Stressabbau

Meine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung war am Schluss nicht mehr zum Aushalten noch zu Kontrollieren. Die Stressspirale drehte immer schneller und es wurde immer wilder. Ich bin froh, dass ich aus lauter Not z. B. keine Straftat begangen habe oder sonst was wirklich Dummes. Ich hätte einen Autounfall provozieren können. Ich hätte einen Suizid oder Suizidversuch machen können. Trotzdem führte sie zu grässlichen Szenen, die wiederum zu den altbekannten Fehlbehandlungen führten. Die CH ist ein Anfängerland, was den Umgang mit traumatisierten Menschen betrifft. Ich war Patientin von x Arztpraxen, da rechne ich mindestens die drei letzten Jahrzehnte mit und nicht einmal wurde ich an eine Traumabehandlung angemeldet. Dafür wurde gepfuscht was das Zeug hält und mir ging es immer schlechter. Das sei halt so, wurde ich belehrt. Eine Frechheit sondergleichen, wenn ich bedenke, dass es mindestens seit den 90er Jahren anerkannte Traumabehandlung gibt.

Ich wundere mich noch immer, wie Menschen Mitmenschen behandeln dürfen und es ist keine Straftat. Nur an einem einzigen kleinen Punkt wird ein Mensch mit der Hilfe meines Anwalts zur Rechenschaft gezogen. Ansonsten kann man Mitmenschen ausnutzen, veräppeln, verarschen, übervorteilen und nichts, gar nichts davon ist anklagbar. Wenn ich dadurch unter einem immensen Leidensdruck stehe, dann bin ich der Depp im Umzug, für mich unverständlich.

Jetzt endlich habe ich mir eine Traumabehandlung selbst organisiert. Letztlich draufgekommen bin ich durch eine Reaktion meinerseits, die ich als glasklares Flashback identifizierte und die auszuhalten ich nicht bereit war. Also eigentlich ist es ein kleiner, blöder Zufall, der mich aus der vollendeten Misere rauskatapultiert.

In solch einer Extremsituation ist es sehr wichtig, Stress abzubauen. Jedes Trauma, das nicht verarbeitet ist, kann getriggert werden und schon läuft es auf Hochtouren, Stress pur. Die begleitenden Depressionen sind nicht ohne und von A bis Z Stress. Heute habe ich z. B. das schmutzige Geschirr stehen lassen, weil es mir egal ist. Sonst habe ich immer mit äussester Not aufgeräumt, weil ich mich schämte, nicht einmal fähig zu sein, das bisschen Geschirr wegzuräumen.

Wenn der Stresspegel dann gehörig gesunken ist, wenn zwischen 30 und 50 Traumatas verarbeitet sind, erhoffe ich mir, nicht mehr so schreckhaft zu sein. Das wäre toll: Jemand kommt ungesehen von hinten und ich hopse nicht einen halben Meter in die Luft. Oder ich muss nicht mehr gereizt auf alles Unvorhergesehene reagieren, ich könnte z. B. neugierig sein. Das wäre doch einfach genial.

Heute hat mich mein genialer Assistent umarmt. Er hat sofort gesehen, dass ich aus der Depression raus bin, weil ich ihn angelacht habe. Wir haben wie Kinder rumgetollt und anderes Essen eingekauft, das worauf ich gerade Lust habe. Nächsten Montag machen wir ein Festessen mit dem Silberbesteck, das ich flicken liess, einer zweier Garnitur.

Das Silber ging kaputt als ich zum erstenmal zwangshospitalisiert wurde. Ein Schaden von über 10’000.- SFr. Die Spitex war in der Wohnung. Der Schaden egal. Damals habe ich in diesem bescheuerten Spital gelitten wie ein Hund allein wegen des Silbers und dieses entstehenden Schadens. Wäre ich abgedreht gewesen, wie die Ärzte noch heute behaupten, hätte ich sowas nicht realisiert.

Ich habe nur flicken lassen, was ich brauchen kann und will. Ein Zweierset z. B. für mich und Jonathan oder mich und Eliane oder….

5 Gedanken zu „Stressabbau

  1. Liebes Grünmonsterchen,
    jetzt nenne ich Dich wieder so, weil Du wieder lachen kannst …

    Schöne Geschichte – das mit dem Silberbesteck! Ich hab’s wohl verstanden:
    „Ein Zweierset z. B. für mich und Jonathan oder mich und Eliane oder….“
    So etwas geht tief!

    Herzlich,
    Eliane

  2. Natürlich, hoffentlich geht es tief, liebes Blaumonsterchen. Es geht auch bei mir tief, wenn ich was geniessen kann. Geburtstag, Weihnachten, Ostern….alles auf einmal.

    Heute hatte ich meine Schreckhaftigkeit am Hals. Wir waren auf zwei Pferden im vereisten Wald und plötzlich Lärm. Sofort wurde ich stocksteif und suchte das Auto. Der Helikopter war es und die Reitlehrerin findet, dass Autos einfach zu warten haben, bis Pferde die Strasse freigeben können. Eine befreiende Einstellung, die ich übernehmen will.

  3. Und noch was zum lachen oder weinen in ironischem bis sarkastischem Tonfall:

    Gerade hatte ich einen total manischen Anfall: Ich hatte genügend Energie, mir die Zähne zu putzen. Das muss manisch hochdrei gewesen sein, dass ich meine Beisserchen mühelos reinigen konnte. Jetzt hau ich einen obendrauf und genehmige mir Mundspülung. – Ich bin dann mal weg! –
    Bevor ich die Sanitäter rufe, könnte ich Körpermilch einreiben. Das wäre ein fast nicht mehr zu toppender Luxus. – Tschüss!!!

  4. Ja so was! Ein guter Tag, liebe Wieort! Eingecremt und Feierabend. Rundum zufrieden.
    Es ist gut, dich gut begleitet zu wissen: dein genialer Assistent und dein kompetenter Traumatherapeut. Frau muss viele Frösche küssen, bis die richtigen Menschen an ihrer Seite sind. Nein, falsch. Muss sie eigentlich nicht. Schön ists, wenn sie endlich Licht am Ende des Tunnels sieht.
    Wünsche dir einen erholsamen Schlaf!
    Filippa1

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