Kröten schlucken bzw. erwachsen werden

Alle Menschen machen früher oder später die Erfahrung, dass sie an ihre natürlichen Grenzen stossen. Es ist normal, dass nicht alles auf Anhieb klappt, Bewegungen, Fähigkeiten allg. müssen eingeübt werden. Später im Teeniealter oder Kindergarten tut sich das weite Feld der Liebe auf und der entsprechenden freudigen Erfahrungen bzw. Enttäuschungen. Beruf, Heirat oder Partnerschaft, Kinder, es gibt viele Gründe Freud und Leid zu erleiden.

Es ist normal, dass Menschen mit Behinderungen sehr viel schneller an irgendwelche Grenzen stossen. Es ist normal, dass sie dadurch zu DauerkämpferInnen geformt werden. Wer ewig Wiiderstand erlebt und sich nicht behindern lassen will, wird Profi darin, stets das Rad neu zu erfinden. Das Unmöglichste wird möglich gemacht, Ziel Selbständigkeit, eigenes Geld verdienen können, die Gesundheit verbessern bzw. stabilisieren, im schlechteren Fall den Niedergang verlangsamen.

Kröten schlucken gehört zum Menschsein. Neulich war ich mit Meinesgleichen am Apero. Unser Konsens: Menschen mit Behinderungen in der CH und ihrer gegenwärtigen Gesellschaft sind in der Regel traumatisiert. Früher oder später in der Kindheit kommt dieses einschneidende Erlebnis: Das Hundewelpe jault auf, weil die Bewegungen nicht stimmen, der Weg zu einer höheren Schulausbildung bleibt trotz vorhandener Begabung versperrt und was helfen soll, die Physio, ist so schmerzvoll, dass sie medizinische FOLTER darstellt. Wenn das noch nicht gereicht hat, gibt es das Gipsbett oder in meinem Fall den nächtlich zu montierenden Halbgips, der mich so schreien liess, dass die Nachbarschaft zusammenlief. All das ist traumatisch und deshalb traumatisierend. In den 60er Jahren war ich mir selbst überlassen mit solchen Traumatas.