Veränderungen

Nichts ist so sicher im Leben wie ständige Veränderungen. Ich ändere mich, meine Behinderung ändert sich, mein Alter nimmt zu, die Art wie ich auf andere wirke, wird anders.

Da ich mehr als schlechte Erfahrungen habe mit angeblich objektiven Fremdwahrnehmungen, verlasse ich mich mehr und mehr nur noch auf mich. Ich war es, die mich in meinen Heilungsweg hineindiagnostiziert hat, die entsprechende Fachperson gesucht und GsD gefunden hat und jetzt natürlich die Mühen, den Willen und Weg der Heilung auf sich nehmen will und teilweise auch muss. Heil werden macht nicht nur Spass. Das bringt gewaltige Veränderungen, das bringt Phasen, die beglückend sind, aber auch sehr schmerzhaft.

Die Erkenntnis, dass andere Menschen mit meinem Leben, mit den Irritationen, die ich aushalten muss, überfordert sind, ist uralt. Irgendwie muss sich meine Mimik zu meinem Vorteil bzw. Nachteil verändert haben. Ich werde nun seit zwei Jahren klar unter der Rubrik „behindert“ abgehandelt. Somit fallen gewisse „normale“ Forderungen an mich weg. Das bringt Erleichterung. Ich bekomme einen gewissen Behindertenbonus, den ich vorher nie bekam. Wenn ich z.B. frage, wo das Behindertenwc sei, dann ist es keine Frage mehr, dass ich die Berechtigung habe, diese Toilette zu benutzen.

Soweit so gut. Aber wenn ich dann spüre, wie ich behinderter behandelt werde, als ich bin, dann bin ich damit nicht einverstanden. Es gibt schlicht und ergreifend Bewegungen, die ich in meinen besseren Zeiten gelernt habe und da kann ich die Bewegungen, die ich jetzt können sollte noch nicht. Gewohnheit und heutige Realität klaffen nach zwei Jahren anderer Existenz auseinander. Völlig logisch, dass ich nicht weiss, wo die Fettnäpfchen liegen werden. Wie soll mann bzw. frau mir Bewegungen beibringen, die ich nicht kann, die mich verunsichern, bei denen ich haargenau spüre, dass ich gleich auf die Schnauze fallen werde, weil ich unterwegs das Gleichgewicht verlieren werde. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Mein liebes Köpfchen erinnert sich nicht mehr, weigert sich Neues zu lernen. Was ich seit Urzeiten kann, wie Autofahren und Sportarten, die ich schon als Kind konnte, kann ich adaptieren. Beim Klettern klappt das noch nicht. Erklärungen verwirren mich. Ich spüre ständig, dass ich das Gewicht völlig falsch gelagert habe, die Kraft natürlich fehlt und ich wie immer mit der CP, zuerst das Gewicht richtig verlagern sollte, bevor irgendwas auch nur annähernd Schlaues geschieht. Keine Chance. Nun, solang ich den Dreh nicht wieder raus habe, bringt alles Erklären nichts.

Ich sehe angeblich müde aus und wirke von den vielen Reizen überfordert. Tja, meine Mimik normalisiert sich, ist halt anders, weil ich die Pillen reduziert habe und reduziere, die Wachkomma auslösen. Also, wen ich in den letzten 15 Jahren kennengelernt habe, der kann mit meiner momentanen Mimik überfordert sein. Klar, soll ich das zu meinem Problem machen. Wozu? Ich weiss, wo meine wirklichen Probleme sitzen.

Neuer Mensch braucht neue Umgebung und nein, in meinem kPTBS stecken bleiben, damit sich für mein Umfeld nix ändert, mag ich nicht. Ich habe ein Menschenrecht auf gute, mir angepasste Lebensqualität. Nach 59 Jahren Traumatisierungen läute ich mit jedem Tag, der vergeht, die Enttraumatisierung und Traumaverarbeitung lauter ein. Einigen schellt sie schon zu schrill in den Ohren!

Ich habe noch einige Packungen Ohropax. Bitte vortreten, wer die Stille vorzieht. Leiden muss um mich keiner. Wems keinen Spass macht, der schütze sich bitte, gross, stark, erwachsen und selbstverständlich eigenverantwortlich.