Kletterhalle so nicht!

Was ist der Unterschied zwischen einer durch und durch sportlichen Kletterhalle und einem heilpädagogischen Reitstall? Na klar, in der ersteren verkehren hübsche Männer mit gestählten Bodies und Mukis, die mit viel Vergnügen Spässchen machen und im heilpädagogischen Reitstall verkehrt unsereins, da mach ich meine Witzchen mit den StallbetreiberInnen. Der Herr Professor Ingenieur Agronom hat sich vor einer Woche über seinen neusten Titel vor Lachen gekugelt.

In der besagten Kletterhalle, die ich mit Bedauern, aber aus Datenschutzgründen nicht verlinken kann, bin ich bis vor wenigen Jahren mit zwei NT-KletterpartnerInnen verkehrt. Insbesondere die erste war topfit und ist Nummern geklettert, die ich nur vom Zugucken kenne. Da habe ich Arbeit in einem Affentempo abgeliefert, das hat Spass gemacht.

Die zweite, alternde Sozialarbeiterin, sah mich als Versicherungsbetrugsfall an: Ich Faulpelz, nix Akkordarbeit, auf der Tasche liegend von Versicherungen, wäh, räbäh….. Das hat auf die Dauer überhaupt keinen Spass gemacht.

Als die erste Kletterpartnerin aus gesundheitlichen Gründen eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegen musste, bin ich sofort in eine tiefste Depression gefallen. Als die zweite Kletterpartnerschaft beendet war, habe ich tief aufgeatmet. Zu meinem grossen Spass habe ich sie ab und zu mit Jonathan in der Kletterhalle getroffen. Sie, wie eh und je und ich mit jungem, hübschem, topfitem Mann, unsere Beziehung unbekannt, an meiner Seite. Ich habe oft für mich in meinen nicht vorhandenen Bart gekichert.

Und jetzt soll ich in der gleichen Halle brav im Gleichschritt mit ca. acht meinesgleichen oder meinesähnlichen rumhuschen? Irgendwer hat da zu wenig nachgedacht und vielleicht muss ich nur in den Spiegel gucken und dann weiss ich wer.

Allerdings hätte meine ehemalige Physio, Kursleiterin, auch drauf kommen können, als ich mich zu beklagen begann. Sie, die nie ein Gramm Übergewicht hat, hat uns zwei Frauen, die unter ihrem Übergewicht leiden, erklärt, dass das ohne Einfluss sei auf unsere Kletteraktivitäten. Nicht gerade eine Sternstunde in ihrem Unterrichtsleben: Masse geteilt durch Muskelkraft mal Höhe oder so ähnlich muss die physikalische Formel lauten, um hoch zu kommen. Ob die Masse 64 kg oder 78 kg beträgt macht zumindest bei meiner Muskelkraft einen erstaunlich hohen, von mir durchaus erwarteten Unterschied.

Husch, still, stumm, erdulde und ertrage. – Ne, echt jetzt? Da will ich dich sehen in meiner gesundheitlichen Situation. Ich habe mal eine meiner Exphysios an Krücken rumhumpeln sehen und megaschimpfen gehört. Sie war total gewohnt Physio zu sein und überhaupt nicht Patientin. Und plötzlich stieg in ihr Empathie für gesundheitliche Zustände auf, die sie vorher nur vom Hörensagen her kannte.

Wenn ich diese Kletterhalle je wieder betrete, dann mit einem Jonathan an meiner Seite oder solo auf der Suche nach einem hübschen Mukimann in meinem Alter: Er kann gut klettern und ich kann excellent kochen. Aus männlicher Sicht könnte daraus durchaus was werden.

Ähm, tja, auch unsereins ist Mensch, Mann oder Frau oder jede mögliche Spielart dazwischen.

Wie Ursula Egli vor Jahrzehnten schrieb: Liebe im Korsett. (8-tung: Diesen Titel kann ich momentan per Google nicht verifizieren. Evtl. habe ich Schreibfehler oder die Webseite gibt es nicht mehr, was megaschade wäre. In meinem Blog hatte ich den von mir gewünschten Link irgendwann, bloss wann?)

Vor Jahren übrigens, als ich mit der Behindertenkletterei begann, konnten wir ausserhalb der normalen Hallenöffnungszeiten trainieren, in einem geschützten Rahmen. Das hat für mich zumindest durchaus Sinn gemacht und nach genügend Training habe ich den stinknormalen AnfängerInnenkurs absolviert und mir damit die hallenhochoffizielle Erlaubnis erarbeitet, um im Zweierteam Vorstieg sichern zu können. Genau, sorgfältig mitlesen und hoffentlich begreifen: Vorstieg und nicht Nachstieg und auch keinen 78 kg schweren Mann toprope. DAS FINDE ICH REIN GEWICHTSMÄSSIG VERDAMMT GEFÄHRLICH, UMLEITUNG HIN ODER HER.

Und jetzt bin ich also im bevormundeten Grüppchen gelandet, meine erarbeitete Erlaubnis hat mir wer und wenn ja mit welcher Vollmacht klammheimlich entzogen und ich Deppin habe es glasklar realisiert!  – So definitiv nicht! Ich heule nach J., Kletterlehrerin und Psychologin, als Ueli Steck gestorben ist, haben wir uns in Solidarität umarmt und getröstet, hatten beide Gewichtsverlust zu beklagen. Das, genau das ist gleiche Augenhöhe. Klar, dass ich allein auf der Linie  klettere und auf keiner andern.