Junge Erwachsene macht Inzestvorwürfe

Mehrfach habe ich mich hier mit dem Wohl des Kindes befasst. Heute möchte ich mich mit einer Grenze des Kindswohl auseinandersetzen, die im gesellschaftlichen Leben durchaus vorkommt: Vor einigen Jahren wurde ein Vater von seiner volljährigen Tochter des Inzests (Es lohnt sich beim Link auf die Bildchen links, untere Bildschirmhälfte zu klicken: Besonders das unterste: Da wird über den ersten Freispruch berichtet)

angeklagt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die meisten Menschen sofort mit dem armen Kind identifizieren. Der Vater ist, klar der Böse und im Unrecht. Vermutlich liegen wir rein zahlenmässig, völlig falsch:

Wer einen guten Draht zu einem Hausarzt oder einem Frauenarzt hat, kann ruhig selbst nachfragen: Beide Berufsgruppen kennen das Problem: Teenager sind unzufrieden mit ihrer Situation, rebellieren, wollen am Samstag in den Ausgang, was ihre Eltern nicht erlauben, der Vater erhöht das Sackgeld nicht und  irgendwann sehen die Töchter oder Söhne nur noch rot. Die zündende Idee ist geboren: „Mein Vater hat mich missbraucht.“ – Vermutlich und hier liegt die Dunkelziffer, werden die meisten Teenager wieder still, wenn die erste Arztuntersuchung bestätigt, dass nichts, aber gar nichts an dieser Behauptung wahr ist.

Um hier nicht die Phantasie der Jugendlichen weiter anzuregen, verzichte ich auf eine Liste, der Dinge, die Eltern unter gar keinen Umständen tun dürfen. Genau das wird ihnen dann vorgeworfen, ebenso natürlich möglichst an einem Beispiel, das unüberprüfbar ist.

Einige  und das sind vermutlich die wenigsten, landen vor Gericht. In dem Fall, den ich verlinkt habe, setzt, der zu Recht ahnungslose Vater zu optimistisch voraus, in einem Rechtsstaat zu wohnen und sieht die Sache anfänglich locker. Bald einmal wird er eines Besseren belehrt: Wo nur zwei anwesend sind, steht Aussage gegen Aussage. Er wird bei der Arbeit suspendiert. Auch nach dem ersten Freispruch „mit ungutem Gefühl“, wie seine Gegner betonen, darf er die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Ein Gutachten bestätigt zudem das Verhalten der Tochter als mögliche Folge eines Inzests.

Erst als die Aussagen der Tochter zweitinstanzlich auch unglaubhaft erscheinen, bringt das für den Vater die Wende: Jetzt lesen wir, dass seine Tochter hochbegabt ist und an einer Persönlichkeitsstörung, dem Borderline leide.

Bei allem Schutz des Wohl des Kindes, ist daran zu denken, dass Kinder auch nur Menschen sind: Sie gehen den Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes. Sie erfinden Geschichten bzw. lügen und suchen den Fehler lieber beim andern als sich selbst. Sie spielen gern den Einen gegen den Andern aus: beliebte Zielpersonen sind die Eltern besonders, wenn sie geschieden sind und der eine nicht beim andern nachfragen kann, was Sache ist.

Und ebenso wichtig wäre das Wohl der ganzen Familie: Wer ernährt die Familie, wenn das Verhalten der Tochter die Suspendierung des Vaters von der Arbeit bewirkt hat? Sachlichkeit und kühler Kopf bei den Behörden und Fachpersonen tun Not, bevor und nicht nachdem solche Schäden entstanden sind. Solange Eltern, sowohl Väter, wie Mütter vorverurteilt sind, haben die Teenager ein leichtes Spiel. Dazu braucht es keine Hochbegabung, sondern nur die tägliche Lektüre des „20 Min.“. Das ist der Lesestoff, aus dem die zukünftigen Erzählungen geschaffen sind. NachahmerInnen gibt es immer. Ob zu Recht oder nicht, das unparteiisch herauszufinden, ist die Aufgabe des Rechtstaates, der diesen Namen verdient.

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