Klar, Traumatas

Ich unterhalte mich mit einer Psychiatriepflegefachfrau, die an der Universität ein völlig anderes Studium lernt. Weg von diesem Erstberuf verstehe ich nur zu gut. Sie ist so freundlich, so jung, so humorvoll und ich habe mich immer gefragt, wie sie ihren folternden Beruf ausüben kann, scheinbar ohne zu realisieren, dass da was völlig falsch läuft.

Natürlich, in der Zwischenzeit natürlich wird mein gutes Aussehen gelobt und ich erzähle von meiner Traumatherapie, die so gut anschlägt. Zu meiner absoluten Verwunderung höre ich die Pflegefachfrau ganz locker erklären, dass ihr bewusst ist, dass Traumatas Urprung vieler, der meisten psychiatrietauglichen seelischen Leidens sind.

Warum werden Traumatas dann auf diesen betroffenen Stationen nicht verarbeitet, sondern per Zwangschemie chemisch unterdrückt? Dass das nur eine Verschlimmerung sein kann, nie eine Verbesserung bzw. Heilung werden kann, wissen also die intelligenteren unter den Pflegefachleuten. Warum gibt es keinen Aufstand? Warum lassen sie sich in dieses menschenverachtende System einspannen?

Sie weiss es haargenau und gleichzeitig erwartet sie von mir, dass ich meine 3 1/2 bis 4 Monate bei ihr auf der Station lobe. Das ist zumindest zweigespaltet, also pathologisch: Die ein und dieselbe Person weiss durch und durch, dass das System verheerend ist und gleichzeitig erwartet sie, dass ein einzelnes Individuum darin glücklich sein könnte und war.