Suchtkranke brauchen ihre Co-Abhängigen

Gott sei Dank bin ich nicht mehr Co-abhängig:

Meine Mutter war so lange ich sie kenne, magersüchtig. Der Preis für mich war und ist hoch, gmäss CH-IV habe ich ein sog. Geburtsgebrechen, ich habe eine Cerebrale Parese.

Mit 20 war ich damit durch im Grossen und Ganzen, unglücklich, unzufrieden. Verliebt, naiv und total co-abhängig heiratete ich, was in den Augen der Welt ehrenhaft ist, einen zukünftigen Multimillionären und ebenso zukünftigen Professoren, in meinen Augen ist und bleibt er suchtkrank, workoholic.

Immer noch naiv und völlig co-abhängig heiratete ich meinen zweiten Suchtkranken, einen Alkoholiker. Meine Menschwerdung gelang mir in einem ersten Schritt, ich ging zur Selbsthilfegruppe für die Angehörigen der Anonymen Alkoholiker. Was mir nicht klar war ist, dass ich längst ein kPTBS hatte, welches von der gesamten Ärzteschaft inklusive Fachrichtung Psychiatrie standhaft ignoriert wurde.

Einen Zacken zugelegt habe ich durch meine eigene Suche nach hilfreicher Traumabehandlung und die Schrecken der Vergangenheit lassen sich in meinem Leben vertreiben, von Woche zu Woche mehr.

Wenn ich heute Sucht wittere, weiss ich, dass ich sowieso ds Dubbeli bin und je eher ich MEINE Haut retten kann, desto besser. Als Nichtpsychiaterin bin ich für Suchtdiagnosen nicht zuständig und lehne jede, jegliche Haftung ab.

Zu meinem grossen Glück habe ich eine sehr versierte, erfahrene, schnellstens rechtlich unter Vertrag zu nehmende, neue IV-Assistentin.

Ich löse fortlaufend die Probleme, die mir mein Schicksal stellt mit grosser Bescheidenheit, Fachkompetenz, sozialer(!) Kompetenz und Bravour. Weil ich nicht co-abhängig bin, kenne ich meine Grenzen heutzutage mit schlafwandlerischer menschlicher und göttlicher Sicherheit. Das ist für mich gut genug.