Sollen sich Menschen mit Behinderungen bewusst exponieren?

Im Club war neulich eine Jubiläumssendung zu 100 Jahre Knie zu sehen. Knie ist der CH Nationalzirkus, leider hat sich die Kniefamilie in zwei Lager gespalten, was ich an der Stelle nicht thematisieren will.

Was meine Aufmerksamkeit gefangen nahm, war die Sequenz, als das Thema auf Menschen mit Behinderungen kam, die seit altersher im Zirkus auftraten und noch teilweise auftreten. In der Sendung wurde erzählt, dass ein besonders behinderter Mann, CH-Deutsch wertloser, weil invalidus = lat. wertlos = invalid, das Wort für die CH-Invalidenversicherung, Oberhaupt einer Clanfamilie war, im Zirkus gutes Geld verdiente und seine Familie damit gut ernährte.

Nix von zweitem oder drittem Arbeitsmarkt mit CH-üblicher Entlöhnung. – Ich finde immer, das ist moderne Sklavenarbeit, weil sie oft auf Akkord geht, die Entlöhnung, die sich aus Std.lohn und IV-Versicherung und sonstigen Leistungen, die invalide Menschen vom Staat bekommen, zus.setzt. Wobei die Versicherungen sehr oft von Bevölkerungsteilen als Ferienbezahlung verstanden werden: IVs müssen nicht arbeiten, feiern bis tief in die Nacht so laut, dass das arbeitende Volk nicht schlafen kann… etc.

Jetzt gerade ist auch tief in der Nacht und von Bettruhe meinerseits nichts, aber auch gar nichts zu ergattern. Nun, ich kann dann durch den Tag schlafen, wenn die Kinder der arbeitenden Bevölkerung Musikinstrumente üben. Also die geringste Klage meinerseits, ist reinstes Hypochondertum. Natürlich, Hypochonder sind all jene, die medizinisch keine Diagnose bekommen, dann landet frau zwangsläufig unter den Jammerlappen. – So Schnauze zu und ab Medikamente erhöhen, das Wachkomma ist unterdotiert und die Patientin am dumm rummmmotzen. Das erträgt eine Leistungsgesellschaft ganz schlecht.

Also zurück zu diesem vom zweiten, bzw. dritten Arbeitsmarkt verschonten Mann. Er hat sich gezielt und bewusst exponiert. Er hat sich ins Verhältnis gebracht zur Allgemeinbevölkerung und damit gespielt. Alle Menschen des öffentlichen Lebens spielen dieses Spiel: Ich bringe mich oder meine Beghabungen ans öffentliche Licht und das hoffentlich nur gewollt und gekonnt. Dieser weltweit lesbare Blog tut genau das auch, in all seiner Anonymität, ein Tanz auf dem Vulkan, ein hoffetlich gut gespieltes Spiel mit dem Feuer.

Gegen ein solches Sich-Exponieren ist nicht nur nichts, sondern überhaupt nichts einzuwenden, obwohl es dem gegenwärtigen Zeitgeschmack angeblich widerspricht. Rein so, weil es geradeso Mode ist und sich alle modern geben, was immer das heissen mag und wie sinnvoll das immer sein mag. In zehn Jahren wird die Zeitmeinung eine andere sein, der Geschmack sich gründlichst geändert haben. Die Zeit verändert fast alles oder ganz alles, nichts bleibt wie es war. Das war schon immer so und wird wohl immer so bleiben, vermutlich hängt dieser Eindruck mit der menschlichen Wahrnehmung zusammen.