Jungbrunnen

Ich bin wohl in einen Jungbrunnen geplumpst. Wie sonst lässt sich erklären, dass ich in den letzten Wochen Fähigkeiten zurückerlangt habe? Zuerst kam die Fähigkeit ab und zu meine Zähne zu putzen. Wie habe ich jahrelang darunter gelitten, meine Zähne kaum mehr putzen zu können! Dann habe ich vor einigen Tagen wieder begonnen mich ein wenig zu schminken. Ich geniesse all die Komplimente, die ich dafür einheimse. Heute habe ich mir ein vernünftiges Bügeleisen gekauft, weil ich solange stehen kann am Bügelbrett, um zu bügeln. Natürlich muss ich Pause machen, aber Aufwand und Ertrag stimmen. Meine selbstzustrickenden Socken wachsen wieder, noch zögerlich, aber sie wachsen. Dann der grosse Hammer:

Heute in der Traumatherapie haben wir das Thema „Spazieren können“ verarbeitet. Sofort kam an den Tag, dass mich meine Mutter von kleinster Kindheit an zur Eile gedrängt hat, ich war zu Fuss zu langsam, auf den Dreirädern zu langsam, auf meinem Zweirad, das ich mit 7 Jahren bekam, damals eine aufsehenerregende Einzigartigkeit noch immer ein Bremsklotz. Also traue ich mich noch mit 60 Jahren auf keinen Spaziergang alleine, bis heute. Nach der Therapie, als es langsam dunkel wurde, bin ich zu den Schrebergärten spaziert und habe mir in aller Ruhe die Frühlingsblumen angeschaut. Tulpen sind erst wenige am Blühen. In der Anlage habe ich einen Mann getroffen und mit dem geschwatzt. Die Unebenheit der Weglein war anspruchsvoll aber machbar, auf einem kurzen Stück musste ich mich mit dem Rücken gegen einen in den Weg ragenden Tujahag stemmen, auch das schaffte ich ohne umkehren zu müssen. In vollständiger Dunkelheit lief ich zurück, rief Spix, quatschte mit einer Frau, die Spix Miauen hörte und kehrte beglückt in meine Wohnung zurück.

Spazierwelt ich komme. Ich habe sogar einen Plan wie ich eine Bergwiese alleine anschauen gehen kann, ohne jemanden anbetteln zu müssen, mitzukommen! Freiheit willkommen in meinem Leben.