Grieder

In der Stadt Bern gibt es zwei namhafte Geschäfte für teure Damenkleidung. Eins davon ist Grieder. Heute bin ich dahinein. Dank online-Handel sind Fachgeschäfte höflicher geworden. Sie sind vermehrt auf KundInnen angewiesen. Einen Lift hat dieses Geschäft nicht. Wer nicht Treppensteigen kann, kommt nicht in die oberen Stockwerke. Für meinen Wunsch, eine weisse Jeans, musste ich ins UG. Nicht klar war mir, dass ich in einem fremden Geschäft ins UG fuhr. Um zu Grieder zurückzukommen, geleitete mich die Angestellte durch versteckte Spiegeltüren. Ich bekam eine zu Ausbildende im letzten Jahr, nächsten Monat hat sie Abschlussprüfungen. Aus der einen Jeans wurde eine Jeans plus passende überlange Bluse und die Option auf Regenbogensneakers, die in meiner Grösse zuerst bestellt werden müssen.

Im Parterre guckte ich die anderen Schuhe an. Mich entzückte ein anderers Sneakerpaar, angeschrieben 105.- SFr. Wow ein Schnäppchen in diesem teuren Geschäft. Nicht wirklich ein Verschreiber beim Preis. Die Innensohle lässt sich leicht entfernen, ideal für meine beiden Einlagen, ich kann den Qualitätsschuh erhöhen lassen. Diesjahr habe ich keine vernünftigen Schuherhöhungen geplant. Also sind Lustschuhe dran.

Den Regenbogenschuh kann ich anprobieren gehen, wenn er da ist. – Meine sämtlichen Einkäufe wurden in Seidenpapier gewickelt, damit sie nicht knittern. Mein Gedächtnis spulte zurück auf Vorzeiten, wo das selbstverständlich war. Es ist ein bisschen wie Menschwerdung, wenn ich textil „nach Hause“ komme. Typisch Bernburger: Qualität vor Quantität.