Falsch gedacht

Ich denke einfach falsch, weiss es und verstehe trotzdem nicht, warum mein Denken nicht normal sein soll. Das gibt ein ziemliches Durcheinander und geht folgendermassen:

Aus meiner Sicht ist gute Gesundheit keine Selbstverständlichkeit. Also versuche ich, soweit ich gesundheitlich kann, gute Erlebnisse zu sammeln, damit ich mich an schöne Zeiten erinnern kann, wenn ich nicht mehr so gut kann. Ein Bsp. ist die Wanderung in die Gspaltenhornhütte. Diese schöne Erinnerung gehört mir und niemand kann sie mir wegnehmen. Oder jetzt die Zeit mit Jonathan. Seine Arbeitsweise ist excellent und überhaupt nicht alltäglich. Da gilt es jeden Augenblick möglichst zu geniessen.

Andere Menschen scheinen es selbstverständlich zu nehmen, dass gesundheitlich alles gut läuft. Wenn diese Zeit irgendwann vorbei ist, scheinen sie keinen Notvorrat zu haben. Je nachdem staune ich Bauklötze, weil sie soviel konnten und sich dessen überhaupt nicht bewusst sind. Guter Rat ist dann teuer. Solidarität hilft am meisten und Klappe zu, wenn ich staune. Ich kriege regelmässig Saures, wenn ich meine vorlaute Denke nicht halten kann und sage: Du konntest so lange dieses, jenes und überhaupt sehr vieles.

So denke ich falsch und kriege regelmässig auf die Ohren.

4 Gedanken zu „Falsch gedacht

  1. Guten Abend, liebes Grünmonsterchen!

    Du denkst falsch, meinst Du? So ganz falsch sehe ich das gar nicht, und in vielen Fällen hast Du wahrscheinlich völlig recht. Aber diese Menschen, die alles selbstverständlich nehmen, wollen nicht wahrhaben, daß es eben nicht selbstverständlich war und können es nicht akzeptieren, nun auf Hilfe angewiesen zu sein. Und schon gar nicht wollen sie das hören, was Du ihnen sagst, das ist ja ein Finger in die Wunde …

    Ich kann auch vieles nicht mehr, das ist der Lauf der Welt, mit dem Alter lassen die Kräfte nach. Aber ich bin gar nicht wehmütig darüber, keinen Baum mehr ausreißen zu können, nein, ich möchte das gar nicht mehr und auf anstrengende Wanderungen oder Reisen habe ich keine Lust. Ich sag mir, es war schön, aber jetzt bin ich froh, daß ich mich nicht mehr so anstrengen muß, es ist auch ein Geschenk des Alters, das Leben mehr zu verinnerlichen und den Reichtum der Stille und Ruhe zu erfahren. Also brauche ich keinen „Notvorrat“ aus vergangenen Zeiten, ich schaue immer noch in die Zukunft, wo es viel zu entdecken gibt, das mir kein Fitness-Training abverlangt!

    Schwer ist es bestimmt, wenn die Mobilität eingeschränkt wird. Ich weiß nicht, wie es mir damit erginge. Mag mir das gar nicht vorstellen, so nach dem Motto „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Noch habe ich großes Vertrauen, daß ich meine Lebensenergie nicht zu früh verliere …

    Herzliche Grüße,
    Eliane

  2. Liebes Blaumonsterchen, guten Morgen

    Die Ereignisse haben sich selbst überrollt. Der Mensch, der nach der Meinung anderer zu wenig gesund war, liegt auf der Intensivstation. Da stellen Angehörige vermutlich genau noch eine Forderung: Schicksal, lass diesen Menschen überleben. Falls er überlebt, dann sind sie vermutlich froh und alles andere ist vergessen. Eins steht schon jetzt fest, der Gesundheitszustand wird schlechter sein, falls der bzw. die PatientIn überlebt, nach der Entlassung aus dem Spital und das wird so bleiben oder sich verschlimmern.
    Wer die Phantasie nicht hatte, dass es noch schlimmer kommen könnte bzw. musste, der wurde jetzt wach gerüttelt.

    Aber nun zu uns. Klar verändern sich die Interessen mit zunehmendem Alter. Du freust dich über ein reiches Leben und viele Erlebnisse. So abgeklärt bin ich noch nicht. Ich möchte noch das eine oder andere erleben können.

    Mobilität würde ich mit einem fahrbaren Untersatz ausgleichen. Aber Demenz finde ich schlimm. Ich habe so viele Menschen mit Demenz erlebt, die unter ihrer Demenz leiden. Im Altersheim habe ich liebevolle, demente Menschen gesehen und ich bin buchstäblich die Wände hoch, wenn ich Tag für Tag daselbe Bruchstück einer Geschichte hören durfte, konnte, musste. Auch der Austausch mit nicht dementen BewohnerInnen im Altersheim war nur so eingeschränkt möglich, dass ich innerliche Schreikrämpfe bekam. Da durfte ich nur Abnicken, was mir erzählt wurde und nicht selbst denken. Jonathan und ich rauchten damals ab und zu auf meiner Terrasse eine Zigarette, er war meine Rettung.

  3. Guten Abend in die Monsterchenrunde.
    Nicht zu vergessen: Ein herzliches Prosit Neujahr. Alles Gute für Euch: Gesundheit, Frieden, Freude…was auch immer für Euch an erster Stelle steht.
    Ich war stimmungsmäßig…wetter?…ein bisschen abgetaucht, träge.

    Du denkst nicht falsch, Wieort, aber du denkst anders.
    Der eine kommt mit dem goldenen Löffel auf die Welt, der andere im Slum.
    Bei dem einen ist alles so, „wie es zu sein hat“, der andere kommt mit einer Behinderung zur Welt.
    Klar entwickeln sich da die Denkweisen unterschiedlich. Die in der Sonne können lange unbekümmert und unbeschwert leben. Die wenigsten kommen auf die Idee, dass das ein Grund zum demütig oder dankbar sein ist. Und eigentlich glaube ich, dass das auch wünschenswert ist, lange Jahre kindlich sorgenfrei zu leben. Welch ein Geschenk.
    Die Erkenntnis, dass das alles nicht selbstverständlich ist, kommt durch Schicksalsschläge, eigene und die anderer.
    Manche…aber lange nicht alle…können damit nicht umgehen. Die sinnlose Frage: Warum ich?
    Ein von Krebs gezeichneter Mann hat mich angeschaut und dann gesagt: Immer habe ich gedacht, das ist eine Krankheit für die anderen. Jetzt frage ich: Warum NICHT ich?
    Bei dir, Wieort, denke ich, dass du mit der CP aufgewachsen bist, gelebt hast und lebst. Du warst eigentlich immer „zu zweit“. Und daraus resultiert ein anderes Lebensgefühl, denke ich.
    Lieben Gruß
    filippa

  4. Oh, Ihr Monsterchen macht mich auf ein Veräumnis aufmerksam –
    Ich wünsche Euch beiden auch ein gesegnetes gutes neues Jahr!

    Liebe und Frieden!
    🌺🌸🌷🌹🌻 ❤️❤️❤️ 😊😘😰😥😊 ❤️❤️❤️ 🌻🌹🌷🌸🌺

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