Reisen so nimmer

Ich hatte damals einen Riesenaufwand betrieben, ich hatte ein für mich fernes Reiseziel. Wochenlang wälzte ich Karten, lernte Geographie auswendig, am Weg liegende Campingplätze, ferner oder näher, pickte eine Reisezeit, zu der ich zu damaliger Zeit nach Wahrscheinlichkeitsrechnung Null Depression haben würde und auf machte ich mich auf meine Reise. Die CH Route war mir einschlägig vertraut, bis zum Bodensee. A verlangt eine Vignette, die rechtzeitig zu besorgen war, die Bussen sollen unerwartet hoch sein. Dann fuhr ich, Gott weiss wo, in Berge, Chaletdörfer, schraubte mich hoch und hoch mit meinem kleinsten Wohnmobil, dem Skoda Roomster.

Wer reist, hat irdische Bedürfnisse, will Essen kaufen können, bloss wo? Die Dörfer zogen an mir vorbei, geschlossene Fensterläden, ich gewann den Eindruck von einer typischen Ferienregion. Wieviel Zeit war vergangen, war es der erste oder zweite Tag, als ich die Warenkette SPAR am Weg entdeckte: Aha potenzielle Nahrung.

In den Anfangstagen hatte ich einmal Lust auf einen heissen Kaffee, ausgeschenkt in irgendeinem Lokal. Nicht, kilometerlang kein Restaurant, Null Cafe, wo zum Teufel trinken Ös Kaffee? Meine Bremsen quietschten als ich an einer Bäckerei schon fast vorbeigerauscht war, in der CH würde das gleiche Ensemble Confiserie heissen: Theke mit Warenverkauf und einige Cafetischchen mit beliebiger Auswahl an Kaffee. Das war und ist der beste Kaffee, den ich in der Zeit bekommen und getrunken habe.

Irgendwann war ich in einem berühmten Bergort, in der CH zu vergleichen mit Gstaad, St. Moritz etc. ÖV kann ich nicht, mit dem Auto vorfahren war irgendwie nicht bekömmlich, die Distanz per Trottinett mit meiner damaligen Fitness, für die ich stets kämpfte, machbar. Ich habe nie Geographie gelernt, weil es mir Spass machen würde, sondern nur weil ich muss. Einkaufen, einkaufen in den eingebildeten, hochnäsigen Geschäften. In einem kaufte ich nichts, Nasenrümpfen meinerseits. In einem andern fand ich hochstehende Sportkleidung, männlich, die mir gefiel, die ich kaufte und noch heute gelegentlich für Sportaktivitäten einsetze.

Danach muss ich so fremdländisch gewieft geworden sein, dass ich für mich alles konnte. Irgendwann verliess ich meine vorbereitete Route und nahm eine Abkürzung. Meine Brust schwoll an um drei cm.

Ich hatte gelernt, mich in fremden Gelände auf meine Art zu bewegen.

Genau das werde ich gelegentlich wieder: Jonathan wird mir den Wohnwagen ankuppeln und dann macht er seine Ferien und ich die meinen, mit Joh!

Mein Ziel, die theolog. dt. Stadt zw. Schaffhausen und Bodensee. Auf CH-Seite kenne ich Schaffhausen und klar die Bodenseeregion, wo ich jahrelang arbeitete. Wie weit ich D-Gelände jenseits der Grenze kenne, weiss ich nicht mehr. Zu lang die Zeit, die seit meinem letzten Ausflug vergangen ist.*

Heute lerne ich keine Karte mehr, mache nur minimalistische Vorbereitungen, zu deutlich die Erinnerung an meinen damaligen Megaaufwand.

*Diese Pläne waren zu anspruchsvoll, realiter verliess ich die CH nicht, ich war schmerzverzerrt und hatte ein für mich wichtiges Medikament zuhause vergessen, dass ich mir notfallmässig neu organisieren musste.