Nur Angst

Ende Woche habe ich diesen Facharzttermin. Ich muss Dienstleistungen von ihm haben, was meine Medikamente betrifft und diese sollte er bitteschön gut erbringen. Daneben habe ich elementare Angst und Traumatas, die noch voll aktiv sind. Ich gehe zum Arzt und überlege mir, was ich wie sagen soll, damit ich die Dienstleistung bekomme, die ich so dringend benötige. Eigentlich sollte ein Arzt mich behandeln und nicht ich ihn.

Aber so läuft es nicht. Wenn ich irgendeinem Arzt in die Finger gerate, dann habe ich genau die Symptome seiner Fachrichtung: Der Neurologe findet neurologische, der Psychiater psychiatrische und der Traumatologe traumatische. Ich sitze auf irgendeinem Stühlchen, kratze mich am Kopf und denke, was stimmt nun? Nicht zu vergessen, dass ich mit knapp drei Monaten Rauchentzug von dem Geschehen auch noch Symptome haben kann wie Schlafschwierigkeiten, Gereiztheit, Depression, Übellaunigkeit.

Das macht das Ganze nicht einfacher. Es war ein ungünstiger Moment mit dem Rauchen aufzuhören nach dem Motto, es ist alles zu viel, also schmeisse ich noch einen Rauchstopp drauf. Der geht dann in der Totalüberforderung unter und fällt nicht weiter auf.

Am Freitag dieser Termin und ich habe echt Schiss. Was wenn dieser Facharzt wieder nichts taugt und ich nochmals einen anderen suchen muss? Ich verstehe nicht, warum diese Fachärzte nicht einfach ihren Beruf ausüben mit ihren Kompetenzen und wenn es über ihr Fachgebiet geht, die PatientInnen weiterleiten. Aber nein, es wird behandelt, was das Zeug hält, ich nenne es verwaltet und die PatientInnen wie in meinem Fall leben mehr schlecht als recht und werden retraumatisiert und neu traumatisiert ohne Ende.

Wenn ich heute schon so fest Angst habe vor einem Termin, der am Freitag kommt, dann ist da was im Busch, was dort nicht sein sollte.

Unverständlich

Früher haben mich Menschen gefragt, was ich alles erlebt habe mit meiner Behinderung, mit meiner Familie, mit meinen Kindern etc..

Immer mal haben die Fragenden abgeblockt, insbesondere wenn ich zu viel über meine Kindheit und meine Ursprungsfamilie erzählte. Mir war das jeweils unverständlich. Warum fragen Menschen nach Informationen, die sie nicht hören wollen. Das ergab für mich keinen Sinn. Das andere, was für mich keinen Sinn ergab war, dass ich diese Dinge erlebt habe an meinem eigenen womöglich noch kleinen Kinderkörper und erwachsene Personen kippten innerlich um, wenn sie nur davon hörten.

In diese Falle bin ich sehr oft getappt, zu oft. Ganz klar sind meine Schmerzgrenzen total verschoben, wohl nicht nur im körperlichen Bereich, sondern auch im seelischen. Schliesslich wurde das, was ich erlebt habe als normal oder gar liebevoll und fürsorglich benannt. Da fand ich wohl manches normal, was diesen Begriff nicht verdient.

Natürlich hat mich dieses Abblocken jeweils verletzt und ich begriff nicht, warum Menschen so wenig belastbar sind, wenn ich es doch von klein auf sein musste.

Wer jetzt denkt, das würden nur Laien tun, der liegt falsch. Sog. Fachpersonen tun dasselbe. Sie beginnen zu werten. Einmal sagte ich einer Fachperson, die mich negativ bewerten wollte, sie solle  meiner Hausärztin anrufen, sie kenne alle Beteiligten. Das hat sie getan und dann war Ruhe im Karton.

Fehlplazierter Stein

Ich reagiere immer gleich auf Untragbares. Ich halte die Luft an und in meinem Bauch wohnt ein Stein.

Heute in der Therapie habe ich den Stein erwähnt und so wurde er zum Thema. In keiner anderen Behandlung habe ich es bisher erlebt, dass dieser Stein in einer Sitzung so bearbeitet werden kann, dass ich nur noch fühle, dass da mal was war, dass aber der Stein selbst weg ist. Ich erinnere daran, dass ich selbst hochkonzentriert mitarbeite, indem ich nach den Vorgaben imaginiere, fühle und beurteile. Nix von der Therapeut macht und ich leg mich mal in die Hängematte.

Zwei Themen wurden heute bearbeitet. Eines hat mein Psychologe noch nie erlebt. Er hat es entsprechend gewürdigt als erniedrigend und vernichtend. Das ist zwar unangenehm, solches erlebt zu haben, aber es ist sehr befreiend endlich jemanden gefunden zu haben, der blitzschnell spürt, wie das gewesen sein muss und das aushält, nichts schön reden muss. Das zweite Thema war herzlos und vernichtend, also kein Deut besser.

Beide Themen wurden verarbeitet und dann war der Stein weg. Ich bin gespannt, wie lange dieses Gefühl der Erleichterung andauert, wie mancher Stein noch des Weges kommt. Nächste Woche bekomme ich Instruktionen, wie ich selbst versuchen kann, mir zu helfen. Das habe ich zwar in meinen Imaginationen versucht, aber völlig falsch, weil ich nur dachte, der Stein stehe für eine vergangene Last und mir nicht bewusst war, dass er für ein Thema oder mehrere Themen steht, die nicht verarbeitet sind.

 

 

8-tung Weiterlesen nicht für Zartbesaitete:

  • Inhaltlich ging es darum, dass ich täglich die Essensreste vom Teller meiner Mutter zu essen bekam, um dann als dick verspottet zu werden. Objektiv betrachtet war ich normalgewichtig, meine Mutter magersüchtig und meine ältere Schwester sehr schlank, vielleicht sogar untergewichtig. ———– Ich bin wertvoll und hübsch.
  • Weil ich mit einem Mann geschlafen hatte, sprach meine Mutter nicht mehr mit mir und ich musste diesen Zustand zwei Jahre lang bis zu meiner Hochzeit aushalten. Mein Vater blieb passiv. ————- Ich bin neugierig und ich werde geliebt.

 

Nach dem Aushalten und Verarbeiten des Vergangenen, wähle ich aus einem Angebot Sätze, die jetzt zu mir passen. Solche Sätze habe ich fett geschrieben. Die gibt es als Belohnung nach dem unangenehmen Teil der Arbeit. Was getan wird ist genau strukturiert, hat einen logischen Ablauf. So kreativ die Arbeit ist, so präzise sind die einzelnen Schritte. Ich bin auch schon im Irgendwo-Nirgendwo gelandet, sehr beliebt der Fehler zu sehr ins Trauma eingewickelt zu werden und den Abstand zu verlieren. Da braucht es hilfreiche Anleitung und Begleitung zurück zum sicheren Ort.

Was auffällt

In der letzten Therapiestunde war ein für mich schwieriges Thema an der Reihe, total aktiv durch ständige Flashbacks in Form von vorgestellten Gesprächen. Natürlich geht die Therapie nicht von Pontius zu Pilatus und wieder zurück, weil es eine lange Verkettung von traumatisierenden Situationen gab. Also wird die schlimmste Erinnerung hervorgeholt. Ich weiss nicht wie das genau geht, aber es funktioniert bei mir bestens. Sofort sehe ich ein Bild, eine Situation und das allerschlimmste daran ist das vermeintlich höfliche Lächeln.

Mit einem Federstrich und einem Gedankenblitz ist all der Schein entlarvt. Es wird sehr oft gelehrt, dass körperliche Gewalt weniger schlimm ist als psychische. Nicht einmal die Zwangschemie ist so grässlich wie dieses falsche, verlogene, professionelle Lächeln oder soll ich unterstellen, dass es ein freudiges Lächeln des Herrn des Hauses ist?

Beim anderen Kandidaten war es auch der Gesichtsausdruck: Überfordert, sprachlos, verständnislos. Die oben beschriebene Bösartigkeit war nicht vorhanden. Interessant, wie differenziert die Zuordnung der erlebten Eigenschaften ist. Auch hier ist das Körperliche grässlich, ich war viele Male geschlagen worden und kroch wochenlang zeitweise auf dem Boden rum. Eigentlich schlimm genug, aber das Seelische ist schlimmer.

Interessant finde ich, wie ich mich entfernen kann nach der Verarbeitung der Traumatas: Nach dem ersten Durchgang war ich in Eingangshalle des betroffenen Gebäudes. Nach dem Zweiten mitten auf dem Rasen und ich konnte so hoch springen, dass ich wegfliegen konnte. Diese Möglichkeit zu haben, mich selbst zu entfernen, war genial.

Die Gedankenraserei ist zu 95% weg und ich kann die Restaktivität stoppen. Das finde ich sehr angenehm.

Nicht vorhanden

Logischerweise versuche ich im Internet Blogs oder Foren zu finden, die vom Heilungsverlauf einer (k)PTBS berichten. Für die Rauchentwöhnung gibt es das: Zuerst ist das Reissen nach der Zigaretten gross und dann nimmt es in Wellen ab.

Nicht so bei meinem gesundheitlichen Hauptproblem. Symptome werden beschrieben in vielfältigsten Varianten, auch die gängigen Verwechslungen mit anderen psychiatrischen Diagnosen, die unendliche Mühe die Diagnose zu bekommen, eine entsprechende Fachperson und dann Sendepause. Ein Blog beschreibt sogar, dass die Symptome unheilbar sind. Die Blogs oder Foren, die ich finde sind jahrealt und scheinen momentan nicht wirklich aktiv zu sein.

Die ganze Zeit frage ich mich, warum es so wichtig ist, nicht allein unterwegs zu sein. Ist es Ungeduld, ist es Angst? Weil ich so lange suchen musste nach der richtigen Therapie, bin ich ängstlich, dass ich zu wenig schnell zu wenig lernen kann, dass mir aus welchen Gründen auch immer meine Therapie abhanden kommt. Es ist schwierig auszuhalten, mich selbst zu beruhigen, mir zu sagen, dass es einen Weg geben wird, dass ich keine Angst haben muss.

Diese Angst kann ich momentan nicht loslassen, wie sehr ich es mir auch wünsche. Bei vielem kann ich mir gut zureden und dann klappt es, aber nicht bei dem Thema.

 

Flashbacks

Gestern habe ich gelernt, dass ich keine Ahnung habe, was alles Flashbacks sind. Natürlich sind die aktiv. Offenbar gibt es sowas wie ein Drängeln um Gesundheit. Ich stelle mir das vereinfacht so vor, dass ich in einem Kochtopf rühre und da sind z. B. Gemüsestückchen drin und je mehr ich rühre desto mehr kommen an die Oberfläche und das kann in der Therapie gleich behandelt und verarbeitet werden.

Ich habe schon mehrfach beschrieben, was der Unterschied zw. meiner Traumabehandlung und gängiger Psychiatrie ist, zumindest wie ich sie erlebt habe.

In der Traumabehandlung werde ich nicht bewertet und ich mache nichts falsch, nein, ich müsste mir nicht etwas mehr Mühe geben, anders denken lernen. Auch wenn dieser Aspekt nicht heil macht, aber es ist eine gewaltige Erfahrung völlig ohne die ewige Schuldfrage arbeiten zu können. Aus der Suchttherapie weiss ich schon lange, dass die Schuldfrage obsolet ist. De facto ist die Gesellschaft anders organisiert.

Also ich habe alles gut gemacht, es war zu erwarten, dass ich mehr Hilfe brauche und dass wieder eine Depression kam, die höchstwahrscheinlich schneller vorbeigeht. Das scheint ein gängiger Gesundheitsverlauf zu sein, dass die Krankheitsphasen kürzer werden.

Die wichtigsten Themen, die hochgekommen sind, haben wir gestern mit EMDR verarbeitet. Falls irgendwas nochmals aktiv wird, werde ich mir Mut machen, dass dieses Thema der Vergangenheit angehört.

Der Psychologe hat auch gesagt, dass meine täglichen Meditationen wieder wirksam werden durch die Therapiesitzungen.

Ich habe es von Anfang an verglichen mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Es ist viel Konzentration und viel Übung. Ich soll übrigens sehr schnell sein beim Lernen.

 

Guter Rat teuer

Viele Menschen scheinen zu denken, dass Menschen wie ich ihre Probleme bündeln können, um sie einer Fachperson darzulegen und sich fachlich helfen zu lassen. So läuft es weder bei mir noch bei Traumatisierung in der CH.

Wer nicht mitgelesen hat: Im Alter von zwei Jahren wurde ich medizinisch behandelt, so dass ich unerträgliche Schmerzen erlitt. Das ist meine erste Traumatisierung. Die läuft natürlich völlig unentdeckt mit mir durch meine Lebenszeit. Klar, dass ich damals nie von mir gesagt hätte, dass ich traumatisiert sei. Mit zwanzig wusste ich glasklar, dass ich Nacherziehung brauche, wie ich es für mich nannte, dachte, dass ich das selbst erledigen könne. Mit 22 Jahren kam die erste offizielle Depression, ein klassisches Symptom von Traumatisierung. Die ging vorbei, dann war einige Jahre Ruhe etc. etc. bis zu dem Punkt als ich pro Jahr 2 bis 4 Depressionen bekam.

Ich erinnere mich genau, wie ich in einer Klinik der Physiotherapeutin gegenüber schüchtern formulierte, dass ich als Kind auf die Physio wie auf Folter reagiert hätte. Wie höflich, schüchtern und zurückhaltend war meine Formulierung. Sie stopfte mir meinen Mund für Jahre. Trotzdem blieb in meinem Bewusstsein, dass ich traumatisiert sei auf nicht anerkannte Art. Mir kamen andere Themen in den Sinn, bei denen das Leiden der Betroffenen unter den Tisch gekehrt wurde, jahrzehntelang, möglichst so lang bis die Betroffenen gestorben sind. Tote kosten nichts.

Immer hat sich meine Gesundheit verschlechtert. An irgendeinem Punkt war sie unaushaltbar und die klassische Reaktion der Mediziner war Repression.

Jetzt bin ich erste Schritte mit meinem Traumatologen gegangen. Ich bin in keiner Depression. Mein Alltag ist total unbefriedigend, ich schaue praktisch nur Trash-TV und alle meine Hobbymöglichkeiten stehen und liegen ungenutzt herum. Natürlich kann ich keine Wunder in wenigen Stunden erwarten. Ebenso natürlich ist es für mich schwierig weiter auszuhalten und abzuwarten, bis die Therapie mein Leben hoffentlich zusehends verbessern wird.

Schweigen oder schreiben, Dampf ablassen oder aushalten? Keine Ahnung was richtig ist. Die schlechten Energien der unverarbeiteten Traumatas rasen natürlich ständig in meinem Körper. Kommt mir oft so vor als hätte ich in meinem Oberkörper eine Spielzeugautorennbahn und die Autos rasen wie wild.

Klar ist, dass ich so clever sein muss mit meinen eigenen Resourcen, dass ich überlebe. Das muss frau sich auf der Zunge vergehen lassen: Ich bin 60 Jahre alt und lebe. Dazu gehört, dass ich das, was ich hier schreibe meistens drei-, viermal lese. Schreiben gilt in der Feld-, Wald-, Wiesenpsychiatrie als eine Möglichkeit der Verarbeitung. Keine Ahnung, ob Schreiben kleinere Probleme löst oder grosse etwas verkleinert. Zu wünschen wäre es.

Traumatherapie

Ich versuche laienhaft zu beschreiben, was ein Trauma ist und was die Traumatherapie macht.

Traumatisiert wird ein Mensch, wenn er einer Situation hilflos und passiv ausgeliefert ist. Er kann in keine Aktion gehen, die an seiner misslichen Lage etwas verbessern würde. Mein erstes Bsp.: Ich bekam sehr schmerzhafte Physiotherapie ab dem Alter von zwei Jahren, ich habe geschrien wie am Spiess, das hat niemanden interessiert und irgendwann bin ich verstummt. Das ist eine klassische traumatisierende Situation. Ein zweijähriges Kind ist den Erwachsenen hilflos ausgeliefert.

Was passiert? Die Energie, sich zu wehren, sich selbst zu helfen, kommt nicht zu einem guten Abschluss und beim geringsten Auslöser, wird das Trauma wieder aktiv, natürlich mit heftigsten Emotionen. Ich z. B. höre mir zu, wie ich etwas erzähle, wie erregt meine Stimme ist, ob ich fast schreie. Dann bin ich über mich informiert. Z. B. die PZM Erlebnisse  sind nur traumatisierend, ich habe den ersten Aufenthalt „Guantanamo 2“ getauft:

  • Einzelhaft, eingeschlossen tagelang, die angeblichen Gründe frei flottierend, völlig sinnfrei
  • 5 Punktfixierung gegen renitentes Verhalten
  • Kein Toilettenzugang, völlig willkürlich
  • Chemische Zwangsbehandlung, trauriger Höhepunkt Haldol, was ich wegen meiner Spastizität überhaupt nicht vertrage und in schmerzhaften Krämpfen auch meiner rechten Seite endete.
  • Essenskontrolle und – willkür, wenn weggesperrt
  • Gewalt an mir vom Personal – es gibt etliche youtube Filme und immer schildern ZwanspsychiatriepatientInnen, dass sie nicht informiert wurden, was das Personal von ihnen wollte, dafür erlebten sie vom Personal Gewalt – und von zahlreichen MitpatientInnen. Ich war körperlich so schwach, dass ich ein gefundenes Fressen war für SchlägerInnen.

Eine Traumatherapie bringt nun diese Energie, die im Körper rumrumort, zu einem guten Abschluss, das Trauma wird verarbeitet und dann ist es nicht mehr so aktiv oder überhaupt nicht mehr aktiv. Eines meiner schlimmsten Erlebnisse hat dazu geführt, dass ich ab dem Zeitpunkt, als ich es erlebte, jährlich 2 bis 4 Depressionen habe. Der Traumatologe und ich haben an diesem Trauma gearbeitet in einer Stunde. Es war nicht total gelöst in einem Durchgang, aber ich habe doch gelernt, dass diese Bedrohung vergangen ist und nicht in meiner Gegenwart stattfindet. Das ist wichtig, zu lernen, dass etwas der Vergangenheit angehört. Ein unverarbeitetes Trauma bleibt in der Gegenwart.

Wenn ich mein Leben anschaue, dann denke ich, haben sich die Traumatas angehäuft und meine Lebensqualität hat sich im gleichen Ausmass verschlechtert. Aber ich habe, weil ich sehr viele Resourcen mitbringe, mich sehr lange recht und schlecht über Wasser halten können.

Wie es geht mit Traumatas zu leben, das weiss ich und wie es geht Traumatas zu verarbeiten, das lerne ich.

Sich selbst durchschauen

Es macht keine Freude, sich selbst kaum etwas vorlügen zu können. Ich wollte mit dem Rauchen aufhören. Soweit, so gut, so nett. Bloss wie habe ich das getan? Völlig stümperhaft und die Quittung habe ich längst und keine Ahnung, wie ich aus der Nummer einigermassen clever rauskomme.

Blenden wir zurück. Ich war in all diesen Institutionen total unfreiwillig und ganz klar gestresst. Dann kam ich endlich in meine Wohnung und zuerst wollte ich Gewicht zulegen, weil ich ein Notpolster für eine nächste Depression haben möchte. Sobald ich aus dem Altersheim raus war, klappte das und war anfänglich gewollt.

Nun hat sich an der Front die Lage völlig verändert dadurch, dass mein Traumatologe mich innerhalb einer Therapiestunde aus einer Depression herausholen kann. Das konnte ich natürlich weder wissen noch vorhersehen, dass Traumatherapie bei mir so gut anschlägt.

Mit dem Rauchstopp wachse ich nun munter und ungebremst in die Breite und das ist für mich körperlich absolut nicht von Vorteil. Ich sollte dringend in die Liga „Möhrchenknabberer“ wechseln.

Den zweiten Fehler, den ich beim Rauchstopp gemacht habe, ist so klassisch, dass er zum Schreien ist. Nach all den Institutionen in denen Alkohol verboten war oder im Altersheim viel zu teuer, habe ich in meiner Wohnung nachgeholt. Logisch kann ich nicht 1 1/2 Jahre oder wie lange es war Alkohol nachholen. Aber Alkohol hat den Platz der Belohnung(!) eingenommen. So muss ich weiterfahren und dann habe ich irgendwann ein Riesenproblem. Andere saufen sich um Kopf und Kragen und ich schaue mir wenige Monate zu und durchschaue mich.

Jetzt muss ich mir gut zureden, dass ich zuerst den Alkohol weglasse und dann die Kalorien bei der Nahrungsaufnahme reduziere. Ich denke, ich frage meinen Assistenten, der graphisch arbeitet, ob er mir Belohnungsplakate gestaltet für Gewichtsverlust, so alle zwei Kilos oder so.

Falsch gedacht

Ich denke einfach falsch, weiss es und verstehe trotzdem nicht, warum mein Denken nicht normal sein soll. Das gibt ein ziemliches Durcheinander und geht folgendermassen:

Aus meiner Sicht ist gute Gesundheit keine Selbstverständlichkeit. Also versuche ich, soweit ich gesundheitlich kann, gute Erlebnisse zu sammeln, damit ich mich an schöne Zeiten erinnern kann, wenn ich nicht mehr so gut kann. Ein Bsp. ist die Wanderung in die Gspaltenhornhütte. Diese schöne Erinnerung gehört mir und niemand kann sie mir wegnehmen. Oder jetzt die Zeit mit Jonathan. Seine Arbeitsweise ist excellent und überhaupt nicht alltäglich. Da gilt es jeden Augenblick möglichst zu geniessen.

Andere Menschen scheinen es selbstverständlich zu nehmen, dass gesundheitlich alles gut läuft. Wenn diese Zeit irgendwann vorbei ist, scheinen sie keinen Notvorrat zu haben. Je nachdem staune ich Bauklötze, weil sie soviel konnten und sich dessen überhaupt nicht bewusst sind. Guter Rat ist dann teuer. Solidarität hilft am meisten und Klappe zu, wenn ich staune. Ich kriege regelmässig Saures, wenn ich meine vorlaute Denke nicht halten kann und sage: Du konntest so lange dieses, jenes und überhaupt sehr vieles.

So denke ich falsch und kriege regelmässig auf die Ohren.