Nervenzusammenbruch?

Was meint der Volksmund, wenn er solche Begriffe braucht? Warum bedient Christoph Blocher ausgerechnet diesen unscharfen Begriff, wenn er seiner Parteikollegin zu Hilfe eilen will?

In dem Umfeld gibt es auch die Begriffe Depression oder das Burnout, den Natalie Rickli gewählt.

Was sagen diese Begriffe aus, was verschleiern sie, was sind die medizinischen Definitionen und was ist die gesellschaftliche Konsequenz von diesem Durcheinander?

Zuerst Christoph Blochers Wortwahl „Nervenzusammenbruch“.

Zitat aus Wikipedia

Bei einem Nervenzusammenbruch handelt es sich um eine umgangssprachliche, unpräzise Bezeichnung für einen psychischen Ausnahmezustand, meist nach traumatischen Erlebnissen, wie z. B. Unfällen, Naturkatastrophen oder Todesfällen, aber auch als Folge von lang anhaltendem, zehrendem Stress aller Art mit fortgesetztem Burnout.

Er entspricht im aktuell gebräuchlichen psychiatrischen Diagnosesystem ICD-10 (International Classification Of Diseases) am ehesten der akuten Belastungsreaktion (ICD 10-F43.0) bzw. der posttraumatischen Belastungsreaktion (ICD 10-F43.1).

Ende Zitat

„Burnout“

Zitat aus Wikipedia:

Burnout wird in der „Internationalen Klassifikation der Erkrankungen“ (ICD-10) als „Ausgebranntsein“ und „Zustand der totalen Erschöpfung“ mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst.[13] Er gehört zum (übergeordneten) Abschnitt Z73 und umfasst „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Nach dieser Einstufung ist der Burnout eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose und keine Behandlungsdiagnose, die zum Beispiel die Einweisung in ein Krankenhaus ermöglichen könnte.[14] Dagegen ist die Feststellung einer Depression[15] eine Behandlungsdiagnose. Ein „reines“ Burnout-Syndrom ist ein Ausschlusskriterium für eine Neurasthenie (Erschöpfungssyndrom, F48.0[16]), die in der Diagnose aber als „Burnout-basiert“ beschrieben wird und die Leistungspflicht eines Krankenversicherers begründen kann. Auch wird die Depersonalisierung (s. u. und F48.1[16]) als ein mögliches Symptom des Burnouts betrachtet.

Ende Zitat

Als drittes  medizinischen Definition, des Wortes „Depression“, die Thema dieses Blogs ist und mit dem Begriff „Burnout“ zusammenhängt. Die ICD Klassifizierung unterscheidet zwischen leichter, mittlerer und schwerer Depression. Der Link führt zum ganzen Text. Ich habe unten nur die Definitionen der drei Schweregrade zusammengestellt, damit medizinische Laien eine Chance haben zu erkennen, was gemeint ist und nicht durch zusätzliche Erkrankungen abgelenkt werden.

Das Wichtigste als Zitat:

……Depressive Episode

Info.:

Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach
jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist
gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie
Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen,
Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als
leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen…..

F32.0

Leichte depressive Episode

Info.:

Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.

F32.1

Mittelgradige depressive Episode

Info.:

Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden, und der betroffene Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

F32.2

Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome

Info.:

Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig, und meist liegen einige somatische Symptome vor.

Zitat Ende.

Zwei diffuse Begriffe und eine klare medizinische Definition. Christoph Blocher hat trotz Nervenzusammenbruch seine selbstgewählten Arbeitspensen erfüllen können. War er nur ferienreif?

Natalie Rickli fehlt wohl an ihrem Arbeitsplatz, dem Stab der Geschäftsleitung von Goldbach Media und ich gehe davon aus, dass sie krank geschrieben ist. Die IV wird bald einmal präventiv vorbeischauen, damit sie ihren Arbeitsplatz er-halten kann. Oder die SVP kommt bei ihr, wie bei den Bauern

(Link: runterscrollen bis zum Beitrag vom 8. Juni 2011, Titel des Artikels: Das Volk hat eine verschärfte IV-Gesetzgebung gewollt, das Volk hat sie bekommen)

auf die Idee, die IV-Gesetzgebung und -verschärfung solle nicht auf SVP Mitglieder angewandt werden.

Die medizinische Definition der Depression zeigt, dass dieses Wort nur für solche, ernstzunehmende Krankheiten verwandt werden sollte und nicht für einen schlechten Tag, den jeder Mensch gelegentlich hat. Ein schlechter Tag gehört dazu und ist keine Krankheit. Eine Depression muss vielleicht ärztlich behandelt werden, ist definitiv eine Erkrankung. Manchmal bleibt sie unentdeckt und unbehandelt und der Patient wird etwas allein gelassen, weil depressive Menschen nicht die Werte der Spassgesellschaft versprühen. Während andere kranke Menschen vermehrte Zuwendung bekommen, wird die Gesellschaft depressiver Menschen gemieden. Statt arbeitsseitig den Druck zu erhöhen, erfolgt die schnellste Genesung durch Druckminderung und je weniger reale Werte, wie Krankenbehandlung, Arbeitsplatz, Wohnung bzw. Lebenshaltungskosten, Familie, Freunde gefährdet sind, desto schneller kann der Patient genesen.

Kein Mensch wird rasch gesund, wenn seine Behandlung durch seine Krankenkasse, behindert wird, er mit der Angst leben muss, seinen Arbeitsplatz zu verlieren und dann mit den finanziellen Folgen leben muss, die solch ein Szenario auslöst. Gesellschaftlich stehen die Vernetzung am Arbeitsplatz und verschiedene Freundeskreise auf dem Spiel. Der Abstieg geht sehr rasch und ist durchaus realistisch.

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