Imovane…

… war mein langjähriges Schlafmittel. Die Traumatas warum ich nicht schlafen kann, wurden von PsychiaterInnen, PschologInnen und ebensolchen Kliniken nie behandelt.

Seit Jahren ist mein Gedächtnis überdurchschnittlich schlecht. Zu Recht vermute ich Imovane als Grund und bin heute im Internet fündig geworden. Die Erholungszeit dauert Monate.

Um die Dosis nicht erhöhen zu müssen, habe ich mehrmals jährlich Imovane entzogen. Nächte habe ich mir unfreiwillig um die Ohren geschlagen, Schlafmangl lässt die chronischen Schmerzen hochschnellen, konnte ich bis 3 Uhr früh schlafen, gab ich mich mit diesem Erfolg zufrieden über Monate und letztlich damit über Jahre.

Nach wenigen Monaten Traumatherapie bin ich sprachlos über mich selbst, was ich alles ausgehalten habe als Bestandteil meiner angeblich so schlechten Gesundheit. Ich bin behindert, das lässt ich nicht wegblasen. Die Traumatas kann ich zu 80% verarbeiten und damit sind sie inaktiv und weggeblasen, meine Lebensqualität steigt exponitionell.

Jetzt muss ich also mit meinem Gedächtnis Geduld haben, die Hoffnung nicht aufgeben, dass es zumindest teilweise zurückkommt. Da freue ich mich sehr darauf, ich kann es kaum erwarten.

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Ärgerliche Zahlen

Eigentlich suche ich in der CH MedizinerInnenlandschaft eine Grundversorgung, die eine Ahnung hat von einer erwachsenen Cerebralparese.

Google spuckt Zahlen: 12.000 Menschen, Erwachsene leben mit einer Cerebralparese gegenüber 3.000 Kindern, die überall bestens medizinisch versorgt werden, damit sie möglichst nomal werden und zumindestens neurotypisch denken.

Eine Cerebralparese kann eine kleine motorische Schwäche bedeuten bis zum mehrfach geistig  behinderten Menschen, der in einem Rollstuhl betreut in einem Heim wohnt. Eine CP hat ganz unterschiedliche Auswirkungen, Folgen und daher Lebenskonzepte und Situationen.

In meiner Generation haben fast alle FussgängerInnen mit höheren Ausbildungen gedacht, wir seien als Kind behindert gewesen und hätten diese Behinderung ziemlich total hinter uns gelassen. Die Vernünftigeren von uns haben sich nur auf ihren Beruf konzentriert, nie geheiratet und keine Kinder in die Welt gestellt. Andere waren so naiv wie ich und haben keinen Fehler ausgelassen, immer unter tosendem Applaus, weil wir ach so normal waren.

Für die 12.000 Erwachsenen finde ich im Internet Null CH HausärztIn Empfehlung. Bei 8.5 Mio Bevölkerung hat nur jeder 700 bis 800ste eine CP. Die Zahlen sind ungenau, nur Richtwerte. Heime haben HeimärztInnen, da gibt es wohl medizinische Erfahrung.

Wie schaut es für Meinesgleichen aus? Von meiner Landhausärztin kann ich beim besten Willen nicht erwarten, dass sie ausser mir noch solch eine bescheuerte  Patientin hat. Sie hat logisch, neurologische und psychiatrische Fehldiagnosen übernommen und sie mir erklärt. Ich blieb höflich, habe mich jeweils gewundert. Nun ist für mich diese Zeitperiode abgeschlossen. Ich will einEn neueN HausärztIn und mich nur mit den Diagnosen und Leiden vorstellen, die ich wirklich habe. Sämtliche Fehldiagnosen können von mir aus in die Aare geworfen werden, sich im Rhein langsam auflösen und das Meer nie erreichen. Sie sind nur eins, Leidensmühlsteine an meinem Hals. Die habe ich jahrzehntelang rumgeschleppt und jetzt reichts.

Als CP habe ich eine verkürzte Lebenserwartung, befinde mich mit 60 Jahren auf der Zielgeraden. Mein Restleben will ich möglichst geniessen können und nicht das Portemonnaie von Fachleuten füttern für ihre FALSCHDIAGNOSEN. = Noch nicht ganz verarbeitetes Trauma, weil ziemlich massgebend für mein schlechtes Leben seit ich zwei Jahre alt war.

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Klar, Traumatas

Ich unterhalte mich mit einer Psychiatriepflegefachfrau, die an der Universität ein völlig anderes Studium lernt. Weg von diesem Erstberuf verstehe ich nur zu gut. Sie ist so freundlich, so jung, so humorvoll und ich habe mich immer gefragt, wie sie ihren folternden Beruf ausüben kann, scheinbar ohne zu realisieren, dass da was völlig falsch läuft.

Natürlich, in der Zwischenzeit natürlich wird mein gutes Aussehen gelobt und ich erzähle von meiner Traumatherapie, die so gut anschlägt. Zu meiner absoluten Verwunderung höre ich die Pflegefachfrau ganz locker erklären, dass ihr bewusst ist, dass Traumatas Urprung vieler, der meisten psychiatrietauglichen seelischen Leidens sind.

Warum werden Traumatas dann auf diesen betroffenen Stationen nicht verarbeitet, sondern per Zwangschemie chemisch unterdrückt? Dass das nur eine Verschlimmerung sein kann, nie eine Verbesserung bzw. Heilung werden kann, wissen also die intelligenteren unter den Pflegefachleuten. Warum gibt es keinen Aufstand? Warum lassen sie sich in dieses menschenverachtende System einspannen?

Sie weiss es haargenau und gleichzeitig erwartet sie von mir, dass ich meine 3 1/2 bis 4 Monate bei ihr auf der Station lobe. Das ist zumindest zweigespaltet, also pathologisch: Die ein und dieselbe Person weiss durch und durch, dass das System verheerend ist und gleichzeitig erwartet sie, dass ein einzelnes Individuum darin glücklich sein könnte und war.

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Kindsväter!

Mit zwei Kindern habe ich zwei Kindsväter, zwei Ehen, die beide gescheitert sind, nicht gleich gescheitert, überhaupt nicht gleich, aber das Ende war früher oder später erreicht.

Aus diesem oder jenem Grund habe ich beide in diesem Jahr gesprochen. Das hat in Bezug auf den ersten Seltenheitswert. Er und ich passen nicht zusammen, überhaupt nicht. Weil seine bzw. meine erste Tochter mich behandlt wie ein A…… (= CH Schimpfwort) habe ich mich an ihn gewandt, weil ich eine Arbeit, die in dem Fall seit fast 15 Jahren ansteht, x-mal von mir mit höflicher Bitte um Erledigung vorgebracht wurde, nun endlich erledigt haben will, weil eine Veränderung für mich ansteht. Nur ich für mich will diese Veränderung ohne die Verantwortung für beide erwachsenen Kinder, die noch immer drin hängen,  weiterzuschleppen, was mir lästig fällt.

Also, heute kurz vor 21 Uhr Tel. mit entsprechendem Auftrag an den Kindsvater.

Jetzt sitze ich da, schlottere und kann nicht einschlafen. Wie bringe ich mich ohne Chemie zur Ruhe? Kann ich es mir gesundheitlich erlauben, unregelmässig, evtl. zu kurz zu schlafen? Hätte ich eine Badewanne, nähme ich ein Entspannungsbad. So wie ich lebe, kann ich die Heizdecke einsetzen. Wärme schläfert mich oft ein. Hier ist es klimatisch warm geworden, aber nicht so warm, dass ich schlafen kann.

Kälte ist für meinereins ein Problem: Erhöhte Spastizität.

Kindsväter sind auch nur Menschen und da mir bekannt, weiss ich ihre Grenzen zum Voraus. Ich kann sie prophezeien. Kindsvater Nummer eins ist darüber heute Abend verblüfft. Ich frage mich, was Männer in einer Ehe lernen, offenbar nicht, wie ihre Frauen sind.

Traumatherapieerfolge

Wie verschüchtert und verängstigt bin ich in die Traumatherapie gegangen mit dem einen grossen Hintergedanken im Kopf, dass diese Therapie so wenig hilft wie alle andern. Natürlich habe ich mich angestrengt, natürlich bin ich in der einen Depression, die ich noch erleiden musste, spazieren gegangen mit Begleitung. Ansonsten erledige ich mit meiner Energie Hausarbeit. Letzthin habe ich meinen Balkon mit viel Wasser runtergewaschen. Ich entsorge Kehricht, Flaschen, Pet möglichst selbst. Einfache Einkäufe erledige ich zu Fuss im Quartier, muss genau darauf achten, dass die Tasche für mich nicht zu schwer wird. Als Jonathan noch mitkam, konnten wir das Drei- bis Vierfache schleppen. ich bewundere ihn dafür und lächle still in mich hinein, welch grossartigen Körper er hat und wie er ihn einsetzen kann!

Jetzt bin ich alleine weg gewesen, ich war im Joh, in der CH, ganz nahe dieser Omeganichtkanzelei, darüber habe ich mich ausgeschwiegen. Auffallend: Meine Kraft ist noch perduer als vor dem CP-Schub.

Plötzlich fühle ich mich viele Tage wohl mit mir selbst, ich habe keine Fluchtgedanken. Ich könnte doppelt so lange hier Ferien machen, ich kann mich beschäftigen auf dem Campingplatz, mit Joh, mit Fahrübungen mit dem Trottinett, mit dem See. Ich habe die Musse Kindern beim Spielen zuzuschauen und finde es schön, wenn sie ihren Eltern in die Arme hüpfen. Ich sehe die Kleinen mit Eis, das in ihren Händchen riesengross aussieht und frage mich, ob sie das Ganze vertilgen können, wie Kleinspix immer Unmengen frisst und nie schwerer als 3,5 kg wird.

Ich bin so viel freier geworden. Schlafen tu ich ohne Medikament. Dieses Medikament hat als kleine Nebenwirkung den Gewichtszuwachs. Da liegt mein Gewichtsteufel begraben. Meine Gewichtszunahme in den letzten Monaten war ungewollt, massiv und hat nichts zu tun mit Völlerei meinerseits. Runter von diesem Medikament, das zudem meine Bewegungen negativ beeinflusst und in 2-3 Jahren kann ich Gewichtscheck machen und mich hoffentlich freuen. Weil ich noch rauche, hätte ich nie soviel zunehmen sollen!

Auffallend ist des weitern, dass ich mich mit Fremden unterhalten kann und irgendwie anders als früher auf sie wirke. Traumatisiert und unbehandelt wurde ich oft abgelehnt. Ich habe den Clown gespielt, weil mich das so sehr verletzt hat, dann wurde der Clown abgelehnt und nicht ich.

Zufälligerweise wohnt neben mir mein kleines Spiegelbild: 4 1/2 Jahre alt, Hemiparese rechts. Beide Eltern sind froh, mich so selbständig zu sehen, sie haben Fragen zur möglichen Entwicklung ihres Grossen, der glücklicherweise einen kleinen Bruder hat und im Geschwisterwettkampf mit ihm noch ganz viele Bewegungen freiwillig lernen wird. Die üblichen Therapien, Physio und Reiten sind im Gang. Ich empfehle Hallenklettern auch für die schmerzhaften Dehnübungen. Ich empfehle keine OPs an den Extremitäten, die sind nämlich gesund, die Zentrale, das Gehirn muss möglichst sanft und effizient gelehrt werden zu kompensieren. Der Papa ist Kletterer, wenn der Kleine etwas älter ist, sich weniger fürchtet, hat er das ganze Kletterparadies zur Verfügung. Er ist intelligent, denkt gerne, die Berufswelt wird ihm hoffentlich so offen stehen, dass er eines Tages sein eigenes Geld verdienen kann.

Plötzlich scheine ich umgeben von Kleinen und ihren Eltern, die von meiner Kraft, Erfahrung, Hoffnung profitieren können. Unsereins ist grossartig und anders. Ein Weltuntergang sind fehlende Bewegungen nicht. Sie können so kompensiert werden, dass ein Alltag bewältigbar ist. Velofahren, Zweirad, klar. Wie wäre es mit Stützrädchen? Der Junge ist noch so klein. Ich war sieben Jahre alt, als ich mit Stützrädern gelernt habe, Zweirad zu fahren. Der Junge hat viele Jahre Zeit, seine Bewegungen weiter zu verfeinern.

Was ich mir von der Traumaverarbeitung erhoffe, ist, dass ich den Schlüssel zu meiner Schreckhaftigkeit finde und wieder Töpfen kann. Aber schon mit dem Erfolg von heute habe ich ein total neues Leben.

Herzlichen Dank dafür, es ist KEINE Selbstverständlichkeit.

Gehirn hirnverletzt

In den 60er Jahren wurde ich mit meinem Geburtsgebrechen genau 1960, in ihrem Gründungsjahr von der IV erfasst. Bekanntlich sollte ich als Mädchen hübsch und adrett werden, total NT-konform und einen zukünftigen Multimillionären heiraten. So machte frau das, damals in meinen Geburtskreisen, von denen ich mich ideell und politisch unterscheide. Es hat auch in den Kreisen solche und solche und ausgerechnet jmd. aus ihnen hat mir letzthin unvoreingenommen aus dem Nichts lange und empatisch, ohne übliche Verurteilungen, zugehört und ich war total überrascht und natürlich unendlich getröstet. Diese Person hat eine akademische Ausbildung, die Zuhören-können beinhaltet. Logischerweise ist sie NICHT medizinisch geschult NOCH Psychologin.

Aus heutiger Sicht ist die Medizin der 60er Jahre passe, vieles hat sich verändert und verfeinert, insbesondere in der Neurologie. Würde ich heute mit dem gleichen Geburtsgebrechen geboren, würde ich nach heutiger Sicht völlig anders, heutig modern behandelt. Immer hoffe ich für meine zwei andere Drillinge (= Hemiparese links), sieben und zehn Jahre alt, dass ihre Seelen dabei ganz bleiben dürfen, wissen tue ich es nicht, sie haben beide grossartige Mamis, was zu 100% extrem hilfreich ist.

Immer hatte ich gedacht, das moderne Untersuchungsmehoden, z.B. ein MRI, das Ausmass eines Gehirnschadens anzeigen können und sich daraus die fehlenden Gehirnfunktionen ableiten. Das ist in meinem Fall eine Fehlanzeige. Meine Befunde sind gespickt voll mit Fremdwörtern, die ich als medizinischie Laiin selbst mit Übersetzungen nicht begreife, weil ich die Zusammenhänge und ihre Funktionen nicht kenne.

Um Funktionsausfälle feiner zu erfassen, ist ein neuropsychologischer Test notwendig. Genau einmal wurde das in meinem Leben mit mir gemacht, da war ich 51 Jahre alt. Nicht berücksichtig wurde meine kPTBS, also waren meine sämtlichen Symptome vermeintlich neurologisch. Ein Umstand, der nicht in mein Kopf will, warum Fachpersonen immer denken, Symptome hätten allein etwas mit IHREM Fachgebiet zu tun. KeineR denkt über seinen bzw. ihren Tellerrand hinaus. Ich als Betroffene erwarte medizinischen Rat und kann nicht piepsen, wenn ich es noch nicht weis, genau 60 Jahre lang: Herr Facharzt, DAS ist ein kPTBS Symptom.

Nehmen wir die vermeintliche Aggressivität von Menschen mit Hirnverletzungen. Was davon ist neurologisch und was ist kPTBS? Diese Frage stellen nur ich und mein Traumatologe. Sämtliches medizinisches Fachpersonal von den Professoren (in der Neurologie) über die gesamte Psychiatrie und Psychologie bis zu meiner Hausärztin haben diese Fragen  nie gestellt. – Das werde ich erst wissen, wenn ich die Traumaverarbeitung abgeschlossen habe: Sowohl hirnverletzte Menschen, wie auch taumatisierte Menschen leiden an Reizen, die für NTs nicht relevant sind. Während die beiden erstgenannten mit äusserster Disziplin und noch mehr Willen irgendein einigermassen schlecht gesellschaftskonformes Verhalten an den Tag legen, pfeifen NTs ein Liedchen, weil sie gerade angenehm überrascht und entspannt wurden. Sie leben nicht in einem Dauerkriegszustand, weil sie z.B. schreckhaft sind.

Erschrecken ist extrem energieraubend und meistens nehmen die ErschreckerInnen es persönlich, dass sie mich erschreckt haben und schreien mit ich totaler NT-Logik noch an: Der Schaden des Erschreckt-worden-seins muss um alles in der Welt durch Gehässigkeit vergrössert werden.

Das ist sowieso NT-Logik: Weil ich behindert sein muss, sind sie xyz und dann soll ich mich subito um SIE kümmern. Was ich erlebe, was ich wegen meinem So-sein-müssen aushalten muss, ist völlig wurscht. SIE sind der Nabel der Welt.

Ist es ein Wunder, dass ich am liebsten unter Meinesgleichen bin, mit Fachpersonen, die ICH als fachlich kompetent anschaue, insbesondere junge Physios und ansonsten denke: Lasst mich genau eins, in Ruhe, ihr habt Null Ahnung und davon viel.

Früher habe ich Naivling versucht zu erklären, immer wenn ich nicht verstanden wurde, dachte ich, ich hätte zu wenig genau erklärt. Ein ewiger Kreislauf meiner Überforderung.

Heute schliesse ich meine Türen: Die von Joh und Pius (= meine Wohnwagen), meine Wohnungstür oder meine Autotüren, die vom Cabriolet oder Skoda. Virtuell schliesse ich auch meine Türen. Meinesgleichen mag hier eines Tages kommentieren. Sachdienliche Fragen, die mir wichtig scheinen, beantworte ich noch heute gern. Wer aber die Basisbroschürenseiten von Fragile Suisse, bzw. Vereinigung Cerebral Schweiz und kPTBS (=Google) NICHT gelesen hat, wer sich nicht einmal zwei Std. Zeit nehmen will, um solch ein komplexes medizinisches Problem zu verstehen wie meins, der kann mich mal. Er bzw. sie beweist durch sein bzw. ihr Verhalten wie unwichtig ich ihm bzw. ihr wirklich bin.

BETROFFENE kennen die Probleme von innen, sie müssen nichts lesen, um sich und mich zu verstehen.

Ich verstehe mich nicht mehr als Erklärbärin. Tempi passati.

Gustav mit der Hupe

Einfach so unter uns, von nicht NT zu nicht NT: NTs sind sowas von unlogisch: Ich habe seit Jahren als behinderungsgerechtes Fortbewegungsmittel logischerweise fürs Troittoire ein Trottinett. NTs bezeichnen es mit NT-logischer Regelmässigkeit als Fahrrad. In der Bibel steht: Sie haben Augen und sehen nicht…..Also dieses Nichtsehenkönnen hat biblische Ausmasse.

Weil ich die Klingel des Trottinetts nicht bedienen konnte, linkshändig, habe ich mir ursprünglich eine Gustav-mit-der-Hupe Hupe zugelegt. NTs reagieren darauf nicht, überhaupt nicht. Damals als ich über 30 km/h auf die Trottoirs legte, insbesondere bergabwärts, war das gefährlich und lästig.

Darum habe ich mir eine kleinkinderquietschendes Hühnchen zugelegt als Hupe und oh Wunder: NTs hüpfen regelmässig aus dem Weg, wenn sie vermuten, dass ein unberechenbares Kleinkind unterwegs ist.

Muss irgendwas mit der ach so beneidenswerten, umwerfenden NT-Logik zu tun haben. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, bin ich gefältelt und gealtert und überhaupt kein Kleinkind!

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Die Eidechse und ihr Schwanz

Im vorderen Post von mir angekündigte Erzählung aus meinem Kinderbuch: Lioness lernt kämpfen. Das Copyright gehört ausschliesslich mir!

Ich bin das kleine Mädchen Lioness und Frau Gut ist erfunden. Ich habe für ein Kinderbuch meine Kindheit schöner gemacht, als sie war. Ziel dieses Buches ist es, beide Seiten, mich und NTs ernst zu nehmen in ihren jeweiligen Bedürfnissen und hoffentlich Brücken zu bauen, wie eine Verständigung denn möglich wäre, unter den gegebenen, schwierigen Voraussetzungen. Noch NT-konformer kann ich nicht werden. Das Maximum meiner Kompensationsleistung ist längst erreicht. Mit fortschreitendem Alter wird meine Kompensationsleistung laufend bescheidener und kleiner, der Zenit ist längst überschritten.

Es ist Mittwochnachmittag. Lioness ist auf den Kastanienbaum geklettert. Er ist ein sicherer Ort. Der erste Ast befindet sich weit oben am Stamm. Erwachsene gehen deshalb unachtsam darunter vorbei und vermuten nicht, dass ein Kind in seiner Krone sitzen könnte. Die grossen Kastanienblätter lassen ein Kind verschwinden. Der Baum steht zu nahe am Haus und hat sich nicht ausladend entwickeln können. Selbst wenn jemand darunter stehen bleibt und hinaufschaut, muss er sich anstrengen, um den Fluchtort zu entdecken.

Lioness versteht nicht, warum es beim Mittagessen Ärger gegeben hat. Sie schwatze zu viel, wurde ihr in ärgerlichem Tonfall vorgeworfen. Eine Nachbarin habe erzählt, dass Lioness sage, in ihrem Kopf stimme etwas nicht, darum hinke sie. „Was sollen die Leute denken, wenn du solchen Mist erzählst?“

Lioness begreift die Aufregung nicht. Was sie erzählt hat, stimmt. Bei ihrer Geburt hatte sie zu wenig Luft oder Sauerstoff, wie die Erwachsenen sagen. Deshalb fehlen in ihrem Kopf Befehle für Bewegungen. Interessant findet Lioness, dass ihre rechte Kopfseite fehlerhaft sein soll. Es verwundert sie insgeheim, weil für sie die rechte Körperhälfte die starke, die brauchbare, die verlässliche ist. Auch das Gesicht gibt das Geheimnis nicht preis. Lioness kann sich nicht vorstellen, dass in ihrer linken Körperhälfte etwas besser funktioniert als in ihrer rechten. Die Worte versteht sie, sie entwickelt dafür aber kein Gefühl, dass ihre linke Kopfhälfte gesunde Signale aussendet, ihre rechte Kopfhälfte aber lückenhaft ist.

Was sollen die Leute denken“, ereifert sich die Familie am Esstisch. Alle scheinen der gleichen Meinung zu sein. Das fällt Lioness öfters auf. Ihre Eltern und Frank denken gleich. Lioness denkt anders. Es ist ihr egal, was die Nachbarin über sie denkt. Nach ihrer Erfahrung können Menschen mit dem Wort „Behinderung“ nicht umgehen. Sie wollen nur hören, dass Lioness den Fuss verstaucht hat und sich bald wieder gesund bewegt. Dass ihr linker Arm nicht in Ordnung ist, fällt keinem auf, der es nicht weiss.

Im Übrigen ist es eine ausweglose Verwirrung, wenn jemand sie fragt, was mit ihrem Fuss los sei. Verstaucht ist er nicht. Wenn sie zu viel sagt, dann spürt sie, wie die Leute in ein Loch fallen. Lioness stellt es sich als endlos langes Rohr vor, in das die Leute kopfüber stürzen, und je mehr Worte gewechselt werden, desto tiefer fallen sie. Lioness kann ihre Behinderung als Behinderung stehen lassen. Sie hat keine Mühe damit. Sie findet es lustig, wenn die Leute versuchen, etwas Aufmunterndes zu sagen oder zu finden. Menschen, die unerwartet hören, dass dieses quirlige Mädchen behindert ist, wollen diese Tatsachen unbedingt wegschieben. Sie können sie nicht stehen lassen.

Lioness findet es nicht schlimm, dass sie so ist, wie sie ist. Im Gegenteil, sie findet es normal. Und wenn sie zuschaut und zuhört, was andere Kinder oder Erwachsene sagen, möchte sie nicht tauschen. Insgeheim denkt sie, dass sie dann andere Gedanken und Gefühle haben müsste. Ein schrecklicher und erschreckender Gedanke. Um keinen Preis möchte Lioness mit irgendjemandem tauschen. Wenn sie sich umschaut, hat jeder Mensch, den sie kennt, einen Nachteil, den sie nicht in Kauf nehmen wollte: Einer ist zu dumm, ein anderer zu dünn und hat eine zu grosse Nase, dieser hat keine Beharrlichkeit, jener ist zu faul. Lioness ist Lioness, und das ist gut so. Aber das verstehen nicht behinderte Menschen nicht. Manchmal fragt sich Lioness, ob sie keinen Spiegel haben und nicht sehen können, dass ihr Leben um keine Haaresbreite besser ist als ihr eigenes.

Wie immer, wenn sie von ihrer Familie zur Rechenschaft gezogen wird, bleibt Lioness schweigsam. Die vielen Erklärungen und Erläuterungen, warum man so etwas nicht tut, prallen an ihr ab. Sie weiss, dass Widerstand zwecklos ist. Am schnellsten ist die Angelegenheit ausgestanden, wenn sie schweigt. Es ist so, dass sie kein Geheimnis für sich behalten kann. Sie erzählt alles jedem. Sie ist quirlig und schwatzhaft, und jeder meint, er kenne sie.

Lioness in ihrer Baumkrone lächelt vergnügt. Mich kennt keiner. Sie erinnert sich, wie sie in einem warmen Land auf einer Steinmauer Eidechsen beobachtet haben. Gut versteckt sind diese kleinen, flinken Tiere, kaum zu unterscheiden von der Farbe der Mauer, auf der sie herumflitzen. Am meisten hat Lioness die Erzählung zu diesen Tieren gefallen, dass sie in Gefahr den Schwanz abwerfen können, der dann noch zucke und den Angreifer ablenke, während sich die Eidechse schleunigst aus dem Staub mache. Ich verhalte mich wie die Eidechse, denkt Lioness. Ich werfe meinen Schwanz ab, indem ich viel erzähle. Und während sich meine Feinde mit diesem Schwanz, nämlich meinen vielen Worten, abmühen und mir lange Reden halten, bin ich mit meinem Innersten längst über alle Berge davon.

Wozu sollte ich so denken wie der Rest meiner Familie? Einiges von dem, was für sie wichtig ist, ist mir egal. Was mir wichtig ist, weiss nur ich.

Weil Lioness viel schwatzt, was ihr hilft, die Spannung in ihrem ständig verspannten Körper abzubauen, hinterlässt sie einen riesigen Eidechsenschwanz zur allgemeinen Ablenkung. Sie als Person unterscheidet sich von ihren Worten. Ruhig ist sie nur, wenn sie in einem Spiel oder Buch versunken ist. Fürs Leben gern bastelt sie und vergisst darüber die Zeit. Sonst ist sie dauernd in Bewegung und plappert ununterbrochen daher. Weil sie viel denkt, wird sie von den Erwachsenen „altklug“ genannt. Lioness spürt, dass dieses Wort nicht freundlich gemeint ist.

So hat sie sich in die Krone des Kastanienbaumes zurückgezogen und denkt und träumt vor sich hin. Sie ist auf der Höhe von Frau Guts Wohnung. Wenn die Zeit des Mittagsschlafs vorbei ist, denkt Lioness, kommt Frau Gut vielleicht auf ihren Balkon und sonnt sich, wie oft an einem schönen Tag. Immer hat sie ein Buch dabei, in dem sie gerade liest, und Lioness darf die Bücher bewundern. Sie liebt die ganz alten mit allerlei farbigen Zeichnungen von Blumen. Solch ein Buch ist eine Kostbarkeit und eine gute Beschäftigung für einen Regentag.

Die Balkontüre öffnet sich, und Lioness schaut, was passiert. Wie erwartet, kommt Frau Gut mit einem Buch und setzt sich in die Sonne. Lioness lächelt.

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Zu erziehen, trotz 60 Jahren?

Wenn mein nicht NT-typisches Verhalten NTs nervt, dann wollen sie mich rasch mal erziehen.

Dagegen steht:

  • Ich bin erzogen und zwar bis zum Exzess. Mit Siegelringschlägen sollte mir eingebläut werden, was ich behinderungsbedingt schlicht nicht lernen kann.
  • In meinem Kinderbuch gibt es eine harrmlose, kleine Geschichte der Eidechse und ihres Schwanzes. Da es mein Copyright ist, kann ich die hier einfügen, wenn ich es technisch schaffe.
  • Damit ist bewiesen, dass ich spätestens als Schulkind unter zehn Jahren über diese Umstände reflektiert habe, mit meinem damaligen Wissensstand nicht wissen konnte und noch heute diesem zuverlässigen Fehlverhalten von NTs unterworfen bin. Ich bin 100.000 Male auf dieser trügerischen Bananenschale ausgerutscht, hingefallen und habe mich traumatisieren lassen.
  • Ich kann mit dem besten Willen nicht dieses kleine Bisschen anders sein, eben NT konformer.
  • Aus meiner Sicht sind NTs ungehemmt agressiv. Sie verletzen mich ständig. Sie dürfen das, weil sie die Mehrheit bilden. Ich fühle mich einsam und bin traurig, sehr, sehr traurig: Hier in einem Post beschrieben, dass meine Maximalleistung nie reicht, einfach nie.
  • Aus Sicht der NTs ist mein Sprachverhalten daneben, sie tun so als sei ich aggressiv, wenn ich nachfrage, sind es ihre eigenen durch und durch negativen Gedanken, die sie mit meinen Worten verbinden. Stets bin ich hell entsetzt, dass Menschen so negativ denken können und scheinbar denken müssen.

Damit sind wir bei dem uralten, unüberwindlich grossen NT Missverständnis: Nein, bei all meinem Leiden, so wie ihr möchte ich NIE sein müssen. Ich mag alles Schreckliche sein, aber bösartig bin ich nicht, bösartig sind eure eigenen Gedanken. Die spielen euch alle die bösen Streiche, die ihr mir unterstellt.

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Kröten schlucken bzw. erwachsen werden

Alle Menschen machen früher oder später die Erfahrung, dass sie an ihre natürlichen Grenzen stossen. Es ist normal, dass nicht alles auf Anhieb klappt, Bewegungen, Fähigkeiten allg. müssen eingeübt werden. Später im Teeniealter oder Kindergarten tut sich das weite Feld der Liebe auf und der entsprechenden freudigen Erfahrungen bzw. Enttäuschungen. Beruf, Heirat oder Partnerschaft, Kinder, es gibt viele Gründe Freud und Leid zu erleiden.

Es ist normal, dass Menschen mit Behinderungen sehr viel schneller an irgendwelche Grenzen stossen. Es ist normal, dass sie dadurch zu DauerkämpferInnen geformt werden. Wer ewig Wiiderstand erlebt und sich nicht behindern lassen will, wird Profi darin, stets das Rad neu zu erfinden. Das Unmöglichste wird möglich gemacht, Ziel Selbständigkeit, eigenes Geld verdienen können, die Gesundheit verbessern bzw. stabilisieren, im schlechteren Fall den Niedergang verlangsamen.

Kröten schlucken gehört zum Menschsein. Neulich war ich mit Meinesgleichen am Apero. Unser Konsens: Menschen mit Behinderungen in der CH und ihrer gegenwärtigen Gesellschaft sind in der Regel traumatisiert. Früher oder später in der Kindheit kommt dieses einschneidende Erlebnis: Das Hundewelpe jault auf, weil die Bewegungen nicht stimmen, der Weg zu einer höheren Schulausbildung bleibt trotz vorhandener Begabung versperrt und was helfen soll, die Physio, ist so schmerzvoll, dass sie medizinische FOLTER darstellt. Wenn das noch nicht gereicht hat, gibt es das Gipsbett oder in meinem Fall den nächtlich zu montierenden Halbgips, der mich so schreien liess, dass die Nachbarschaft zusammenlief. All das ist traumatisch und deshalb traumatisierend. In den 60er Jahren war ich mir selbst überlassen mit solchen Traumatas.

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