Die Wahrheit tut weh

Okay, ich wusste es schon lange, mir war bewusst, dass ich meinen jetzigen Zustand nicht mit früher vergleichen kann. Das Ausmass des Unterschieds kam gestern in der Kletterhalle an den Tag. Irgendwie hat mein Kopf noch eine Ahnung vom Klettern, aber so wirklich weiss er nicht mehr, wie es geht.

Die Körperspannung ist perdu, wenn meine Füsse zu hoch sind, traue ich die Hände nicht mehr loszulassen. Von der Strecke her schaffe ich im Extremfall eine halbe Wand. Im Boulderbereich, wo die weichen Matten liegen, kann ich kaum über letztere gehen, ich falle fast hin. Ich erinnere mich nicht, dass  ich früher damit ein Problem hatte.

Die Physio empfiehlt Aufwärmübungen im Boulderbereich, nur waagrecht klettern, ja nicht in die Höhe. Wenn ich in die Höhe klettere angeseilt, dann keine bestimmte Route, sondern alle Farben. Genauso fängt mann und frau mit Klettern an. Genau da stehe ich wieder.

Was mich überrascht und erfreut hat ist, das meine Kletterausrüstung noch existiert. Mit dem Vermerk „krank“ wurde sie geschützt ca. über zwei Jahre im Garderobesschränkchen belassen. Das ist extrem ungewöhnlich und ausserordentlich kulant und darauf hätte ich nicht zu hoffen gewagt.

1. Mal Assistenz

Irgendwann findet mein Assistent die Wohnung und wir stehen uns gegenüber. Ich zeige ihm die Wohnung und möchte dann mein Velo flott machen und mit ihm per Velo einkaufen gehen. Wir schieben frohgemut mein Fahrrad zur nächsten Tankstelle, dort hat es sicher Luft. Hat es auch, nur das Ventil, das passt nicht.

Also gehen wir zurück zum kleinen Einkaufszentrum, kaufen meine Wünsche ein und schieben das Velo dahin woher es gekommen war.

Im ganzen war ich über eine Std. auf den Beinen. Okay, ich weiss, dass das nicht viel und nicht lang ist. Für mich ist es aber genau das in meinem gegenwärtigen Gesundheitszustand und ich bin stolz darauf, dass ich so lange auf den Beinen stehen und laufen kann und nicht notfallmässig eine Sitzbank suchen muss.

Irgendwelche Leute haben mir schon einen Rollator empfohlen. Wie ich den mit meiner linken Hand soll schieben können, wurde mir nicht verraten. Ich trau mir das nicht zu. Rollatoren haben ein ziemliches Eigengewicht. Im Altersheim wurde diskutiert, wie hilfreich ein Rollator ist, wenn z.B. Rosskatanien in der Kastanienallee vor dem Altersheim am Boden rumliegen. Logisch, dass die Rollatoren sich verharken, wegspicken, zigzagfahren, milde ausgedrückt eine zusätzliche Gefahr darstellen.

Höllenlärm

Spix hat mir so richtig einen Schrecken eingejagt. Ich bin in der Küche am abwaschen und plötzlich scheppert es gewaltig. Sofort gucke ich, wo Spix ist. Sie sitzt neben zwei ihrer Spielzeugkartonschachteln. Ich wundere mich, wie ein 3 kg Kätzchen mit Karton einen solchen Spektakel verursachen kann.

Erst später entdecke ich, dass mein Notebook zu Boden gedonnert ist. Ich bin hell entsetzt. Sofort malt sich mein Kopf aus, dass Spix hätte unter das herabfliegende Notebook geraten können. Ich kann mir den Unfall nur so erklären, dass Spix im Spiel die Stromkabel nicht beachtet hat und zwar gründlich nicht. Mein Notebook ist gross und über 1 kg schwer.

Die Tischlampenzuleitung ist auch hinüber: Die Lampe blitzt noch auf, aber einschalten kann ich sie nicht mehr.

Natürlich versuche ich Spix zu erklären, dass mein Notebook „Nein“ ist. Allerdings ist das zu abstrakt, finde ich. Jetzt habe ich die Kabel über eine Stuhllehne gezogen und erkläre meinem Katzenmonster, dass dieser Stuhl tabu ist, dass sie nur auf dem Boden, hinter dem Stuhl ihren Weg hat.

Ich werde wohl bis am Abend brauchen, bis sich mein Kopf von dem Schrecken erholt hat. Spix ist schneller, sie spielt.

Irgendwann kommt der Elektriker in meine Wohnung. Mit dem gucke ich dann an, welche Kabel ich in meiner Mietwohnung Spixsicher machen kann. Meine Nerven!


Spix findet auch, ihre Nerven. Die Waschtrockenmaschine wurde geliefert und steht im Bad von Spix Katzenklo. Spix hat sich versteckt und selbst ihr Lieblingsessen lässt sie ihre Angst nicht überwinden. —Erster Fortschritt Spix beschuppert das Fressen ca. 2m von der laufenden Waschmaschine. Daran muss sie sich gewöhnen und ich muss nicht mehr in den Keller, das richtige Münz zusammenklauben und all die Umstände.

Spix macht rasch Fortschritte. Ich habe sie auf meinen Arm genommen und wir sind im Gang unbeeindruckt an der laufenden Maschine vorbeimaschiert. Spix macht das wirklich gut. Allerdings wird mir der Lärm zuviel. Türe geschlossen, Katzenklo umplaziert.