Mitleid oder Empatie?

Viele behinderte Menschen reagieren allergisch auf Mitleid. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Mensch im Rollstuhl von ihm völlig Unbekannten in der Stadt eine Zehnfrankennote zugesteckt bekommt.

An guten Tagen nimmt man solches mit Humor. An weniger Guten grummelt man etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und an schlechten Tagen fragt man sich vielleicht – oh Schreck – sogar laut: “ Was soll das?“

Was erstaunt ist, wie wenig sich nicht behinderte Menschen mit dem Thema Behinderung auseinandersetzen. Ob da magisches Denken dahintersteht? Wenn man sich damit nicht auseinandersetzt, erwischt es einen nicht! Dabei sollte sich in der Zwischenzeit herumgesprochen haben, dass die Menschen älter werden, bis sie sterben. Unterwegs sieht man Rollatoren schiebende FussgängerInnen.

Jeder, der lange leben will, wird früher oder später steifer in seinen Bewegungsmöglichkeiten, gibt ab, wie es der Volksmund ausdrückt und wird damit behindert. Allzuschrecklich ist das nicht, aber ganz arg ist, wie einige Menschen darauf reagieren, eben z. B. die, mit dem Zehnfrankenschein.

Ich könnte über die Beweggründe rätseln, warum sowas gemacht wird. Lieber wäre mir, wenn nicht behinderte Menschen die Anstrengung auf sich nehmen würden und sich in die Lage des Rollstuhlfahrers versetzen würden.

Und völlig utopisch ist es, zu hoffen, dass ich es noch erleben werde, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen ernst genommen werden, man ihnen glaubt, was sie erzählen und sie mit Respekt und Anstand behandelt werden.

 

Der Anfang dieses Textes ist über drei Jahre alt. Mittlerweilen erzähle ich Menschen, die neu in meinen Bekannenkreis kommen: „Wenn ich im Rollstuhl sitzen würde….“, begleitet von passender Gestik. Jeder begreift instinktiv, wie er auf einen Rollifahrer automatisch anders reagiert. Er bekommt sofort die Beisshemmung!

 

 

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Klettern, neurologisches Klettern

Vor vielleicht zwei Jahren habe ich mit Klettern begonnen. Fragile Suisse hatte diesen Kletterkurs ausgeschrieben und danach folgten weitere. Nach einem dreiviertel Jahr besuchte ich den Einsteigerkurs für Kletterbegeisterte im Magnet.

Meine neurologische Physiotherapeutin half mir, eine Kletterpartnerin zu suchen. Am liebsten trainieren wir im neu eröffneten O’Bloc.

Ich lerne so viele Bewegungen, die ich in meinem 57 Jahre langen Leben noch nie gekonnt habe. Die neurologische Pysiotherapeutin unterstützt meine praktischen Bemühungen. Der behandelnde Chefneurologe praktiziert im REHAB Basel.

Was bin ich froh, dass die Neurologie solche gewaltigen Fortschritte macht und meine Lebensqualität dadurch verbessert. – Geübt und mich abgestrampelt, um Bewegungen zu erlernen, habe ich mich ein Leben lang. Heute ist das viel einfacher geworden, die Erfolge sind sicht- und messbar.

Neue Kraft

Nach drei Jahren Wegbleiben habe ich heute meinen Blog aus der Versenkung geholt. Langsam fasse ich wieder Pläne für zukünftige Schreibakivitäten.

Mein Blogtitel  leuchtet mir ein: Seine Wahrheit erfährt jedeR, der/die wahrnimmt. – Bei allen von uns anders. Wie heisst es beim Witzeln? – Es gibt eine Wahrheit mehr, als Personen im Raum sind.

Auf eine spannende textreiche Zukunft!