Traumatherapie

Ich versuche laienhaft zu beschreiben, was ein Trauma ist und was die Traumatherapie macht.

Traumatisiert wird ein Mensch, wenn er einer Situation hilflos und passiv ausgeliefert ist. Er kann in keine Aktion gehen, die an seiner misslichen Lage etwas verbessern würde. Mein erstes Bsp.: Ich bekam sehr schmerzhafte Physiotherapie ab dem Alter von zwei Jahren, ich habe geschrien wie am Spiess, das hat niemanden interessiert und irgendwann bin ich verstummt. Das ist eine klassische traumatisierende Situation. Ein zweijähriges Kind ist den Erwachsenen hilflos ausgeliefert.

Was passiert? Die Energie, sich zu wehren, sich selbst zu helfen, kommt nicht zu einem guten Abschluss und beim geringsten Auslöser, wird das Trauma wieder aktiv, natürlich mit heftigsten Emotionen. Ich z. B. höre mir zu, wie ich etwas erzähle, wie erregt meine Stimme ist, ob ich fast schreie. Dann bin ich über mich informiert. Z. B. die PZM Erlebnisse  sind nur traumatisierend, ich habe den ersten Aufenthalt „Guantanamo 2“ getauft:

  • Einzelhaft, eingeschlossen tagelang, die angeblichen Gründe frei flottierend, völlig sinnfrei
  • 5 Punktfixierung gegen renitentes Verhalten
  • Kein Toilettenzugang, völlig willkürlich
  • Chemische Zwangsbehandlung, trauriger Höhepunkt Haldol, was ich wegen meiner Spastizität überhaupt nicht vertrage und in schmerzhaften Krämpfen auch meiner rechten Seite endete.
  • Essenskontrolle und – willkür, wenn weggesperrt
  • Gewalt an mir vom Personal – es gibt etliche youtube Filme und immer schildern ZwanspsychiatriepatientInnen, dass sie nicht informiert wurden, was das Personal von ihnen wollte, dafür erlebten sie vom Personal Gewalt – und von zahlreichen MitpatientInnen. Ich war körperlich so schwach, dass ich ein gefundenes Fressen war für SchlägerInnen.

Eine Traumatherapie bringt nun diese Energie, die im Körper rumrumort, zu einem guten Abschluss, das Trauma wird verarbeitet und dann ist es nicht mehr so aktiv oder überhaupt nicht mehr aktiv. Eines meiner schlimmsten Erlebnisse hat dazu geführt, dass ich ab dem Zeitpunkt, als ich es erlebte, jährlich 2 bis 4 Depressionen habe. Der Traumatologe und ich haben an diesem Trauma gearbeitet in einer Stunde. Es war nicht total gelöst in einem Durchgang, aber ich habe doch gelernt, dass diese Bedrohung vergangen ist und nicht in meiner Gegenwart stattfindet. Das ist wichtig, zu lernen, dass etwas der Vergangenheit angehört. Ein unverarbeitetes Trauma bleibt in der Gegenwart.

Wenn ich mein Leben anschaue, dann denke ich, haben sich die Traumatas angehäuft und meine Lebensqualität hat sich im gleichen Ausmass verschlechtert. Aber ich habe, weil ich sehr viele Resourcen mitbringe, mich sehr lange recht und schlecht über Wasser halten können.

Wie es geht mit Traumatas zu leben, das weiss ich und wie es geht Traumatas zu verarbeiten, das lerne ich.

12 Gedanken zu „Traumatherapie

  1. Ja, sie sind vergangen, deine Traumata.
    Deshalb würde ich sie auch ruhen lassen. Schau sie dir im geschützten Raum deiner Therapie an. Ansonsten, so weit du es vermagst:traumafreie Zone. Selbst verordnet. In eigener Verantwortung.
    Genieße den Sonntag, genieße Spix.
    Schönen Tag dir! (Muss zum Dienst!)

  2. Hallo, Du Liebe!
    Ich habe gerade etwas ganz Wunderbares im Radio gehört, das muß ich Dir Trompeterin sofort schicken: Das berühmte Rondo Cappriccioso von Camille Saint-Saëns gespielt mit Trompete!
    Hör Dir das an, da geht Dir das Herz auf:
    Es sind noch andere Stücke des grandiosen Trompeters Sergei Nakarlakov auf YouTube, diese beiden sind auch wunderschön:
    Ich wünsche Dir einen fröhlichen, geruhsamen, beglückenden Sonntag!
    Herzlichst,
    Hannelore

  3. Oh je, da ist was schief gelaufen, ich habe Dir andere Titel schicken wollen.
    Ich versuche es noch einmal mit dem Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saens:

  4. Fein, Du hast meinen Murks einigermaßen ins Lot gebracht, liebes Grünmonsterchen! Da bin ich jetzt echt froh. Den Gabriel Faure sehe ich leider nicht, aber das hier ist auch wunderschön, obwohl es doppelt da ist, macht nix. Da hat es einen Programmfehler mit YouTube, sowas kommt vor.

    Der Trompeter spielt toll, ich bin ganz begeistert!
    LG. Hannelore

    • So, und jetzt auf einmal ist das Stück von G. Faure doch da. Offensichtlich läuft da eine Serie von mehreren Stücken ab unter dem selben Link. Das Titelbild sieht so aus:

      Hier kann man aber nicht anklicken, ich habe nur ein Screenshot gemacht!
      Liebe Grüße
      Eliane

  5. Hoffentlich bist Du nicht ungehalten, weil ich Deine schöne Blogseite so „verziert“ habe.
    Zu Deinem Text habe ich ja noch kein Wort geschrieben. Das hole ich jetzt nach.

    Ich verstehe Dich, liebe Wieort, daß Du Deine Traumata gerade verarbeitest. Vielleicht gehört ja das Schreiben darüber auch dazu. Die bewußte Entscheidung, wie Filippa sagt, in der traumafreien Zone zu verweilen außerhalb der Therapie, hat schon viel für sich, das meine ich auch, aber sie fügt hinzu „soweit Du es vermagst“. Deshalb schicke ich Dir Musik, die Du liebst, damit die Traumata draußen bleiben können.
    Fühl Dich umarmt!
    Herzlichst, Eliane

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s