Vollpfosten mit Meute

Gut, ich habs getan. Ich bin in die Stadt mit dem Tram auf den Weihnachtsmarkt, um ein Glas Glühwein zu trinken. Das habe ich alles getan beim Münster. Alles ist schön und gut, ich habe mir sogar gedörrte Tomaten und Pesto auf einem Samstagstrassenmarkt erstanden. Dann gehe ich am Zytgloggen vorbei Richtung Käfigturm und da ist es passiert, auf der Höhe des Marktgassmigros. Ein Mann rammt mich mit seinem Einkaufswägeli, das so lang ist, dass ich mehrere Schritte lang gerammt werde und fast hingefallen bin. Der Mann entschuldigt sich flüchtig, ich gebe zurück, ich sei behindert, er fragt nicht einmal, ob ich einen Schaden von seinem Verhalten davongetragen habe. Ich denke total verängstigt und konsterniert an den Oberschenkelhalsbruch, dem ich knäppstens entronnen bin, beeile mich und tippe den Mann an der Schulter, um ihm die Gefährlichkeit seines Tuns vor Augen zu führen.

Da kommt die Meute ins Spiel. Sie beobachtet mich und greift mit übeschäumender Einbildung für ihre Selbstgerechtigkeit ein: Der Mann habe sich entschuldigt und ich hätte kein Recht…… Ich wiederhole nochmals schreiend, wie gefährlich das gewesen sei und wie knapp ich einem Oberschenkelhalsbruch entronnen sei.

Und mit raschem Schritt entferne ich mich. Vermutlich kommt da der liebe Gott ins Spiel.

Es ist kurz vor Mittag und ich gehe in ein Restaurant essen. Leider sehe ich von meinem Sitzplatz aus zwei Polizisten. Was leide ich vor Angst, dass ich abgeführt werde. Mein Kopf ist ausser sich und durch keine Intelligenz der Welt zu beruhigen.

Jetzt bin ich zuhause und hier fühle ich mich zu meinem Glück sicher und hier will ich jetzt ganz langsam zur Ruhe kommen.

5 Gedanken zu „Vollpfosten mit Meute

  1. Oh Du meine Liebe, wie gerne möchte ich jetzt bei Dir sein!
    Du warst sehr mutig, sehr tapfer, ich denke aber, dieser Ausflug, der Dich mit der Meute in Berührung bringen konnte, war doch ein wenig zu viel für den Anfang …

    Jetzt kannst Du zur Ruhe kommen, alle Aufregung und Angst abfallen lassen. Dein Therapeut hat Dir sicher auch die richtigen Mittel und Wege zur Entspannung in einer solchen Situation mitgegeben. Ich habe mich jetzt auch aufgeregt beim Lesen, nun, wo Du das alles heil überstanden hast, sowohl körperlich als auch psychisch (Du bist nicht ausgerastet!!!), nun entspanne ich mich auch – mit Atmen …

    Eines aber ist sicher: Du warst in Gefahr, aber Du bist allein und ohne weitere Zwischenfälle sicher nach Hause zurückgekehrt. Ich finde, das ist ein Grund, auf Dich stolz zu sein! Großartig, wie Du diese Situation gemeistert hast, auch wenn Du jetzt geschafft bist, das ist verständlich.

    Laß es Dir jetzt einfach nur gut gehen … vielleicht eine schöne Musik? Oder ein Spiel mit Spix? Oder eine halbe Stunde an der Töpferscheibe? Egal, ich wünsche Dir gute Erholung von dem Schrecken, und daraus die Erkenntnis Deiner Stärke!

    Alles Liebe,
    Eliane

    • Danke für deinen liebevollen Kommentar.

      Ich habe mir auch schon überlegt, ob ich nur noch in Begleitung meiner Assistenz oder sonst einer erwachsenen Person unter die Menschen gehen sollte.

      Für mich war die Unfallgefahr ganz schrecklich: Mit 60 falle ich nicht mehr rasch hin und stehe wieder auf. Oberschenkelhalsbruch ist mein Schreckensgespenst.
      Klar will ich überhaupt nicht in ein Spital. Zu berücksichtigen ist, dass die Knochen von Menschen mit cerebraler Parese schlechter zusammenwachsen. Um diesen Faktor würde sich ein Heilungsprozess verlängern. Damit ist mein Horror perfekt. Ich habe genügend Spital- und Heimerfahrung und ich will frei sein für den Rest meines Lebens. – Das ist undiplomatisch, aber liest sich perfekt :-).

  2. Ich habe ein Beschwerdemail an die Polizei verfasst. Ich bin in solch einem Ausmass traumatisiert, dass ich wissen will und muss, ob ich alleine die Stadt Bern betreten kann oder ob das für mich zu gefährlich ist, ich beim geringsten Problem von der Polizei in die öffentliche Psychiatrie verfrachtet werde für mindestens drei Monate, nur weil ich behindert und spastisch bin und an einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung leide.

    Die CH soll angeblich ein Rechtsstaat und eine Demokratie sein. Ich fühle mich wie ein politisch verfolgter Flüchtling. Um nicht in der Psychiatrie inhaftiert zu werden, muss ich……….. beachten. In der öffentlichen Psychiatrie herrscht medikamentöse Zwangsbehandlung, herrscht Gewalt. Ich hatte nie soviele blaue Flecken wie im Frühjahr 2017 als mir die Pflege und die PatientInnen Gewalt antaten. Damals konnte ich nicht laufen, weil ich vom Cerebralparetischen Schub so geschwächt war. Ich musste in der Psychiatrie auf dem Boden rumkriechen und bekam KEINEN Rollstuhl. Diesen Skandal werde ich mit der Ombudsstelle dem betreffenden Oberarzt ins Gesicht sagen. Oft muss ich darüber nachdenken und frage mich, wie mir jmd. das antun konnte: Eckelhaft, demütigend, schweinedreckig insbesondere die Bodendecke zum Garten, stehend vor Dreck, Drittweltland. Der Terrassenboden nach der Schmutzschleuse war bedeckt von Kaffeeresten, frischer oder eingetrockneter Spucke, kurz dort landete alles auf dem Boden, was frau sich vorstellen kann. Abstossend, ecklerregend. Ich wäre bestimmt krank geworden, wenn mein Immunsystem nicht so stark wäre, wie es ist.

  3. Ich verstehe Deine Angst, sie muß unbeschreiblich groß sein. Kannst Du Deinen Theapeuten anrufen? Ich glaube, das wäre jetzt der einzig richtige Weg, Dich mit ihm zu besprechen, bevor Du irgendwas sonst aus Deiner Erregung heraus tust.

    Schick die Mail an die Polizei nicht ab, noch nicht, nicht in diesem angstvollen Zustand, ich bitte Dich darum! Morgen ist es auch noch bald genug, schlaf erst einmal drüber. Und sprich mit Deinem Therapeuten zuerst, bevor Du was unternimmst.

    Bin jetzt in Sorge um Dich!
    Ich schicke Dir jetzt einen starken großen Schutzengel, der wird Dich halten und beschützen!

    Eliane

  4. Danke meine Liebe. Das Mail habe ich schon abgeschickt und ein Mail an meinen direkten Cousin den Stadtpräsidenten der Stadt Bern mit dem indiskreten Hinweis darauf, dass mir niemand meiner Familie hilft und ich die Polizei informieren werde, wer mein direkter Cousin ist, nämlich der Stapi von Bern, wenn sie mich wahrnimmt.
    Einem Therapeuten kann frau nicht irgendwann mailen oder telefonieren. Da muss ich bis Montag od. Dienstag warten, wenn ich wieder Stunde habe.
    Ich erlebe gerade viel: Natürlich ist es schön, nicht mehr depressiv zu sein. Aaaaber es ist sehr anstrengend, dieser plötzliche Wechsel, diesmal innerhalb einer Stunde von so zu anders.

    Sei bitte nicht in Sorge: Hier in meiner Wohnung tut mir keiner was. Vielleicht schlafe ich schlecht, das ist dann schon alles. Nach Bern gehe ich für eine Weile nicht mehr. Essen kriege ich hier, das ist problemlos.

    Äs liebs Grüessli

    Wie

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