Gross geworden!

Meine Eltern gaben Einladungen, die Kinderrolle war klar, wohlerzogen, hübsch, höflich und nett zu sein. Das hiess, den alten Tanten nicht zu widersprechen, wenn sie stets zu sagen pflegten, nachdem wir drei je geklärt hatten, welches der drei Vornamen der jeweils unsrige war, bist du aber gross geworden.

Spätestens nach der dritten solchen Bemerkung, stöhnte ich innerlich laut auf: Drei Ehepaare hatten wir begrüsst, zu erwarten waren noch mindestens 50. Die minimalste Abwechslung der Floskeln war: Was ist dein Lieblingsfach, welche Klasse besuchst du und willst du Lokomotivführerin werden?

Aus mir unerklärlichen Gründen denken erwachsene Menschen nicht darüber nach, dass das, was ihnen gerade auf der Zunge liegt schon hunderttausende Male vor ihnen geäussert wurde.

Ich erinnere mich an eine einzige, doch eher aussergewöhnliche Kontaktaufnahme mit uns Kindern des Gastgeberehepaars: Klein standen wir auf einer Treppe, damit sich die Tanten bei der Begrüssung nicht bücken mussten. Die Tante zu einem Kind: Wär het dir so luschtig uf d Nase gspöit. – Auf der Nase sass damals noch ein Muttermal, das später selbstredend entfernt wurde.

Irgendwie fand ich diese Art des Gesprächs kein bisschen vergnüglicher.