Zerrissenheit

Warum ist es so schwierig ruhig zu bleiben? Warum platzt mir der Kragen irgendwann immer, auch wenn ich mich noch so anstrenge? Mit b. haben wir darüber nachgedacht.

  • Sicher ist, dass mir der Kragen platzt, wenn ein Trauma dahinter steckt. – Wenn ich rumschreie, muss ich mir nur überlegen, was das Trauma ist. Das ist so praktisch wie das Bluten einer Fleischwunde. Intensität etc. geben Auskunft über die Schwere der Verletzung. – Darum nützt der Hinweis nichts, ruhig zu bleiben. Ruhig bleiben habe ich zu dem Zeitpunkt schon bis zum Ekzess versucht und leider hat es nicht geklappt. NOT-wendend ist die Traumabehandlung. Die senkt den Stresspegel von Behandlung zu Behandlung.
  • Schreie ich auch, wenn Meine Erwartungen nicht erfüllt werden? – Das will ich beobachten.
  • Sicher schreie ich bei Überforderung, soweit ich nicht verstumme, weil ich total überfordert bin.
  • Sicher schreie ich nie manipulativ oder aus Lust am Kravall.
  • Früher habe ich mich wahnsinnig geschämt. In der Zwischenzeit stehe ich mehr zu mir und gut ist.
  • Was mich auch zerreisst sind Dinge die mir so offen und klar sind und NTs wissen noch nicht einmal, dass ein Problem im entferntesten entstehen könnte. Ich erinnere an die Situation, die von einer Gruppe PatientInnen erlebt wurde und nur ich wusste SOFORT das gleich jmd. geschlagen wird und eilte dazwischen. Mit einer anderen Patientin habe ich gesprochen, sie hat die drohende Gefahr nicht realisiert, hätte gern geholfen den Gewaltausbruch zu verhindern oder die Parteien so zu trennen, dass niemand zu Schaden kommt. Solche Beispiele gibt es viele und die Verständigung ist schwierig, weil was für den einen so selbstverständlich ist für den andern nicht existiert.

 

Soviel kommt mir gerade zu diesem meinem Dauerbrennerthema in den Sinn. Ich habe mich oft gefragt, wie dieses heikle Thema ausschauen würde, wenn ich ein Hitzkopf und nicht so selbstbeherrscht wäre, wie ich bin. Dann wäre vermutlich Dauerkrieg. Ich weiss, dass Menschen im Dauerkrieg leben müssen, nicht weil sie es wollen, sondern weil das Schicksal ihnen so übel mitgespielt hat. Sie haben meine Empathie, weil es meiner Meinung nach etwas vom behindertsten ist, so leben zu müssen. Es ist einfach nur grausam.

2 Gedanken zu „Zerrissenheit

  1. Liebes „Schrei“- Monsterchen,

    Zur guten Nacht noch ein paar Gedanken für Dich, die mir beim Lesen Deiner Zeilen in den Sinn gekommen sind.

    Deine Zerrissenheit hat eine lange Geschichte, es sind die Traumata, die Dich zerrissen haben. Sie werden jetzt Stück für Stück entfernt aus Deiner Seele, mit jedem entfernten Stück kehrt an seiner Stelle Ruhe ein. Im Vertrauen darauf und aus bereits gemachter Erfahrung nimmt die Zerrissenheit langsam aber sicher ab. Deine Schreie gehören dazu, auch sie werden weniger im Verlauf der Therapie. Beherrschen, Zusammenreißen, Unterdrücken hast Du viel zu lange schon geübt oder üben müssen. Vielleicht ist der Schrei ja not_wendig, damit Du erkennst, was als nächstes Trauma entfernt werden soll.
    Ich meine, Du könntest dem Schrei auch danken, daß er Dir hilft.

    Ich wünsche Dir eine gute Nacht
    im Schlafen oder Wachsein,

    Eliane
    🌺🌸🌷🌹🌻

  2. Genau so sehe ich das auch. Du formulierst es wundervoll und beeindruckend elegant.
    In der Tat habe ich noch viel Traumaarbeit vor mir, aber GsD habe ich endlich die helfende Therapie gefunden.
    Ich schlief und jetzt ist Morgen.
    Äs liebs Grüessli
    wieort

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