Nicht vereinnahmende Predigt

Was mich an ChristInnen ärgert ist, dass sie vereinnahmend sind und selbstgerecht.

Frau mag AT schreiben oder Erstes Testament, fast allen ChristInnen ist nicht im geringsten bewusst, dass dieses erste Heilige Buch nicht ihres ist. Dieses Heilige Buch müsste einen Namen tragen, der sämtliche ChristInnen stets daran erinnert, dass dieses Heilige Buch, das Heilige Buch für das Volk Israel ist und deshalb mitnichten christlich, einzig und allein jüdisch. ChristInnen lesen mit ihren chistlichen Augen und Gedanken das AT, allenfalls sogar antisemitisch und das ist mehr als vereinnahmend und völlig unangebracht. Texte werden ohne Hemmungen und Wissen individualisiert, die für ein Volksganzes geglaubt, erzählt und aufgeschrieben wurden.

Natürlich ist die Geschichte des Volkes Israel eingebettet in die Zeitgeschichte und z. B. die Schöpfungsgeschichte eine Antwort auf den babylonischen Schöpfungsmythos während der babylonischen Gefangenschaft.

Die Bibel und damit das AT ist ein Heiliges Buch, weil unendlich viel Wissen aus teilweise mehr als erstaunlicher Perspektive zusammengetragen wurde. Ich würde es in etwa so zusammenfassen: Wie funktionieren Menschen und gesellschaftliche Lebensformen gut bzw. was sind die Fallstricke. Mir scheint es immer, dass sich die menschliche Geschichte logisch weiterentwickelt hat, aber das Menschliche, Allzumenschliche ist konstant: Freude, Leid, Krankheit, Schmerz, Familie, Alleinsein, Freiheit, Gefangenschaft, Hunger, Überfluss, Lebensformen und Staatsformen, Nationenpolitik. Vom losen Kriegertum, nach und nach 12 Stämmebund, der sofort zerfiel und in einem Königtum aufging, das zur Hochblüte kam um wieder zu zerfallen, in Gefangenschaften zu enden und zu römischer Zeit in eine heikle Abhängigkeit mündete mit Statthaltern.

Aber auch der Einzelmensch, wie er ohne Eigenerziehung funktioniert und wie er durch Fremderziehung zu Höchstform oder Höchstschaden heranerzogen werden kann. Über allem die schützenden Hand Gottes für mich in dem Sinn, dass sich Urvertrauen lohnt, Gegenmenschen alles können in der CH bis zur staatlich installierten und gewollten Folter von Mitmenschen, diese Menschen in Elend und Leid stürzen, aber gottgewollt ist das nie und nimmer und Unrecht vor Gott ganz bestimmt. Die Anleitung, wie bleiben einzelne Menschen stehen, ohne umzufallen, wie die übrigen, auch davon singt das AT viele Lieder. Gottes Nähe ist überhaupt nicht calvinistisch gleichzusetzen mich irdischem Wohlleben. Für mich ist Gott eine Richtschnur und ich überlege mir, ob das, was mir in meinem Leben begegnet, seinen Segen hat oder auszuhalten ist, weil es in der Fehlerhaftigkeit des Einzelmenschen liegt oder meiner Gesellschaft, CH und je nach sozialem Wunsch leicht anders oder staatlich verordnet, in meinem Fall CH 2019. Von Gott trennen kann kein Einzelmensch, keine eingebildete Gesellschaftsschicht, noch Heuchlertum bzw. Staat.

Wann ist mein Verständnis gefordert, wann mein Bekenntnis, unendlich schwierig diese Unterscheidung und wann distanziere ich mich und sage: „Stuss bzw. Mumpitz.“ Hat in meinem Fall schon der Altersstarrsinn zugeschlagen oder ist es nur eine Phase der Ungeduld, ich finde vieles heute ärgerlich desorganisiert, z. B. Banken, KESB, Zwangspsychiatrie, Behörden, Ämter aber auch Geschäfte, Einkaufen, Reparaturen, alles, was ich in meinem Leben nicht mehr selbst kann. Viele jüngere Erwachsene sind nicht hilfsbereit, denken nicht nach und sagen völlig desinteressiert: „Das machen wir nicht!“, dabei müsste eine Bankangestellte zuerst und zuvorderst wissen, wie Geld von Bankkonto zu Bankkonto verschoben wird, so dass es zum Leben zur Verfügung steht. Es sind immer klar fachspezifische Fragen, die ich nicht löseen kann, weil ich evang.-ref. Pfarrerin bin und nicht noch sämtliche Berufsausbildungen habe, die für die Organisation meines Lebens bequem wären.

Ich vergesse nie die evang.-ref. Pfarrerin, die mich und einen Altpfarrer abgeurteilt hat, weil sie sich besonders heilig dünkte und wir beide rauchten. Ich hätte Nahrung gebraucht und sie behauptete für mich zu beten. Sie hätte mir nie, nicht einmal ein Stück Brot gebracht, soviel zu ihrer sicher vorhandenen Abendmahlsliturgie. Ihre Heiligkeit konnte sie mit meiner Bedürftigkeit nicht verbinden, einfach nicht. Für was oder wen solche ChristInnen gut sein sollen, ist mir schleierhaft, für mich sind sie nur abschreckendes Beispiel, im Volksmund PharisäerInnen, wobei anzumerken ist: Christliche, nicht jüdische!

Beim NT geht es ChristInnen nicht besser als beim AT: Jesus war Jude und ist als Jude gekreuzigt worden und wollte das Judentum reformieren. Christsein wollte er nicht, eine Abspaltung wurde nach seinem Tod, viel später erst Thema. Aber ChristInnen vereinnahmen auch das NT als ihr Heiliges Buch und ihre so oder anders geartete christlich-patriarchale Interpretation soll die alleine seligmachende sein.

Andere, sehr sorgfältige und wie ALLE Bibelinterpretationen, zeitgebundenen und darum vorläufige Bibelinterpretationen werden hemmungslos weggewischt. natürlich verstehe ich intellektuell, dass genau dieser Absolutheitsanspruch die grosse Schlagseite des Monotheismus ist. Trotzdem leide ich darunter, dass mit all der Weltgeschichte nicht die Erkenntnis gewachsen ist, dass unser Planet zu klein ist, um gegeneinander, sehr wohl aber weitläufig genug um miteinander darauf zu leben. Gottgewollt ist bestimmt nicht Leiden zu vergrösseern, Kriege anzuzetteln, der Norden, der den Süden materiell, personell und wie auch immer ausnützt und so misbraucht. Heutige Nationen werden untergehen, wie fast alle Kulturen irgendwann untergegangen sind. Ägypten, Rom, die Griechen sind ein Schatten ihrer selbst, selbst China hat sich enorm verändert und ist nicht wiederzuerkennen. Waum heutige Nationen so tun als gäbe es sie ewig, ist mir ein Rätsel. Noch immer ist irgendwann Schluss gewesen und nichts ist in der Hinsicht so konstant wie die Veränderung.