Unterschenkelmuskulatur

Um einigermassen vernünftig gehen zu können, müssten die muskulären Voraussetzungen stimmen. Müssten, tun sie aber nicht. Meine beiden Unterschenkel zeichnen sich durch stellenweise knallhart verspannte Muskulatur aus. Rein zufällig haben die Physiotherapeutin und ich diese schmerzliche Tatsache entdeckt und dürfen jetzt langsam mit Hingabe versuchen, diese Verspannungen zu lockern und dann kann ich vielleicht, hoffentlich besser gehen und klettern.

Nicht jede meiner Einschränkungen ist gleich neurologisch. Wer hätte dadrauf kommen sollen? Ich nicht, obwohl es voll logisch ist, dass meine Muskulatur nur noch verspannt ist: Erstens wurde sie vermutlich hoffnungslos überfordert, als ich vor gut zwei Jahren versuchte von allen Vieren auf nur zwei Beine zu kommen, um mich vorwärts zu bewegen.

All die massenhaften spastizitäterhöhenden Psychopharmakas, die in meinen Händen zu ständigem Tremor führten, gaben meinen Beinen den Rest. Das ist so einfach zu begreifen, dass niemand auf die Idee kam, zu ertasten, ob meine Muskulatur die Voraussetzungen für meine Gehfähigkeit liefert und wenn nein, wie sie auf die Gehfähigkeit vorbereitet werden kann.

Ich hasse es, wenn ich mich um neue Baustellen kümmern muss. Ich habe genügend Alte. Das ist von Null Interesse. Will ich vernünftig gehen können, tue ich gut daran, mich auf meine Gegebenheiten einzulassen und danach auszurichten.

Jetzt schwanke ich zwischen Hoffen und Bangen. Ich hoffe, dass unsere Aufmerksamkeit auf meine Muskulatur mir Erleichterung bringt und bange, dass ich mich darin täuschen könnte und meine Geh- und Stehfähigkeit weiterhin so bescheiden bleibt, wie sie immer noch ist.