Ärgerliche Zahlen

Eigentlich suche ich in der CH MedizinerInnenlandschaft eine Grundversorgung, die eine Ahnung hat von einer erwachsenen Cerebralparese.

Google spuckt Zahlen: 12.000 Menschen, Erwachsene leben mit einer Cerebralparese gegenüber 3.000 Kindern, die überall bestens medizinisch versorgt werden, damit sie möglichst nomal werden und zumindestens neurotypisch denken.

Eine Cerebralparese kann eine kleine motorische Schwäche bedeuten bis zum mehrfach geistig  behinderten Menschen, der in einem Rollstuhl betreut in einem Heim wohnt. Eine CP hat ganz unterschiedliche Auswirkungen, Folgen und daher Lebenskonzepte und Situationen.

In meiner Generation haben fast alle FussgängerInnen mit höheren Ausbildungen gedacht, wir seien als Kind behindert gewesen und hätten diese Behinderung ziemlich total hinter uns gelassen. Die Vernünftigeren von uns haben sich nur auf ihren Beruf konzentriert, nie geheiratet und keine Kinder in die Welt gestellt. Andere waren so naiv wie ich und haben keinen Fehler ausgelassen, immer unter tosendem Applaus, weil wir ach so normal waren.

Für die 12.000 Erwachsenen finde ich im Internet Null CH HausärztIn Empfehlung. Bei 8.5 Mio Bevölkerung hat nur jeder 700 bis 800ste eine CP. Die Zahlen sind ungenau, nur Richtwerte. Heime haben HeimärztInnen, da gibt es wohl medizinische Erfahrung.

Wie schaut es für Meinesgleichen aus? Von meiner Landhausärztin kann ich beim besten Willen nicht erwarten, dass sie ausser mir noch solch eine bescheuerte  Patientin hat. Sie hat logisch, neurologische und psychiatrische Fehldiagnosen übernommen und sie mir erklärt. Ich blieb höflich, habe mich jeweils gewundert. Nun ist für mich diese Zeitperiode abgeschlossen. Ich will einEn neueN HausärztIn und mich nur mit den Diagnosen und Leiden vorstellen, die ich wirklich habe. Sämtliche Fehldiagnosen können von mir aus in die Aare geworfen werden, sich im Rhein langsam auflösen und das Meer nie erreichen. Sie sind nur eins, Leidensmühlsteine an meinem Hals. Die habe ich jahrzehntelang rumgeschleppt und jetzt reichts.

Als CP habe ich eine verkürzte Lebenserwartung, befinde mich mit 60 Jahren auf der Zielgeraden. Mein Restleben will ich möglichst geniessen können und nicht das Portemonnaie von Fachleuten füttern für ihre FALSCHDIAGNOSEN. = Noch nicht ganz verarbeitetes Trauma, weil ziemlich massgebend für mein schlechtes Leben seit ich zwei Jahre alt war.