Hurrah! Gewonnen!

Vor einigen Wochen ist der Plan entstanden, mein Buch Verlagen zu unterbreiten. Praktisch wäre es, getane Arbeit mit einem Klick aus dem Läppi zu holen und ordentlich wie WieOrt ist, hat sie einen roten Ordner angelegt, Titel auf dem Ordnerrücken: Mein Buch.

WieOrt hat fetzenartige Erinnerungen, welche Arbeiten erledigt wurden, was tauglich ist und wer, wohl aus purer Eifersucht, ihr nur geschadet hat, ihren Schreibstil ausufernd und unsachgemäss kritisierte.

WieOrt ist verblüfft, als sie den roten Ordner öffnet: Ein neurologischer, ärztlicher Bericht, ein Gesamtstatus, in ihrem 51. Altersjahr erstellt, sieht ihr Auge, fluchen, blättern, alles unpassender Mist. Bucharbeiten? Fehlanzeige.

WieOrt, WieOrt geeicht, sucht sämtliche Ordner dreimal ab. Dreimal ist die Schlüsselzahl, danach gilt der Gegenstand offiziell als verloren.

Was erblickt mein Adlerauge eben? Ein Papierstapel noch nicht erfasst von der Grundsäuberung, die Jonathan und ich bei vorhandener Zeit laufend durchführen. WieOrt erwartet töpfereispezifisches Fachwissen. Ja, auch, aber hurrah, Sie haben gewonnen, der lange gesuchte Notizstapel kommt zum Vorschein. Will jmd. den Namen meines ersten Lektoren wissen? Jetzt kein Problem: Seine Mails befinden sich im gefundenen Stapel, samt Namen etc. – Ob er noch lebt, so manches Jahr später? Ob er sich freuen würde, wenn unsere Arbeit endlich ihr Ziel und ihre Bestimmung finden könnte? Ich denke ja. (Nachtrag mit Hilfe von Google: Er ist im CH Tel.buch, muss schwer über 70 Jahre alt sein und hat noch dieselbe Emailaddi.)

Was ich nach zweimaligem Durchblättern nicht finde, was vorhanden war, ist die Einschätzung der in Frage kommenden Verlage. Die Idee im Frühjahr 2013 war, möglichst lokal, allenfalls CH weit zu veröffentlichen.

Der Hauptverlag hat sich, 1. Lektor sei Dank, um mich Jungautorin in einem persönlichen Gespräch ausführlich bemüht. Mit Handkuss hätte er mich als Autorin begrüsst, wenn mein Buch in sein Verlegerkonzept gepasst hätte. – Das war ein Ritterschlag und ich dementsprechend platt.

Mein Blog hier war schon am Laufen und was mache ich als Deppin laut meinem damaligen Lektoren: Ich setze zu viel bei der LeserInnenschaft voraus. Der Lektor hat 100 Punkte. Diese, meine Schlagseite, ist mir mehr als bekannt. Ich schäme mich, meine Leserschaft mit aus meiner Sicht Selbstverständlichkeiten zu langweilen. Dumm gelaufen, dass mein Köpfchen keinen brauchbaren Allgemeinmassstab hergibt, dumm, sehr, sehr dumm.

Ich vergleiche mein Versagen an dem Punkt wie ich es als Deutschsprachige in den USA erlebt habe. Die Amis waren mit uns EnglischstottererIn sehr zuvorkommend: Sie erklärten uns laufend die aus ihrer Sicht schwierigen Fremdwörter, pauschalisierend Latein und Griechisch, im gebildeten Okzident meiner Generation, die Latein gebüffelt hat, ich zudem Griechisch und Hebräisch an der Uni, null Problem. Beim amerikanischen Wort kindergarten, bekamen wir CHs einen nicht endend wollenden Lachanfall.


Übrigens ist die Verlagssuche knallhartes Business, der Markt bestimmt, was gelesen wird.

Umgekehrt ich als Autorin bin überhaupt nicht bereit bei jedem Grümscheliverlag zu publizieren: Zytgloggeverlag, Hauptverlag = ja, Stämpfliverlag, eigentlich der logischste als Bernburgerin, ich rümpfe mein hochnäsiges Näschen, nein danke. Brunnenverlag? Nö, ich bin nicht evangelikal, Kreuzverlag wäre valabel, hat nach meinem Wissen keine Kinderbücher. Der Exneurologe hat immer den Verlag der Heilsarmee empfohlen, seine Mutter hatte dort veröffentlicht. Als Bernburgerin schwieg ich höflich, ich schwieg darüber, was ich über den Verlag denke.

Echt, im Alter von 60 Jahren, auch als Jungautorin, will ich nicht sämtliche Fehler machen, die AutorInnen machen können. Im Internet befinden sich beliebig viele dubiose Verlage, in Erinnerung einer, der vom Namen her topseriös daherkommt und dahinter ist Abzocke und Unfug, ab 10`000.- SFr. sind CHs voll dabei.

Valabel Verlag Ernst Kaufmann, Lahr . Er hat die wunderbaren Kinderbücher von Regine Schindler veröffentlicht.

Bösartiges Mensch, das ich bin, ging ich neulich, völlig in gegenwärtigem Schicksal meines nicht verlegten Buches arbeitend, in die einzige theologische Buchhandlung auf dem Platz Bern. Buchhandlungen sterben seit Jahrzehnten wie die Fliegen. Logisch war ich zu der Zeit die einzige Kundin. Mit der Geschäftsführerin sprachen wir über Gott und die Welt und irgendwann zog sie dieses Buch einer Jungautorin hervor, die unbedingt ein Buch haben wollte, das sich voll logisch überhaupt nicht verkauft. Ein Buch schreiben, ist die geringste Kunst. Ein Buch verkaufen ist höhere Mathematik in der heutigen Zeit. Das Buch muss in einschlägigen Medien, in der Presse angepriesen werden und der Name des Verlags garantiert geeignetes Renomee. Selbstverlag? Klar, sorry unklar: Will ich als Buchverkäuferin das Ende meiner Tage verbringen, tingelnd von einer Veranstaltung von Menschen mit Behinderungen zur nächsten? – Nein, nicht wirklich.

Mit Eigenverlag habe ich auf eine Art siebenjährige Erfahrung mit diesem, meinem Blog. Auch hier habe ich von WordPress sämtliche Werkzeuge eingekauft, um virtuell Türklinken putzen zu gehen. Mein bisher gezeigtes Interesse tendiert gegen Null. Die Tür ist offen, herein kommt, wer will und hoffentlich keinen Nervenzus.bruch hat, = meistgeklickter Artikel meines Blogs.

Genau da liegt der gegenwärtige Hund begraben: Ich habe zu wenige SpielkameradInnen rekrutiert, wird mir vehement vorgeworfen! Muss ich nicht, ich mache genau das, was mir passt. Im Sport gucke ich Tennis und Snooker, nie Fussball und andere Teamsportarten.

Mein Blog hat sich und das war nicht meine Zielgruppe zu einem Intellektuellenblog entwickelt. 95% der Menschheit wird auf dem Nivea nicht diskutieren wollen, das ist klar. Die Zeit dieses Blogs in der jetzigen Form läuft unaufhörlich ab. Geht einE NT-LektorIn darüber, wird meine Sprache alltagstauglich korrigiert werden. EinE JuristIn oder einE JournalistIn, jmd., der sich mit der gängigen Rechtslage auskennt, wird die dazugehörigen Fehler korrigieren und dann, erst dann, werde ich gezielt virtuelle Türklinken putzen gehen. Dann wird mein Interesse geweckt sein. Ich habe meinen Ruf zu verteidigen und das tu ich mit der Vehemenz mit der andere Menschen anderes tun.