Menschenmenge in der der Herr Professsor garantiert Haltung bewahren muss und nichts anderes tun kann, als Höflichkeit zu heucheln. Also sprach ich ihn an und fragte, was mit seiner Mutter sei, sie esse nicht im Esssaal und ich sei um Informationen gebeten worden. Und dann geschah genau das, was ich erwartet hatte, der Herr Professor konnte nicht anders als Haltung bewahren. Ich schaute dem kurz zu und erklärte dann, ich hätte zu tun und weg war ich. Vorher heuchelte ich rasch mein herzliches Beileid, weil die Dame im Sterben liegt und laut ärztlichen Prognosen die Feiertage nicht mehr erleben wird. Minus ein böser Mensch auf dieser Welt.

Diese Rache war zuckersüss und ich werde mich noch lange innerlich grinsend an sie erinnern.

Keine Randale

Wenn ich in meinen vier Wänden bin und mich ruhig verhalte, dann bin ich sicher. Solange ich keine Randale mache, kommt keine Polizei. Das ist mal klar.

In der Zwischenzeit habe ich mir überlegt, dass ich die Polizei nach der Gesetzesgrundlage frage, wenn sie mich wieder mal abführen will. Die können doch nicht einfach aus dem Bauch heraus aktiv werden, das muss gesetzlich legitimiert sein.

Anfangs Februar treffe ich einen neuen Psychiater. Der soll zuständig werden für die Medikamente, der hat in der CH eine wichtige Position gegenüber Psychiatriekliniken. Sobald ich einen Psychiater in meinem Behandlungsteam habe, bin ich gegen Kliniken und ihre Übergrifflichkeiten etwas besser geschützt. In meinen Augen ein irre doofes System, aber ich kanns nicht ändern. Ich habe mich rechtlich rundum informiert, nicht einmal mein Anwalt kann mich wirklich schützen, keine Patientenverfügung, die ist so viel Wert wie Klopapier, die Hausärztin sowieso nicht weil PsychiaterInnen sich so viel besser fühlen in ihrer Totalverblendung und meine Familie ist bekanntlich völlig unbrauchbar.

Genau darum hat es Spass gemacht, dem Herrn Stadtpräsidenten eins ans Schienbein zu stüpfen. Wer im Rampenlicht steht, muss mit seinen Kellerleichen klar kommen! 😀

So heute steht auf dem Programm ein Mittagessen in einem Restaurant mit einer 86 jährigen Dame, Niveau bernburgerlich. Sie spricht interessant und viel. Sie ist sehr, sehr nett, aber nur zuhören strengt mich enorm an. Also bitte Daumen drücken, dass ich diese Konzentration aufbringen kann…… Ich muss vermutlich noch ein kleines Geschenk kaufen gehen, wenn sie mich zum Essen einlädt….. Schreck lass nach und kehr nicht wieder….Das heisst Bahnhof Bern Confiserie Tschirren. Also bitte Daumen drücken, dass ich diese Herausforderung packe.

Ich weiss schon, warum ich lieber nur mit mir und meinen Pflegeleuten zusammen bin. Das ist easy, sie mögen mich alle und wir lachen viel.

Vollpfosten mit Meute

Gut, ich habs getan. Ich bin in die Stadt mit dem Tram auf den Weihnachtsmarkt, um ein Glas Glühwein zu trinken. Das habe ich alles getan beim Münster. Alles ist schön und gut, ich habe mir sogar gedörrte Tomaten und Pesto auf einem Samstagstrassenmarkt erstanden. Dann gehe ich am Zytgloggen vorbei Richtung Käfigturm und da ist es passiert, auf der Höhe des Marktgassmigros. Ein Mann rammt mich mit seinem Einkaufswägeli, das so lang ist, dass ich mehrere Schritte lang gerammt werde und fast hingefallen bin. Der Mann entschuldigt sich flüchtig, ich gebe zurück, ich sei behindert, er fragt nicht einmal, ob ich einen Schaden von seinem Verhalten davongetragen habe. Ich denke total verängstigt und konsterniert an den Oberschenkelhalsbruch, dem ich knäppstens entronnen bin, beeile mich und tippe den Mann an der Schulter, um ihm die Gefährlichkeit seines Tuns vor Augen zu führen.

Da kommt die Meute ins Spiel. Sie beobachtet mich und greift mit übeschäumender Einbildung für ihre Selbstgerechtigkeit ein: Der Mann habe sich entschuldigt und ich hätte kein Recht…… Ich wiederhole nochmals schreiend, wie gefährlich das gewesen sei und wie knapp ich einem Oberschenkelhalsbruch entronnen sei.

Und mit raschem Schritt entferne ich mich. Vermutlich kommt da der liebe Gott ins Spiel.

Es ist kurz vor Mittag und ich gehe in ein Restaurant essen. Leider sehe ich von meinem Sitzplatz aus zwei Polizisten. Was leide ich vor Angst, dass ich abgeführt werde. Mein Kopf ist ausser sich und durch keine Intelligenz der Welt zu beruhigen.

Jetzt bin ich zuhause und hier fühle ich mich zu meinem Glück sicher und hier will ich jetzt ganz langsam zur Ruhe kommen.

Behandlungserfolg dauert an

Letzten Dienstag zwischen 18.00 Uhr und 19.00 Uhr hat mich die gemeinsame Arbeit von meinem Traumatherapeuten und mir aus meiner wie immer tiefen Depression rausgeholt. Am Dienstagabend fühlte ich mich gut, realisierte, dass die Depression weg war, genoss den Abend und ging ganz lange nicht ins Bett, weil ich überzeugt war, dass dieser Therapieerfolg Stunden dauern würde, aber sicher nicht grundsätzlich sei.

Ich kleines Hasenherz wusste genau, dass wir den Knackpunkt verarbeitet hatten, seitdem ich diese zyklischen Depressionen habe. Aber dass diese Arbeit so rasch meine Depression knacken würde, davon hatte ich keine Ahnung, dafür hatte ich nicht einmal Hoffnung, dermasssen bin ich auf Leiden müssen getrimmt worden.

Jetzt habe ich ein Wochenende vor mir und kann mir überlegen, welche Dummheiten ich machen will. Ich könnte z. B. mit dem Tram in die Stadt fahren auf den Weihnachtsmarkt und ein Glas Glühwein trinken. HURRA ICH LEBE! Das könnte ich wirklich tun. Ich habe den HandwerkerInnenmarkt vor dem Berner Münster gerne.

Bluff

Mein Haupthobby ist Töpfern seit ich 20 Jahre alt bin. Ich besitze eine kleine Töpferei, bestehend aus elektrischer Drehscheibe mit Drehtellern, einem Pult mit Gipsplatten um geschlämmten Ton zu trocknen zwecks Wiederverwendung, einem fahrbaren Trockengestell, einigen Büchergestellen, etlichen Glasurzutatenpulversäcken und natürlich einem kleinen Töpferofen.

In der Vergangenheit habe ich für mich getöpfert, für Geschenke, wenig auf Bestellungen und zwei Kirchgemeinden haben von meiner Töpferei ihre Abendmahleinzelkelche. Darauf bin ich ein bisschen stolz.

Ich denke es sind mindestens 2 bis 4 Jahre, dass ich nicht mehr getöpfert habe. Ich konnte einfach nicht mehr, obwohl ich es gern getan hätte und es finden sich immer Menschen, die an den Töpfereien Freude haben. Vor dem Umzug war es ein seriös diskutiertes Thema, ob ich die Töpferei liquidieren solle, weil ich sie eben nie mehr gebraucht habe. Es ist eines, krank sein zu müssen oder behindert oder fehlbehandelt. Es ist dann etwas ganz anderes die Töpferei liquidieren zu müssen, obwohl ich altersmässig überhaupt nicht soweit bin. Solches hätte mich zusätzlich kaputt und krank gemacht. Also habe ich die Töpferei bei mir belassen.

In meiner neuen Wohnung steht sie ganz unschuldig im grössten Zimmer. Mein Assistent hat alles gewaschen und ich habe sie bis heute nicht beachtet.

Aber heute, heute Bluff sei Dank habe ich zwei kurze Töpfersessionen gehabt, habe zwei Tassen gedreht und das ging auf Anhieb. Echt, manchmal ist das Leben freundlich zu mir. Bitte morgen nochmals.

 

 

Schrei!

Spix, wer anders als Spix hat Kartoffeln auf den Ohren und das Resultat ist ohrenbetäubend.

Spix ist mehrheitlich immer dort, wo ich bin. Aus ihrer Sicht ist es irre interessant, wenn ich den Kühlschrank öffne, erfahrungsgemäss hat es ab und zu Frischfutter für sie. Heute bin ich vom Reiten spät nach hause gekommen, habe Hunger und will mir was fürs Mittagessen wärmen. Ich realisiere Spix und warne nach guter Gewohnheit mit einem freundlichen „Achtung“ bevor ich die Kühlschranktüre schliesse.

Was dann geschieht, tönt wie ein mittlerer Alptraum: Sekundenlanges Katzengezeter, weil der Katzenschwanz eingeklemmt wurde. Wie immer in der Krise, verhalte ich mich ruhig und Spix ist versteckt. Ich bin zu Tode erschrocken und versuche herauszufinden, was ich tun muss: Ich muss herausfinden, ob der Katzenschwanz Schaden erlitten hat und ich notfallmässig zur Tierärztin muss.

Die Katze ist weg und ich hole Leckerchen hervor, um sie zurückzulocken. Ich bleibe ruhig, alles klappt und zu unser beider Glück ist der Katzenschwanz ganz. Jetzt brauchen wir beide Erholung.

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Meine Leidensgeschichte mit Ärzten ist lang. Meine Leidensgeschichte mit PsychiaterInnen ist noch länger. Aus unerfindlichen Gründen wurde mir die Behandlung meiner kptbs immer vorenthalten. Ich bekam die diffusesten Diagnosen und die abstrusesten Behandlungen und in der Zwischenzeit sind meine schweren Depressionen zyklisch, d. h. ich habe 2 bis 4 Episoden pro Jahr. Einige ganz kluge PsychiaterInnen behaupten ich sei zudem manisch bzw. hypomanisch und entsprechend habe ich dämpfende Medikamente, die einen Elefanten ruhigstellen würden. In den Augen dieser ÄrztInnen ist mein Leiden noch lange nicht gross genug, sie vergrössern es mit einer Leidenschaft, die in meinen Augen krankhaft ist.

Nachdem ich den letzten Psychiater nach fünf Situngen zum Teufel gejagt hatte, googelte ich einmal mehr in meinem Leben nach einem Traumatherapeuten bzw. einer Traumatherapeutin. Kriterien: Schulmedizin, PsychologIn bzw. PsychiaterIn und nicht was Esotherisches oder einE selbsternannte TherapeutIn mit einigen Kursen und ohne fundierte Grundkenntnisse.

Ich fand meinen Traumatherapeuten, schickte ihm ein kurzes Mail, er hatte sofort Zeit, was klar ist, weil er Menschen heilt und dann ziehen sie fröhlich in ihr Leben und danken ihm und er kann neue PatientInnen aufnehmen. Wir haben 6 bis 8 Situngen zusammen erlebt und gestern Abend spürte ich in meinem Körper erste Heilungserfolge. Was bin ich froh und wie hoffe ich, dass ich mit diesen Lernschritten selbst Einfluss auf meinen psychischen Zustand bekomme. Wer sich für Methoden interessiert: EMDR, PITT, Sicherer Ort, Imagination. Mit der angeleiteten Imagination kann ich in meinem Unterbewussten belastende Erfahrungen neu überschreiben und meine Seele damit selbst nähren. Es ist cool, selbst handeln zu können und nicht nur ausgeliefert zu sein.

Zum erstenmal stehe ich in einer Therapie im Mittelpunkt. Was ich sage wird wertfrei verstanden und wiederholt. An einer Stelle ging es um Verrat. Ich hätte mich nicht getraut, Verrat als Wort zu gebrauchen, aber es ist Verrat und das Wort passt und es ist nüchtern, rational, keine Übertreibung. Das tut so gut, in der Art ernst genommen und verstanden zu werden.

Die Wahrheit tut weh

Okay, ich wusste es schon lange, mir war bewusst, dass ich meinen jetzigen Zustand nicht mit früher vergleichen kann. Das Ausmass des Unterschieds kam gestern in der Kletterhalle an den Tag. Irgendwie hat mein Kopf noch eine Ahnung vom Klettern, aber so wirklich weiss er nicht mehr, wie es geht.

Die Körperspannung ist perdu, wenn meine Füsse zu hoch sind, traue ich die Hände nicht mehr loszulassen. Von der Strecke her schaffe ich im Extremfall eine halbe Wand. Im Boulderbereich, wo die weichen Matten liegen, kann ich kaum über letztere gehen, ich falle fast hin. Ich erinnere mich nicht, dass  ich früher damit ein Problem hatte.

Die Physio empfiehlt Aufwärmübungen im Boulderbereich, nur waagrecht klettern, ja nicht in die Höhe. Wenn ich in die Höhe klettere angeseilt, dann keine bestimmte Route, sondern alle Farben. Genauso fängt mann und frau mit Klettern an. Genau da stehe ich wieder.

Was mich überrascht und erfreut hat ist, das meine Kletterausrüstung noch existiert. Mit dem Vermerk „krank“ wurde sie geschützt ca. über zwei Jahre im Garderobesschränkchen belassen. Das ist extrem ungewöhnlich und ausserordentlich kulant und darauf hätte ich nicht zu hoffen gewagt.

1. Mal Assistenz

Irgendwann findet mein Assistent die Wohnung und wir stehen uns gegenüber. Ich zeige ihm die Wohnung und möchte dann mein Velo flott machen und mit ihm per Velo einkaufen gehen. Wir schieben frohgemut mein Fahrrad zur nächsten Tankstelle, dort hat es sicher Luft. Hat es auch, nur das Ventil, das passt nicht.

Also gehen wir zurück zum kleinen Einkaufszentrum, kaufen meine Wünsche ein und schieben das Velo dahin woher es gekommen war.

Im ganzen war ich über eine Std. auf den Beinen. Okay, ich weiss, dass das nicht viel und nicht lang ist. Für mich ist es aber genau das in meinem gegenwärtigen Gesundheitszustand und ich bin stolz darauf, dass ich so lange auf den Beinen stehen und laufen kann und nicht notfallmässig eine Sitzbank suchen muss.

Irgendwelche Leute haben mir schon einen Rollator empfohlen. Wie ich den mit meiner linken Hand soll schieben können, wurde mir nicht verraten. Ich trau mir das nicht zu. Rollatoren haben ein ziemliches Eigengewicht. Im Altersheim wurde diskutiert, wie hilfreich ein Rollator ist, wenn z.B. Rosskatanien in der Kastanienallee vor dem Altersheim am Boden rumliegen. Logisch, dass die Rollatoren sich verharken, wegspicken, zigzagfahren, milde ausgedrückt eine zusätzliche Gefahr darstellen.