PZM und Schutzgeldzahlungen

Ich bin in einer Gesellschaftsschicht geboren, in der ich gewisse Fähigkeiten schlicht und ergreifend nicht habe: In den Banlieus kann ich mich nicht mit Fäusten durchsetzen, das habe ich nie gelernt. Dieses untergründige Imponiergehabe, das allen andern signalisiert, dass ich nicht geschlagen werden will und zurückbeissen kann, falls es denn geschehen sollte, kann ich nicht.

Insbesondere bei meinem ersten PZM Aufenthalt wurde ich massiv von PatientInnen geschlagen, nebst der obligaten Gewaltanwendungen durch die sog. Pflege, die blaue Flecken an meinen Oberarmen hinterliess und ebensolche auf meiner traumatisierten, gequälten Seele.

Ich wollte nicht geschlagen werden, körperlich hatte ich Null Biss. Schnell wurde klar, dass ich mir körperliche Unversehrtheit evtl. durch Geld, landesüblich Schutzgeldzahlungen genannt, erkaufen könnte. Was die Oberärzte als manische Geldverschwendung diagnostizierten, war elementarer Überlebenswille in dieser unsäglichen Lebenslage. In der Gesamtzeit meiner PZM-Aufenthalte habe ich für Schutzgelder um die 7000.- SFr. bezahlt, weil ich möglichst nicht geschlagen werden wollte, einfach nicht.

Auf den Stationen 46 und 47 wird den PatientInnen in der Regel das Bargeld sog. auf Wunsch der PatientInnen abgenommen und am Empfang hinterlegt. Dort musste ich, um mein EIGENES Geld zu bekommen betteln, was mich stinkwütend machte. Während ich also für meine täglichen 20 SFr. bettelte, ging rasch einmal einer meiner Tausender über den Ladentisch. Gott, ich und die Involvierten, wissen wie. Die Polizei hat unser Geldsystem nicht auffliegen lassen können, sie war zwar einmal auf meine unmissverständliche Einladung vor Ort, aber sie war zu naiv diese Geldflüsse auszuräuchern und die Gewalt zu stoppen. Wie im Gefängnis wohl, stand ihr eine Mauer des eisigen Schweigens gegenüber, Opfer und TäterInnen in unheiliger Solidarität, jedeR um seine körperliche Integrität bemüht.

Logisch, dass danach die Preise so richtig explodierten. Für den Betrag von Schutzgelder hätte ich eine gemütliche, grössere Reise unternehmen können.

Welche Schutzherrn ich wählte? Der erste hat mich wie einen Sack Reis ins Geländer geworfen. Das war unser Vertrag: Besser Kleines du bezahlst, wie du siehst, habe ich hier gerade am meisten Kraft und auch das Sagen. – Dumm bin ich nicht und habe rasch begriffen. Dieser „Patron“ war mit ca. 1000.- SFr. vergleichsweise günstig.

Der zweite Schutzherr war wesentlich anspruchsvoller, dafür ohne Fehl und Tadel: Beim zweiten Aufenthalt wurde mir von PatientInnenseite nicht ein Haar gekrümmt. Die Ärzteschaft und Pflege fühlte, dass da was lief, diagnostizierte bei mir vermutlich Manie plus, da bin ich mir sicher Psychose und ich wollte nicht geschlagen werden und unterzog mich möglichst höflich lächelnd der echten Hierarchie auf der Station, die NICHT bei den Oberärzten lag, was sie echt oder unecht nicht zu wissen schienen.

Intelligenzmässig führte ich immer den Lead auf meiner Station. Kräftemässig nie, da musste ich mich ducken und tat es auch, völlig unfreiwillig und wütend über ein solches „Mafiasystem“ in einem hochoffiziellen CH Spital.

Zur Ehrenrettung der übrigen Psychiatrie im Kt. Bern, soweit ich sie kenne: Nirgendwo sonst habe ich je Schutzgelder bezahlen müssen und bezahlt, nicht fünf Rappen!

Eine andere Währung für körperliche Sicherheit ist dieses uralte, männlich-weibliche Thema, auch darin habe ich elementare PZM Erfahrung, angeblich wegen grösster psychischer Krankheit: Ich habe mich im PZM verlobt. Natürlich kostet das. Welcher Mann ist heutzutage gratis zu haben? Wie im richtigen Leben, ging diese Verlobung irgendwann schief. Es könnte was damit zu tun haben, dass ich für Geld, oh Schreck, eine Gegenleistung erwartete und einforderte.

Hin und wieder mache ich der Beschäftigungstherapie, dem kleinen Paradies des PZMs 46 und 47, einen Besuch. So auch gestern. Ein mittlerer Schlag traf mich, als mein Exverlobter hereinspazierte, mich wieder erkannte, insbesondere mein Portemonnaie, mich höchst erfreut anlächelte, umarmte und auch etwas tätschelte. Während ich äusserlich mitmachte, freundlichstens lächelte, stieg in mir die kalte Wut hoch*: Auch ich dachte an mein Portemonnaie und rechnete innerlich die Freundlichkeit gegen den zu erwartenden Preis hoch. Mit hilfeheischendem Blick wandte ich mich an die Leitung und wurde, logisch, nicht enttäuscht. Die peinliche Situation wurde sofort durch ein kleines, für mich klar sichtbares Handzeichen beendet, mir das Zeichen zur diskreten Flucht gegeben und mir versichert, dass ich als Nichtpatientin Null SFr. Schutzgeld bezahlen müsse.

Umgehend trat ich meine Flucht an, informierte die betroffene Station, dünkte mich klug und oh Schreck, der befürchtete Schatten folgte mir. Fluchtunerfahren stürmte ich die nächste, mir bekannte und vertraute Station und bat um Hilfe vor meinem Exverlobten, der seine Station definitiv verlassen hatte. Auch die Pflege dort identifizierte meinen Schatten und gab mir rasch Fluchttipps. Im Stationszimmer 44 wurde ich mit professioneller Begleitung ausstaffiert und unsere Flucht ging ab über die Terasse Richtung Parkplatz, wo mein Auto stand. Mir wurde versichert, ich sei sicher, klar doch, der Notfallknopf am Telefon der Professionellen. Ohne Zwischenfall erreichte ich mein Auto und brauste davon, erleichtert um jeden Meter, den ich zwischen mich und meine PZM Vergangenheit schieben konnte.

Bis im Mai 2017 wusste ich nicht, dass PsychiatriepatientInnen Schutzgelder bezahlen müssen. – Heute weiss ich es definitiv besser.

* Nach meinem laienhaften, juristischen Wissen, ist diese, meine Reaktion nicht CH-gesetzeskonform: Ein potentielles Sexualopfer muss beweisen können, dass es sich vorgängig angemesssen und nicht übermäsig gewehrt hat. Aus meiner feministischen, körperlich behinderten Frauensicht ist auch diese Gesetzgebung eine grosse Lachnummer. Ich brauche nicht noch Schläge zuvor, um körperlich eh unterlegen zu sein und dann Sexualopfer zu werden. Im grossen Unterschied zur Polizei ist mir bekannt, dass ich in jedem Fall körperlich unterlegen bin. Echte Lachnummer und total behindertenfeindlich, eigentlich gemäss der UNO-Menschenrechtskonvention verboten. Wir alle wissen, wie geduldig Papier ist und wieviel eine CH Unterschrift taugt: Winke, winke vom Frauenstreiktag CH 2019. Den armen Frauen in der CH geht es nicht besser als uns Menschen mit Behinderungen. Und wer Frau und behindert ist, ist doppelt diskriminiert. – Hoffentlich ist dieses starke Wort keine Straftat, aber genauso fühlt es sich für mich an. Ich will keine Begegnung mit der CH-Polizei, nein danke, ich kenne euch für ein menschliches Leben zur Genüge.


Ein Wort zur mir bekannten Polizei, die in meinen Fall involviert war. Ihre Selbstwahrnehmung: Professionell und angemessen.

Meine Wahrnehmung: Überfordert, keine Ahnung von dem, was wirklich abgeht, unfähig Wut versus Verwirrung des Geistes zu unterscheiden. Hier die Hilfe für sie: Wenn sie mich in Handschellen legt, dann bin ich nicht per Handschelle psychisch krank geworden, sondern elementar, urwütend. Da kann mir später der Oberrichter das gefallene Wort „Würstchen“ siebenmal im Mund umdrehen. Beim Akutgeschehen war ich dabei, er überhaupt nicht, ich klar, in der Unterzahl, nicht ernst genommen und nicht aussageberechtigt. Aber ich war da mit völlig klarem Geist. Die CH Polizei hat mir eine unsägliche Lektion erteilt, das kann sie wie in jedem Staat, auch dem aus ihrer Sicht ungerechten Staat. Ich bin schwach, ob sie sog. rechtsstaatlich handelt oder despotenstaatlich, für mich macht das in der Ausführung keinen Unterschied mehr, Handschellen sind und bleiben Handschellen. Die Achtung vor der CH Polizei habe ich nachhaltig verloren. Lieber von der „Mafia“ s.o. verkauft, als von der rechtsstaatlichen CH Polizei sog. beschützt.

„Die Gedanken sind frei….“ singt Milva. Ja sie sind im Gefängnis frei, in der Psychiatrie und auch in einem sog. Rechtsstaat, der sich in meinem Fall CH nennt.

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Was bin ich froh, um diese Möglichkeit im Internet, weltweit, meine Meinung, meine Wahrheit kundzutun. Da greift keine CH-Polizei, keine CH-Psychiatrie oder sonstige Lästigkeit. Soweit ich mich an die rechtlichen www-Gepflogenheiten halte, bin ich frei, endlich meine Wahrheit nach meinen Möglichkeiten kund zu tun. Um die Einhaltung des Rechts bemühe ich mich subjektiv ehrlich. Mein Anwalt schaut mein Werk juristisch an, sollte ich gröbere Schnitzer machen, wird er mich warnen. Bisher scheint das nicht der Fall zu sein, auch wenn ich nicht perfekt bin. Wer perfekt ist, bitte melden!