Maximalleistung reicht nicht…..

……. Solange ich denken kann, mein Bewusstsein reflektieren, bin ich nonstopp auf meiner Maximalleistung gelaufen, oft darüber hinaus und das kommt so: Ich sehe alles, aber vorgeburtliche Hirnverletzung sei Undank, die Verarbeitung der optischen Signale läuft in meinem Gehirn schlecht, pathologisch unterdurchschnittlich miserabel. Ein intelligenter Säugling wie ich, ein Kleinkind etc. mobilisiert sofort, instinktiv die Intelligenz, um dieses Defizit zu kompensieren. Das verbraucht einen beachtlichen Teil meiner Hirnleistung, ich schätze um die 50%. So erscheine ich allen Erwachsenen damals als tolpatschig, aber niemand, nicht eineR käme auf die Idee, dass meine Schludrigkeit organisch bedingt ist, in meiner hochoffiziell anerkannten Cerebralen Parese zu finden wäre, wenn von mir nicht noch mehr verlangt werden könnte: Die Bewegungen eines Kindes sind zu erwähnen, vom Ballspielen über den spitzen Zaun klettern bis auf der Erde robben, alles ist verlangt. Wer am Boden liegt, muss danach wieder aufstehen können, mit meinem Wachstum wurde der Weg vom Boden bis zu meinem Kopf nur eines, nämlich länger.

Kinder werden sozial angepasst, Höflichkeit, Respekt, kleiderpflegende Hübschheit, schliesslich waren wir nur Mädchen, ein Stammhalter hätte grössere Freiheit genossen, für uns unvorstellbar viel grössere. Wir sollten erwachsen werden und eine gute, sprich millionenschwere Ehe eingehen. Damals starben die Grosseltern früh, meine Mutter war mit 36 Jahren Vollwaise und damit hatte sie ein hübsches Vermögen geerbt.

Dann war da die Schule, trotz Mädchensein wurde eine Minimalausbildung angestrebt, Sekundarschule, THB, ein gängiges Erfolgsmodell für Mädchen. Durch die Leukämieerkrankung meines Vaters, bei seiner Diagnose war ich nur 10 Jahre alt, wurde uns die Ausbildung zur Matur und einem Studium aufgestossen. Das habe ich zu meinen Gunsten genutzt. Wenig Lust hatte ich, mir einen typisch weiblichen Beruf anzueignen. Ich wollte wie mein Vater sein, nur Mädchen zwar, aber mit akademischen Lorbeeren im Berufsleben.

Weil nur Frau, war mein Studiengang von schier unüberwindlichen Schwierigkeiten geprägt: In Windeseile machte ich das cand.-theol., weil ich irgendwann ins Ausland würde reisen müssen als brave Ehefrau, mein Studium unterbrechen. Was mich unterschied von den Frauen meiner Generation ist, dass ich meine Berufsausbildung unbedingt vollenden wollte. Das habe ich alleinerziehend mit einem Kind geschafft und danach war ich fast immer alleinerziehend, nach sechs Jahren mit zwei Kindern.

Meine Maximalleistung war nie gut genug, die Mehrheit der Bevölkerung wollte von mir eine wesentlich bessere Performance sehen. Recht hätten sie, wenn ich nicht behindert wäre, sowas von recht!