Aussensicht

Vor einigen Jahren war in Zürich eine Tagung zum Thema Hirnverletzung: Im Zusammenhang mit den IV-Revisionen ist es für viele behinderte Menschen schwierig, sich zu orientieren: Gehöre ich zu den 15 %, deren Rente überprüft wird, wie schwer behindert, bin ich eigentlich. Angst geht um. Daneben gibt es Behinderungen, die als solche nicht akzeptiert werden, weil die heutigen Methoden der Medizin noch nicht ausreichen, um sie nachzuweisen. Die IV richtet keine Rente aus und der behinderte Mensch soll arbeiten. Berühmt geworden ist die Formulierung „zumutbare Willensanstrengung“ für Schmerzpatienten.

Ein Referent an dieser Tagung war Dr. Zangger. Er war so freundlich und stellte seine Zusammenfassung ins Internet.  Es geht um Patienten, die eine Hirnverletzung erlitten haben und deren Persönlichkeit nach diesem Vorfall verändert sein kann

Zitat:

…..verminderter Antrieb, eingeschränkte Kritikfähigkeit,
Selbstüberschätzung mit verminderter bis fehlender Störungseinsicht, gereiztere Reaktion
schon auf leichten Stress, erschwerte soziale Kommunikation, Verlangsamung, und Leistungsschwankungen.
Wegen der primären „Unsichtbarkeit“ werden diese Störungen auch
von der Umwelt (Familie / Freunde, Arbeitgeber, Gesellschaft) oft nur teilweise und verzögert
wahrgenommen. Sie werden auch schlecht verstanden und deshalb nicht als Folge der
Hirnverletzung akzeptiert…..

Ende Zitat

Solche Eigenschaften sind auch bei Menschen zu beobachten, die bei ihrer Geburt eine Hirnverletzung erlitten haben. Es kommt auf die Hirnregion an, die beschädigt ist, nehme ich als Laie an. Wenn das Gleiche kaputt ist, wird auch das Gleiche nicht funktionieren.

Allerdings zu einfach darf man sich das Hirn nicht vorstellen. Es ist eher so hochkomplex, dass die heutige Medizin noch wenig Ahnung hat. Die Plastizität des Hirns wird betont und dass sich das Hirn ständig neu vernetzt. Wenn das in der Absolutheit stimmen würde, wie ich einige Neurologen verstehe, dann hätten gerade Babies die grösste Chance zu genesen. So ist es in der Wirklichkeit nicht.  Aber einem Wissenschaftler würde es sicher Freude machen, wenn es so wäre. Sicher macht auch Übung den Meister und diese Vorstellung der Neuvernetzung vom Hirn teile ich. Was mich tröstet ist, das ein Hirn keinen Unterschied macht, ob ich ein Eis real esse oder mir rnur vorstelle, ich würde es essen. Die Glückshormone werden so oder so ausgeschüttet und bei der zweiten Art doppelt, weil das Gewicht nicht zunimmt.

Von der Umwelt in dem Fall des Neugeborenen zuerst Familie und Schule wird manchmal auch keine Rücksicht genommen. Erschwerend kommt hinzu, dass es kein „Vorher“ gibt. Gereizte Reaktionen schon auf leichten Stress gelten dann als Charaktereigenschaft und nicht als Teil der Behinderung.

In meinen Kindheitserinnerungen unvergessen der Auftrag: „Räum dein Zimmer auf“ und ich bin überfordert.

So gibt es Missverständnisse und hirnverletzte Menschen sind auf Menschen mit viel Toleranz angewiesen, die sie als behinderte Menschen akzeptieren, so wie sie sind.

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