Neuropsychiater

Eigentlich erwarte ich von einer Arztkonsultation, dass der behandelnde Arzt hilft, anstehende Probleme zu lösen. Durch die langsame Reduktion eines sinnlosen Medikamentes, bin ich auf eine Art Enzug geraten. Der Teilschritt hätte für mich kleiner ausfallen sollen, was natürlich keiner vorhersagen konnte.

Akut gefährlich ist der schlechte Schlaf. Das Schlafmedikament, das ich seit über einem Jahrzehnt je nach Not einnehme, ist heute unbeliebt in der Ärzteschaft, sollte also durch ein anderes Präparat ersetzt werden.

Mein Neuropsychiater will mir heute schmackhaft machen, dass ich zusätzlich psychisch krank sei. Dumm gelaufen, ich bin intelligent, kenne die Diagnose, weiss, dass sie mit cerebralparetischem Verhalten oft verwechelt wird und bin deshalb völlig krankheitsuneinsichtig. Da ich von Psychiatrie schreibe, ist völlig klar, dass Uneinsichtigkeit per sei ein Krankheitssymptom ist.

Wenn ich den Neuropsychiater zwischen die Finger kriege, dann dusche ich den eiskalt ab. Ich habe eine riesengrosse Wut, weil ich allein gelassen auf Selbstmedikation zurückgreifen muss. Die nächste Stunde habe ich bei dem Arzt bereits abgesagt. Langjährige psychiatrische Erfahrung hat mich gelehrt, dass jede Widerrede meinerseits zwecklos ist.

Ich muss schlafen können, also werde ich eine Woche lang das Schlafmedikament regelmässig einnehmen und dann schaue ich wieder, ob mein Körper seinen Schlaf selbständig findet. Irgendwann schafft er das, das weiss ich mit Bestimmtheit aus langjähriger Erfahrung.