Erfolg 5. IV-Revision

Wie immer, wenn das BSV Zahlen verkündet und frohe Erfolgsmeldungen in die Welt setzt, werden hier die Details geprüft, liest Mia die entsprechende Studie. Mit einem Zauberhändchen findet sie blitzartig auf der Seite der Eidgenossenschaft, was sie sucht. Ich habe noch nicht begonnen, weil ich regelmässig das, was ich suche nicht finde.

Auch ohne Recherche ist ganz klar und das wird vom BSV natürlich nicht offen diskutiert:

  • Es wurden noch keine Zahlen publiziert, wieviele behinderte Menschen ihren Arbeitsplatz dank der 5. IV-Revision behalten konnten.
  • Ganz wichtig wäre auch zu wissen, welcher Arbeitsplatz stand echt in Gefahr und wo hat die IV eingegriffen, um ihre Statistik aufzupolieren. – Wenn ich die Zahl noch richtig im Kopf habe, kommt die IV nach einem Monat Krankheitsabwesenheit ins Spiel. Da wird – vermute ich – viel zur Optimierung der Statistik getan. z.B. ein komplizierter Beinbruch führt in der Regel nicht zum Verlust des Arbeitsplatzes, weil die Einstellung der Gesellschaft eine andere ist.
  • Auszuweisen wäre auch die Zahl derer, die aus der Rente ausgegliedert und stellenlos auf dem Sozialamt gelandet ist oder der unwürdigen Finanzierung durch Angehörige: Mancher, der essen will und ein Dach über dem Kopf braucht, muss einfach schweigen, weil er in der Position des Schwachen ist. Ich habe früher an meinem Arbeitsplatz gesehen, wie Angehörige z.B. mit Demenzkranken umgesprungen sind. Natürlich ist es eine Frage der Überforderung. Mancherorts war es eine Frage des Geldbeutels: Der Demenzkranke wird in keine Institution gebracht, sondern vermeintlich liebevoll zuhause gepflegt und so bleibt das Erbe beisammen.

Genau bei der letzten Zahl hat Radio DRS gemeldet, dass eher ein Rückgang zu vermelden sei, dass trotz vermehrter Anstrengung weniger Menschen eingegliedert werden konnten. Ursula Schaffner von AGILE hat es auf den Punkt gebracht: Solange die Arbeitgeber nur fordern und keine Arbeitsplätze für behinderte Menschen zur Verfügung stellen, kann die IV Revision um Revision durchziehen und an den Arbeitsplätzen für behinderte Menschen ändert sich nichts.

Was in diesem Zusammenhang natürlich nicht erwähnt wurde: Die Situation der Behinderten verschlechtert sich von Revision zu Revision. Im Gegenteil: „Arbeit vor Rente“ ein Gedanke, der seit der Geburt der IV Pate stand, so neu also nicht ist, diese Neuausrichtung habe den RentnerInnen viel gebracht. Besonders die Menschen, die keine IV zugesprochen bekamen, werden sich dankbar an die Revision erinnern. – Man erinnere sich rasch an fragwürdige Methoden von Medas- und ABI-Gutachtern und die Diskussion, ob sie von der IV unabhängig seien.

Wer keinen Juristen hat oder sonst jemanden, der gegenüber der IV seine Interessen vertreten kann, bekommt heute kaum mehr eine Rente. Ob das vom Volk so gewollt ist?

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