Unterschied bei Reklamationen

Was unterscheidet mich von anderen punkto Reklamationen? Es gibt Situationen, in denen ich, nach dem Motto „et te Brute“ selbst mit an mich gerichteten Reklamationen konfrotiert werde.

Grundregeln:

  1. Eine Reklamation kommt immer oder fast immer, in einem für die Empfängerin unangenehmen und unangebrachten Zeitpunkt. Neutral betrachtet ist das logisch, eine Reklamation strebt zu einem möglichst geringen Aufwand möglichst grosse Veränderung an.  Für die Empfängerin ist es subjektiv oft sehr unangenehm, zusätzlich zum Inhalt der Reklamation.
  2. An dem Punkt scheitern schon die meisten, sie verstehen den Inhalt der Reklamation nicht. Ich muss mich mit Haut und Haaren bemühen zumindest zu verstehen, was mein Gegenüber beanstanden will.
  3. Losschlagen, zurückgeben? Nein, die kluge Hausfrau hält den Ball so flach, dass er nur noch ganz langsam am Boden rollt.
  4. Durchatmen, die GEFÜHLE des Gegenübers bestätigen: Ja, es ist grässlich, was dir wider fahren ist, ich versuche gerade das Ausmass zu erfassen. Wie lange? Nur kurz? Nein Tage, Wochen, Monate lang….. Ich sammle die Infos, solange sie bereitwillig folgen.
  5. Die Zeit vergeht, das Leben auch, die nächste Aufgabe steht an, der nächste Tag wird zeigen, ob die Reklamation nur als abgesandt gilt oder auch als angekommen.
  6. Dann, spätabends, vor mir und Gott oder auch vor verschwiegenen Ohren kann ich meine Wunden lecken, kann ich mich darum kümmern, zu verarbeiten, was ich nicht einmal hören wollte, geschweige denn begreifen.

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Und irgendwann oder nie folgt der Ritterschlag und ich kann nicht selbst behaupten, gut reagiert zu haben, das muss schon der/die Reklamierende bekräftigen, dass er/sie sich wieder wohlfühlt, dass der Konflikt mit Bravour überstanden ist.

Genau so geht das und dann ist das Gelingen garantiert. Unwichtige Konflikte übergehe ich schweigend, tauche nicht mehr auf, rufe nicht mehr an oder was auch immer, kurz ich bin dann mal weg.

Wenn es mir behindertenpolitisch, gesellschaftspolitisch oder warum auch immer wichtig ist, bleibe ich dran, möglichst clever Aufwand und Ertrag im Auge behaltend. Früher konnte man mich vorführen, heute wird es zusehends schwieriger.

Und nie, einfach nie einen Konflikt mit einem Gegenkonflikt beantworten, ausser ich will den Kontakt abbrechen: Antworten a la: Du hast aber auch im Sandkasten mit Sand um dich geworfen, sind nur dann sinnvoll, wenn niemand mehr im Sandkasten spielen will und soll. Das ist auch solch ein Punkt an dem ich jeweils denke, das ich echt anders ticke und nie und nimmer ein anderer Mensch als mich sein möchte.

Menschen sehen das Unheil noch nicht kommen, wenn es sie schon längst überrollt hat. Wieso das so ist, keine Ahnung.

Streit ist übrigens eine bewusste Entscheidung und kein Gefühl.

Mit einem mir lieben Menschen habe ich unseren grossen Konflikt auf den Tag nach meinem 95 Geburtstag festgelegt. Wir beide lachen uns selig, weil ich kaum die Chance habe viel älter als achtzig zu werden, sich der Streit deshalb von selbst erledigt.