Die dargebotene Hand 143

Okay, ich bin müde, der Tag ist gelaufen, ich wohne allein und hätte das Bedürfnis mit jemandem zu sprechen. Ich wähle 143, das Telefon wird abgenommen, Sprache Berndeutsch, und sogleich wird mir erklärt, frau sei in einem Gespräch und habe keine Zeit, das Telefon wird beendet.

Soll ich für blöd verkauft werden? 143 ist eine schweizweite Nummer und jeder Anruf kann weitergeleitet werden, was angesicht des Personals in Bern dringend angezeigt ist. Ich habe einschlägige Erfahrungen.

Jetzt sitze ich wieder da und kann ja mit einer meiner weissen Wände kommunizieren oder hier. Da kann mich keineR abmurksen.

Mich beschäftigt, dass ich einen Versuch gestartet habe, mich zu wehren. Betrifft zwei ärztliche Fehlbehandlungen und das Altersheim, das in eine externe ärztliche Behandlung eingreifen wollte. Halb bin ich stolz, dass ich mich getraue und halb habe ich Bammel, das ich einmal mehr nicht zu meinem Recht komme.

Die Frage, wie ich zu einem Austausch mit Menschen komme, ein urmenschliches Bedürfnis, ist ungeklärt und entsprechend meiner Situation extrem schwierig zu lösen.

Nachtrag 18.55 Uhr: Ich habe nochmals die 143 versucht und bin in der Innerschweiz gelandet. Das Gespräch war sehr gut, hat mich getröstet, ich konnte sogar etwas weinen.

2 Gedanken zu „Die dargebotene Hand 143

  1. Hallo, Du Liebe, was sinnierst Du gerade herum?

    Du darfst stolz sein, daß Du Dich getraut hast! Vergiß den Bammel, der bringt Dich nicht weiter.

    Gibt es denn in Deiner Nähe nicht die eine oder andere Bewohnerin des Heimes, mit der Du Dich austauschen könntest? Gehst Du zum Mittagessen in einen Speisesaal, wo auch andere sind? Ich würde versuchen, zuerst einmal in der unmittelbaren Umgebung Kontakt zu knüpfen, ganz lose nur und fürs erste vorsichtig. Aber es könnte Dir sehr helfen, Dich nicht mehr so allein zu fühlen. Mit einem Lächeln auf jemanden zugehen, Lächeln ist immer ansteckend!

    Und dann kannst Du ja beginnen, im weiteren Umfeld Menschen zu treffen – jemanden aus Deiner Familie, einen alten Freund, der Dir schon beigestanden ist, oder Deinen Ex-Mann? Trau Dich nur, mach den ersten Schritt! Du wirst sehen, es tut Dir gut!

    Ich wünsche Dir Mut!
    Herzlichst,
    Eliane

  2. Liebe Eliane

    Ich bin hier in einem 7 stöckigen Hochhaus, hauptsächlich für RollstuhlfahrerInnen. Eine kenne ich und sie hat einen schwierigen Charakter: Sie sieht mich ohne Krücke gehen und hat gedacht, meine Gesundheit hätte sich verbessert. Wir fahren zusammen Lift, sie will früher raus, ich schaue mir die Platzverhältnisse an und sage laut: „Bevor du ausstegen kannst, muss ich raus.“ Sie keift zurück: „Ich bin ja nicht blöd.“ Ist sie doch, weil für mich alles neu ist und für sie gut eingeübt.

    Bei einem anderen Pärchen ist er lustig und freundlich, sie habe ich in der Stadt getroffen, sie sagt ganz laut: „Hast du eine Katze?“ Offensichtlich bin ich an Spix Haare zu gewohnt, als dass mir in den Sinn gekommen wär mich frisch anzuziehen, bevor ich in die Stadt gehe. Trotzdem, eine solche unbedarfte Bemerkung gehört sich nicht.

    Ich muss bis anfangs November warten, dann habe ich 6 Std. IV-Assistenz. Den jungen Mann kenne ich aus dem Altersheim, der hat Humor und ich freue mich.

    Irgendwann werden meine Freizeitaktivitäten anlaufen und sie sind zu meiner Freude gedacht.

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