Spix ungehorsam

Wie jeden Abend, sammle ich Spix ein, wenn sie gut gefüttert und wach ist. Sie kennt die Rituale, die ihren Nachtausgang einläuten. Königin Spix lässt sich zum Lift tragen, seit Wochen, es sind inzwischen bestimmt Monate draus geworden.

Ich, wohlerzogen von der Königin rufe den Lift, sie tritt auf meinem Arm in den Lift, ich drücke Türen schliessen und Erdgeschoss. Sobald die Lifttüre zu ist, setze ich Spix behutsam auf den Boden. Sie richtet sich stets an der Lifttüre so ein, dass sie beim kleinsten Spalt rauslaufen kann, in den nächtlichen Ausgang geht Königin Spix hocherhobenen Schwanzes. Ich Deppin grinse mir eins, weil die innere Schiebetür nicht auf das Volumen von Königin Spix ausgerichtet ist, Masse Deppin muss da antanzen. Die äussere Schiebetür kann Königin selbst öffnen, darauf ist sie megastolz und zischt immer in die gleiche Richtung ab.

Heute wartet dort mein Nachbar samt megakleinem Hund auf seinen Abendspaziergang. Wenige Sekunden trennen uns vor der Katastrophe. Die Gefahr einer ärgerlichen Katze für die Augen eines Hundes sind nicht zu unterschätzen. Ich bin überfordert, Spix habe ich für die Extremsituation nicht erzogen. Für alle NichtjuristInnen unter uns: ICH, ich allein bin haftbar für den Schaden, den meine Katze anrichtet.

Ich habe bei Spix Null Chance. Ich erwische sie nur am Schwanz, hochheben kann ich sie nicht. Der Hundebesitzer ist da wesentlich erfolgreicher, sein Hund liegt längst lammfromm auf seinem Schoss. Ich rüge Spix und entlasse sie ohne das übliche Vogelgezwitscher in die Nacht. Nein ist nein, weil nein, nein ist.

Finanziell vermag ich es schlicht nicht, mir und Spix ein besseres Zuhause zu bieten. X WohnungsnachbarInnen haben X verschiedene Bedürfnisse, Spix. Merk dir das, du dummes Babykätzchen. Nöööö……, realiter bist du nicht Königin, nur eine von vielen.