Suizid religiös

Ich werde hier keine Vorlesung halten, wie Suizid in den verschiedenen christlichen Konfessionen beurteilt wird. Ich selbst bin evang.- ref., wie viele SchweizerInnen. Das ist unsere reformierte Grosskirche, wie z. B. Deutschland die LutheranerInnen kennt. Unsere Reformatoren waren Zwingli und nach dessem frühen Tod Calvin, der so streng war, dass SchweizerInnen noch heute in der Regel fleissig und strebsam sind.

Von einem evang.-ref. Pfarrer wurde die Sterbehilforganisation Exit gegründet. Ihre Arbeit ist gesetzlich verankert, genaustens überwacht und wird auch z. B. von DL in Anspruch genommen, weil dort die Gesetzeslage anders ist. Wenn ich mich nicht irre, geht die Arbeit von Exit unter dem Begriff „passive Sterbehilfe“. Wer sterben will, muss fähig sein, selbst das Medikament einzunehmen und nochmals, wenn ich mich nicht irre, muss die Person fähig sein zu beurteilen, was sie macht. Demente PatientInnen oder Menschen mit geistiger Behinderung haben keine Chance.

Oft wird vermeintlich fromm zitiert: „Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, gepriesen sei der Name des Herrn.“ Nun hat die moderne Machbarkeitsmedizin so gar nichts mehr mit dem Willen des Herrn zu tun. Sie gleicht viel eher dem Turmbau  zu Babel.

Bsp: Ein Früchen wird ins Leben gezwungen, klar ein ganzes Leben mit einer oder mehreren Behinderungen. Die behandelnden Ärzte sind allein daran interessiert, was machbar ist. – In einigen Ländern gibt es gegen diesen Machbarkeitswahn Gesetze, die beinhalten, wie viele Wochen ein Ungeborenes im Mutterleib sein muss, bis die Starmedizin anrollen darf. Ich finde diese gesetzliche Korrekturmassnahme wichtig und sinnvoll.

Bsp: Altersmedizin. Gerade habe ich ca. 5 Monate in einem Altersheim leben müssen im Bereich Nichtdemenz. Die BewohnerInnen haben ein Durchschnittalter von 89 Jahren. Ich habe niemanden gefunden auch nicht unter den Nichtdementen, der fähig gewesen wäre, eine normale Plauderei zu führen. Die Menschen erleben im Altersheim nichts. Es fehlen Impulse. Die Zeitung, der politische Alltag ist weit weg. Manchmal erzählen sie von früher. Rasch wiederholen sich diese Erzählungen. Zusammengefasst ermöglicht die Altersmedizin, bzw. die Medizin, dass wir teilweise viel zu lange leben (müssen). Eine Frau war sich voll bewusst, dass sie im Altersheim nur noch auf den Tod wartet. Realistischerweise stimmt das. Ist es menschlich zumutbar, so leben zu müssen?

Soweit die Beispiele. Vielleicht wird die Medizin irgendwann wieder menschenfreundlich. Meine Religion, der Gott, an den ich glaube, der nimmt mich an, völlig egal, wie mein Leben zu seinem Ende kommt. So glauben zu können und zu dürfen, ist für mich sehr tröstlich.

 

Randbemerkung, Nachtrag: Im Altersheim, Im Esssaal für die Einnahme des Mittagessens, wurde ich neben zwei demente Damen gesetzt. Ihre Demenz war noch nicht soweit fortgeschritten, dass sie auf die Demenzabteilung verlegt worden wären. Anfänglich betrachtete ich mich als Profi, weil ich beruflich früher u. a. mit dementen Menschen zu tun hatte. Nach Wochen und Monaten wurde ich eines besseren belehrt. Es wurde mir unerträglich, die ewig gleichen Geschichtchen anzuhören. Ich griff nur noch ein, wenn die eine Dame nicht wusste, wo das Salatbuffet war oder vergass über den Salat Sauce zu geben. Der Gedanke, dass jmd. aus Hilflosigkeit wie ein Kanninchen Rohfutter essen muss, war mir unerträglich.

Eines Tages war die eine Dame nicht anwesend. Wir waren alle ahnungslos und haben gedacht, sie sei ausgegangen, habe Besuch. In der Folge sickerte durch, dass sie unverhofft verstorben sei. Was dann über ihre Todesstunde durchgesickert ist, hat mich zutiefst erschreckt. Die Aussage, ob jmd. von der Pflege anwesend war oder nicht, bleibt im Dunkeln. Klar scheint, dass sie gefrühstückt hat, ihr dann schlecht wurde und sie sich übergeben musste.

Ich schreibe hier von einem Altersheim für gehobene Ansprüche mit hohen Preisen!

Wenn ich meine Todesstunde irgendwie organisieren kann, möchte ich nicht alleine sterben müssen.

 

Ein Gedanke zu „Suizid religiös

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