Welche Predigt?

Logisch meine Predigt ist eine feministische Predigt. Gestern war in der CH Frauenstreiktag. Frauen streiken in der CH sehr selten. Nach ungefähr 30 Jahren war es wieder soweit und hoffentlich nützt es was, um die Lebenssituation von Frauen in der CH zu verbessern.

Eine feministische Predigt muss sich fast zwangsläufig auf Jesus beziehen, muss mit präziser Exegese einen jesuanischen Text nehmen und nicht, was in Jesu Handlungen bzw. Mund von andern gelegt wurde. Immer günstig sperrige Bibeltexte. Wenn nichts rund abgeschliffen ist, dann könnte es original sein.

Jesustexte haben oft den Vorteil, dass sie sich mit der Lebenssituation und dem Schicksal einzelner Menschen befassen. Viele AT Texte beziehen sich auf ein Volk, nämlich das Volk Israel. David singt wunderschöne Psalmen, leider nicht für mich, sondern sein VOLK. Das macht einen Riesenunterschied.

Kann ich eine aetiologische Sage, z.B. die der Eroberung des „Gelobten Landes“ auf ein Einzelschicksal beziehen? Ist es löblich mit Krieg ein Land zu erobern, soll das noch heute, gerade Frauen, als vorbildliche Tat vor Augen gestellt werden? – Gut, das hat mann damals so verstanden und aufgeschrieben, ein Volk braucht Vergangenheit und eine Geschichte und bitte ruhmreich. Und das ist in dem Fall schwierig: Ein Volk in Ägypten soll an einem völlig anderen Ort weiterleben und sich entfalten. Wie es dazu gekommen ist, das bedarf der Erklärung und der Geschichte und klar findet und erfindet mann die.

Jesus war einzigartig, als dass er ganz klar gesagt und gelebt hat, dass Mann, Frau und Kind in seinen Augen gleichwertig sind. Von der Geschichte wurde diese Ungeheuerlichkeit postwendend wieder verschluckt. Jesus hat sie gepredigt und vorgelebt. Spätestens bei Paulus*, dem ehemaligen Pharisäer, war es vorbei, da sollen Frauen schweigen in der Kirche, ob späterer Zusatz oder nicht, die männliche Hierarchie mit den 12 Aposteln wird minutiös errichtet und geglaubt: Geht sicher nicht auf Jesus zurück.

Aber dieses kleine Hoffnungsfenster, dass Mensch Mensch ist und nicht hierarchisch zu unterteilen in Mann, Frau und Kind, das ist die Einstellung in Wort und Tat Jesu. Das macht mir Mut, dran zu bleiben, diese Hoffnung meinerseits nicht aufzugeben, dass jeder Mensch ein gleichwertiges Geschöpf Gottes ist. Diese Aussage nimmt zu an Brisanz, wenn sie Menschen mit Geburtsbehinderungen für sich beanspruchen und das tue ich logisch: Das in den Augen der Menschen unvollkommene, teilweise sogar lebensunwerte Leben, ist in den Augen Gottes vollkommen. Jedem Menschen wurde seine Existenzberechtigung in die Wiege gelegt.

Kurz Pause machen: Wie oft hören wir alle werdende Eltern sagen: “ Hauptsache es ist gesund.“ Überhaupt nicht! Hauptsache ihr habt es lieb, ganz egal, wie es ist und durch eure Liebe kann es glücklich werden.**

 

*Im Zeitalter von Google ist es banal, weil jedeR rasch nachgucken kann: Zeitlich ist Paulus einer der ältesten Schriftsteller des NT. Die vier Evangelien sind teilweise Jahrzehnte jünger. Paulus kennt keine Kindheitsgeschichte Jesu, die wurde von den synoptischen Evangelien erfunden. Das ist insofern wichtig, als von Jesus Worten und Taten nur aus zweiter, dritter oder noch späterer Hand schriftliche Texte vorliegen. Er selbst hat nichts aufgeschrieben.

Das ist eine Herausforderung, zu erforschen, wer was gesagt und getan hat. Was ist menschlicher Wille und was könnte Gottes Wille sein? Was ist die Tat und Verantwortung von Menschen und was ist Gottes Verantwortung, in einer Zeit, in der es nicht mehr zulässig ist, alles Unerklärliche oder Schreckliche schnell Gott in die Schuhe zu schieben. – Wie oft wurde ich gefragt, warum Gott dieses oder jenes von Menschen verursachte Unheil zulasse, z. B. Krieg. Ich habe Menschen sagen und predigen hören, Gott wolle diesen Krieg, v.a. Männer. Nie habe ich Gott selbst gehört sagen: „Zieht in diesen oder jenen Krieg.“ Verteidigungskrieg ist menschlicher, letzter Ausweg. Frieden stiften zu können, echten Frieden, das ist eine Gabe Gottes. Aber Jesus war nicht immer friedlich. Selbst hier greift eine einseitige Bibelauslegung, die oft von NichtchristInnen ChristInnen untergejubelt wird, zu kurz.

** Für traumatisierte Menschen unmöglich. Für mich an dem Punkt die Bibel einmal mehr tröstlich: Wenn was in einer Familie echt schiefläuft, dauert das drei bis vier Generationen und dann ist es geheilt. Zu finden im AT und interessanterweise gestützt durch diverse moderne Forschungen: Da soll nachgewiesen worden sein, dass Kriegserlebnisse der Eltern die Kinder noch stark prägen und dann nimmt es ab. Klar kommt es darauf an, wie wer mit was umgeht. Selbst, wenn ich es noch nicht kann, wird eine folgende Generation es möglicherweise können.