Vorzeigebehinderte

Es ist immer die gleiche Handvoll Menschen mit Behinderungen, die in den Medien und in den Hochglanzzeitschriften der Behindertenorgansisationen umhergereicht und herumgereicht werden.

Wer wie ich schon einige Jahrzehnte im Behindertenkuchen rumturnt, es nur auf die Frontseite des eigenen Internetblogs geschafft hat, kriegt jeweils das grosse Gähnen, wenn sie wieder portiert werden, die üblichen Verdächtigen.

Respekt und Achtung zolle ich meinem Vorblog ivinfo , der zeitlich vor meinem entstanden ist und im selben behindertenpolitischen Ambiente. Er schafft es Geld zu generieren, Zahlungsverbindungen sind überall aufgelistet, interessant wäre es, zu erfahren, wieviel Mia Baumann mit ihrer Toparbeit verdienen kann. Die Frage, ob ich mit meinen Restfähigkeiten, meinen Lebensunterhalt autonom bestreiten könnte, hat sich mir immer gestellt, mit meiner miserablen Gesundheit, die hoffentlich jetzt mehrheitlich der Vergangenheit angehört, war ich dazu nicht in der Lage, noch habe ich ein solch tragendes Umfeld, das mir dabei hätte helfen können und wollen.

Im Archiv dieses Blogs kann jedeR nachlesen, wie allein ich jeweils war, wie ich gekämpft und gestrampelt habe, um sogleich wieder unterzugehen und in den Jahren 2017 und 2018 statt medizinisch behandelt gefoltert wurde. Das war der krönende Abschluss, wenn diese Wortwahl nicht so ungemein zynisch wäre.

Noch immer sitze ich an der Tastatur meines Läppis und will die leider unfrohe Botschaft bekannt machen, damit das in meinen Augen Unrecht aufgedeckt wird, per Druck von unten irgendwann zu einem Ende kommt. Politischer Druck, über Jahrhunderte, das ist das Schicksal der Frauenbewegung und nach der Frauenbewegung, viel jünger ist die Behindertenbewegung.

Wer also zu der Handvoll der auserwählt Portierten gehört, ist oft fremdgewählt und überhaupt nicht eigenbestimmt und ich weiss für mich, dass ich nur dann in die Medien gehen will, wenn es meine eigene Entscheidung ist.

Neulich im Nachtcafe sass eine Abiturientin, die genau das tat. Die jungen Wilden, die Generation schon fast meiner Grosskinder bringt hoffentlich endlich frischen Wind in die träge Politlandschaft der Mächtigen. Diese Jungen wollen eine bewohnbare Erde erben und nicht jämmerlich zugrunde gehen müssen, nur weil ihre Eltern und Grosseltern die Ressourcen der Erde verschwendet haben und denken, dass sie vorher selig sterben können, vor dem ultimativen Klimakollaps.

Am vergangenen WE war in Bern das E-Rennen. Nachhaltigkeit sieht definitiv anders aus, in den Medien wurde geschrieben, dass Dieselgeneratoren die benötigte Elektrizität für die E-Rennautos hergestellt haben. Welchen Menschen kann MANN sowas als Zukunftsmusik verkaufen? Die schlafen nicht den Kirchenschlaf der Seligen, sondern den unseligen Schlaf des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs. Der Stapi von Bern versteht sich als grün. Darüber, ob ich ihn wiederwählen werde, schweigt der Sängerin Höflichkeit und der Volksmund lehrt: Man begegnet sich im Leben immer zweimal.

Ich habe die Geduld und den Durchhaltewillen, in wenigen Tagen kämpfe ich seit 61 Jahren, Ende glücklicherweise momentan nicht in Sicht. Das ist die grosse Errungenschaft meiner immensen Arbeit der letzten Monate.

Allen denen, die zum Gelingen ihr Scherfchen beigetragen haben, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und dem gebrochenen Mittelfuss hoffentlich gute Besserung und viel Freude beim Fahren meines Cabriolets. – Das war jetzt ein kleiner Insider, bitte nicht nachdenken und hoffentlich anonym genug.