Traumatherapieerfolge

Wie verschüchtert und verängstigt bin ich in die Traumatherapie gegangen mit dem einen grossen Hintergedanken im Kopf, dass diese Therapie so wenig hilft wie alle andern. Natürlich habe ich mich angestrengt, natürlich bin ich in der einen Depression, die ich noch erleiden musste, spazieren gegangen mit Begleitung. Ansonsten erledige ich mit meiner Energie Hausarbeit. Letzthin habe ich meinen Balkon mit viel Wasser runtergewaschen. Ich entsorge Kehricht, Flaschen, Pet möglichst selbst. Einfache Einkäufe erledige ich zu Fuss im Quartier, muss genau darauf achten, dass die Tasche für mich nicht zu schwer wird. Als Jonathan noch mitkam, konnten wir das Drei- bis Vierfache schleppen. ich bewundere ihn dafür und lächle still in mich hinein, welch grossartigen Körper er hat und wie er ihn einsetzen kann!

Jetzt bin ich alleine weg gewesen, ich war im Joh, in der CH, ganz nahe dieser Omeganichtkanzelei, darüber habe ich mich ausgeschwiegen. Auffallend: Meine Kraft ist noch perduer als vor dem CP-Schub.

Plötzlich fühle ich mich viele Tage wohl mit mir selbst, ich habe keine Fluchtgedanken. Ich könnte doppelt so lange hier Ferien machen, ich kann mich beschäftigen auf dem Campingplatz, mit Joh, mit Fahrübungen mit dem Trottinett, mit dem See. Ich habe die Musse Kindern beim Spielen zuzuschauen und finde es schön, wenn sie ihren Eltern in die Arme hüpfen. Ich sehe die Kleinen mit Eis, das in ihren Händchen riesengross aussieht und frage mich, ob sie das Ganze vertilgen können, wie Kleinspix immer Unmengen frisst und nie schwerer als 3,5 kg wird.

Ich bin so viel freier geworden. Schlafen tu ich ohne Medikament. Dieses Medikament hat als kleine Nebenwirkung den Gewichtszuwachs. Da liegt mein Gewichtsteufel begraben. Meine Gewichtszunahme in den letzten Monaten war ungewollt, massiv und hat nichts zu tun mit Völlerei meinerseits. Runter von diesem Medikament, das zudem meine Bewegungen negativ beeinflusst und in 2-3 Jahren kann ich Gewichtscheck machen und mich hoffentlich freuen. Weil ich noch rauche, hätte ich nie soviel zunehmen sollen!

Auffallend ist des weitern, dass ich mich mit Fremden unterhalten kann und irgendwie anders als früher auf sie wirke. Traumatisiert und unbehandelt wurde ich oft abgelehnt. Ich habe den Clown gespielt, weil mich das so sehr verletzt hat, dann wurde der Clown abgelehnt und nicht ich.

Zufälligerweise wohnt neben mir mein kleines Spiegelbild: 4 1/2 Jahre alt, Hemiparese rechts. Beide Eltern sind froh, mich so selbständig zu sehen, sie haben Fragen zur möglichen Entwicklung ihres Grossen, der glücklicherweise einen kleinen Bruder hat und im Geschwisterwettkampf mit ihm noch ganz viele Bewegungen freiwillig lernen wird. Die üblichen Therapien, Physio und Reiten sind im Gang. Ich empfehle Hallenklettern auch für die schmerzhaften Dehnübungen. Ich empfehle keine OPs an den Extremitäten, die sind nämlich gesund, die Zentrale, das Gehirn muss möglichst sanft und effizient gelehrt werden zu kompensieren. Der Papa ist Kletterer, wenn der Kleine etwas älter ist, sich weniger fürchtet, hat er das ganze Kletterparadies zur Verfügung. Er ist intelligent, denkt gerne, die Berufswelt wird ihm hoffentlich so offen stehen, dass er eines Tages sein eigenes Geld verdienen kann.

Plötzlich scheine ich umgeben von Kleinen und ihren Eltern, die von meiner Kraft, Erfahrung, Hoffnung profitieren können. Unsereins ist grossartig und anders. Ein Weltuntergang sind fehlende Bewegungen nicht. Sie können so kompensiert werden, dass ein Alltag bewältigbar ist. Velofahren, Zweirad, klar. Wie wäre es mit Stützrädchen? Der Junge ist noch so klein. Ich war sieben Jahre alt, als ich mit Stützrädern gelernt habe, Zweirad zu fahren. Der Junge hat viele Jahre Zeit, seine Bewegungen weiter zu verfeinern.

Was ich mir von der Traumaverarbeitung erhoffe, ist, dass ich den Schlüssel zu meiner Schreckhaftigkeit finde und wieder Töpfen kann. Aber schon mit dem Erfolg von heute habe ich ein total neues Leben.

Herzlichen Dank dafür, es ist KEINE Selbstverständlichkeit.