Rache ist süss

Die Einkäufe haben geklappt, vor Schreck war ich 2-3 Std. zu früh in der Stadt mit entsprechend geringem Publikumsaufkommen. Im Altersheim hat es eine kleine Cafeteria. Dort habe ich mir einen Kaffee und ein Gipfeli bestellt und eine Heimbewohnerin anfragen lassen, ob sie mit mir Kaffee trinken möchte. Das wollte sie und so verbrachten wir eine vergnügte gute Stunde.

Irgendwann fand ich, ich könne nun bei meiner Mittagessendame klingeln, was klappte und wir unterhielten uns vergnügt, gingen dann in den Esssaal, wo ich mich bemühte all die BewohnerInnen freundlich zu grüssen, die mich während meines Aufenthalts gegrüsst hatten. Das was plötzlich eine riesengrosse Menge Menschen.

Als wir den Esssaal verliessen, sah ich ihn schon von weitem, meinen ersten Exehemann, diesen Menschen, der so gar nichts Menschliches an sich hat. Bekanntlich ist seine Mutter in diesem Heim und ebenso bekanntlich behandelt er mich wie den letzten Dreck. Die Situation war genial günstig: Eine Menschenmenge in der der Herr Professsor garantiert Haltung bewahren muss und nichts anderes tun kann, als Höflichkeit zu heucheln. Also sprach ich ihn an und fragte, was mit seiner Mutter sei, sie esse nicht im Esssaal und ich sei um Informationen gebeten worden. Und dann geschah genau das, was ich erwartet hatte, der Herr Professor konnte nicht anders als Haltung bewahren. Ich schaute dem kurz zu und erklärte dann, ich hätte zu tun und weg war ich. Vorher heuchelte ich rasch mein herzliches Beileid, weil die Dame im Sterben liegt und laut ärztlichen Prognosen die Feiertage nicht mehr erleben wird. Minus ein böser Mensch auf dieser Welt.

Diese Rache war zuckersüss und ich werde mich noch lange innerlich grinsend an sie erinnern.

4 Gedanken zu „Rache ist süss

  1. Ich habe meinen Text vier-, fünfmal gelesen und geniesse es. Es fühlt sich an, wie wenn die Macht eines Bösen gebrochen ist. Ich wurde in dieser Exfamilie nur willkommen geheissen wegen……. und nie und niemals wegen mir, weil sie mich als Mensch gemocht hätten. Ich war nur Mittel zum Zweck.

  2. Dieses Gefühl gönne ich dir, ich kann es nachvollziehen. Und da du mit dieser Rache niemand schadest, auch nicht der trotz allem bedauernswerten alten Dame, tust du ja auch nichts ethisch Unrechtes. Wie sich es sich für dich jetzt anfühlt, so wird es hoffentlich andauern.
    Hast einen wirklich schönen Tag gehabt, gell?

  3. Die alte Dame, Exschwiegermutter, ist um die 90 Jahre alt, dement…… in solch einem Fall spricht frau von Erlösung. Sie will sicher zu ihrem früher verstorbenen Ehemann. Diese Generation glaubt, dass man sich im Jenseits wiedertrifft.

    Ein schöner Tag ist für mich mit meinem Assistenten. Unter Bernburger gibt es x geschriebene und ungeschriebene Regeln. Beherrsche ich aus dem ff, empfinde ich als anstrengend. Ganz süss war, als mich meine Dame zum Abschied küsste, ein Zeichen von Zuneigung.

  4. Ich habe seinerzeit intensiv das erste Buch von Natascha Kampusch gelesen. Mich hat interessiert, woher sie die Kraft nahm. U. a. hat sie sich gut zugesprochen, dass sie älter werde und sich eines Tages wehren könne.
    Ich habe immer gewartet, dass ich zw. 50 und 60 Jahre alt sein werde und die Vätergeneration im Greisenalter, alt und schwach. Dann dachte ich immer, dann kann mich keineR mehr in eine Ecke drängen, in der ich nicht wohl bin, dann entscheide ich, weil ich die tonangebende Generation repräsentiere. Jetzt ist es genau soweit und ich bin sehr, sehr froh darum.

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