Mensch oder Frosch?

In meinen Augen gibt es solche und solche Menschen. Heute habe ich mit der Umzugsfirma meines Vertrauens mich beraten. Sie bieten einen genialen Service: Sie kann völlig selbständig das bescheuerte Lager räumen und ein Familienmitglied bietet die Dienstleistung an, Ware mit Fotos ins Internet zu stellen. 1. Qualität kommt ins Auktionshaus vor Ort. Müll wird entsorgt und Billigware, die es eigentlich NICHT geben sollte, kommt ins Brockenhaus.

Ich umgebe mich garantiert nicht mit Mobiliar aus meiner Folterzeit. Wenn ich Folter schreibe, dann umfasst das körperliche Folter und grausame, seelische Misshandlung. Vermutlich wäre es nach heutiger Gesetzeslage eine Straftat. Jedenfalls werden Eltern mittlerweilen für dies und jenes zur Rechenschaft gezogen. Nach heutigem Gesetz würde ich meinen Eltern mit Sicherheit weggenommen und fremdplaziert und ich gehe davon aus, dass meine Mutter ins Gefängnis kommen würde. Also es geht nie nur darum, dass frau vor Jahrzehnten strenger erzogen wurde und ab und zu eine Ohrfeige kassiert hat.

Also zurück zum Thema. Wenn die Umzugsfirma meines Vertrauens eine solch umfassende Dienstleistung anbietet, habe ich das meinem Anwalt mitgeteilt. Der glaubt mir nicht, dass die Umzugsfirma 2017 überrissen im Preis war und schlecht gearbeitet hat. Er will das von meiner neuen Umzugsfirma wissen. Also habe ich ein entsprechendes Mail verfasst mit der Bitte meinen Anwalt anzurufen und seine Fragen zu beantworten. Innerhalb von Stunden kommt ein Antwortmail der Umzugsfirma meines Vertrauens mit der zeitlichen Angabe, wann diese Aufgabe erledigt wird. Das ist soooooooo angenehm, wenn klar ist, wer, was macht und alle am gleichen Strick ziehen, Menschen eben.

Wohnwagen kaputt

Mensch, bin ich froh, dass ich gerade keine Depression habe:

Komme ich heute zu meinem Wohnwagen und irgendwann fällt mir auf, dass eine Zierliste sich auf den Boden neigt. An einem Zipfelchen ist sie noch mit dem Wohnwagen verbunden und der Rest folgt der Gravitationskraft. Als ich viel später um den Wohnwagen rum gehe, realisiere ich, dass auf der anderen Seite das Mittelfenster eingedrückt ist.

Mir ist sofort klar, dass ich den Schaden nicht aus meiner eigenen Tasche bezahle. Ich habe ausschliesslich Fachleuten Aufträge erteilt. Ich denke an meine Versicherung. Ich frage mich, wer verantwortlich ist und Fahrerflucht begangen hat. Natürlich denke ich an den Campingplatzbesitzer. Den treffe ich später zufällig und er erklärt mir glaubwürdig, dass er es nicht war. Also bleibt die Reparaturwerkstatt, die wenn es stimmt, gleich selbst für ihre Aufträge sorgt!

Mein Auftrag war ätzend und klar. Ich musste möglichst ruhig in die Werkstatt fahren und dem Chef schonend beibringen, dass ein Schaden entstanden ist, der höchstwahrscheinlich auf seine Kappe geht. Ich habe ihn ungefähr so begrüsst: Reklamation, Schaden und ich geh jetzt sofort unter meine Bettdecke.

Natürlich habe ich mit dem Android Fotos gemacht, das macht heute jedeR.

 

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Wenn ich heute in einer Depression wäre, wäre ich hoffnungslos überfordert gewesen. Die Bilder zeigen eindeutig, dass Handlungsbedarf besteht. Ich danke Gott auf den Knien, dass ich zwar Ärger habe, dem aber gewachsen bin.

Unbedingt abkupfern

Seit heute habe ich einen neuen Kommentator. Natürlich bin ich auf seinen WordPressBlog gegangen. Zuerst hat es lange gedauert, bis ich die Blogfunktion fand. Das Layout ist für NTs( = NeurotypikerInnen, wertfreier Ausdruck für normale Menschen) sicher genial, für mich verwirrend. Die Menuleiste habe ich gefunden und mich für „Depression“ interessiert. Ein Thema ist dort „Der Notfallkoffer“. Natürlich habe ich dieses Stichwort schon gehört, genial diffus und völlig unbrauchbar. Ich gucke während der Depression Trash TV. Das lenkt ab und die Zeit vergeht. Ich könnte genauso gut Bücher lesen, bloss die Beschaffung und Entsorgung ist aufwändiger. Die Fachleute, die mir jetzt zur Seite stehen, rügen mich nicht für meine Passivität und so habe ich nicht mehr die Krankheit und ein schlechtes Gewissen zu ertragen. Ich spaziere nur in Begleitung, allein schaffe ich das nie.

Aber der Notfallkoffer in dem Blog hat geniale Tipps: Fotos von Freundinnen und Menschen, die ich mag. Filiiiiiiiiiippaaaaa hast du ein Foto von dir für mich bitteeeee! Papier und Stifte zum kritzeln, schreiben kann ich in dem Zustand nicht. Vielleicht könnte ich Kleinstpuzzles mit wenigen Teilen beifügen. Notfalladressen sind nicht nötig, da ich Johnathan habe. Postkarten, die aufmuntern, die frau sich z. B. selbst zusenden kann. Vielleicht kann ich mir eine von einer gewissen Stadt in Österreich schnorren. 🙂 Es werden auch Stempel erwähnt, um Karten zu stempeln. Da weiss ich  nicht, ob mich das interessieren könnte. Aber mein Gehirn ist geweckt und ich überlege, welche kleinen Tätigkeiten die Spur eines Lächelns auf mein Gesicht zaubern könnten. Im PZM habe ich selbstgebundene Bücher gekauft mit leeren Seiten. Ein solches Buch wird mein Depressionskritzelbuch. Kritzeln, nicht zeichnen oder malen, einfach nur kritzeln. Ich werde demnächst einige Kritzelprobeläufe machen, damit ich sicher bin, dass ich kritzeln kann vor der nächsten Depression.

Stressabbau

Meine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung war am Schluss nicht mehr zum Aushalten noch zu Kontrollieren. Die Stressspirale drehte immer schneller und es wurde immer wilder. Ich bin froh, dass ich aus lauter Not z. B. keine Straftat begangen habe oder sonst was wirklich Dummes. Ich hätte einen Autounfall provozieren können. Ich hätte einen Suizid oder Suizidversuch machen können. Trotzdem führte sie zu grässlichen Szenen, die wiederum zu den altbekannten Fehlbehandlungen führten. Die CH ist ein Anfängerland, was den Umgang mit traumatisierten Menschen betrifft. Ich war Patientin von x Arztpraxen, da rechne ich mindestens die drei letzten Jahrzehnte mit und nicht einmal wurde ich an eine Traumabehandlung angemeldet. Dafür wurde gepfuscht was das Zeug hält und mir ging es immer schlechter. Das sei halt so, wurde ich belehrt. Eine Frechheit sondergleichen, wenn ich bedenke, dass es mindestens seit den 90er Jahren anerkannte Traumabehandlung gibt.

Ich wundere mich noch immer, wie Menschen Mitmenschen behandeln dürfen und es ist keine Straftat. Nur an einem einzigen kleinen Punkt wird ein Mensch mit der Hilfe meines Anwalts zur Rechenschaft gezogen. Ansonsten kann man Mitmenschen ausnutzen, veräppeln, verarschen, übervorteilen und nichts, gar nichts davon ist anklagbar. Wenn ich dadurch unter einem immensen Leidensdruck stehe, dann bin ich der Depp im Umzug, für mich unverständlich.

Jetzt endlich habe ich mir eine Traumabehandlung selbst organisiert. Letztlich draufgekommen bin ich durch eine Reaktion meinerseits, die ich als glasklares Flashback identifizierte und die auszuhalten ich nicht bereit war. Also eigentlich ist es ein kleiner, blöder Zufall, der mich aus der vollendeten Misere rauskatapultiert.

In solch einer Extremsituation ist es sehr wichtig, Stress abzubauen. Jedes Trauma, das nicht verarbeitet ist, kann getriggert werden und schon läuft es auf Hochtouren, Stress pur. Die begleitenden Depressionen sind nicht ohne und von A bis Z Stress. Heute habe ich z. B. das schmutzige Geschirr stehen lassen, weil es mir egal ist. Sonst habe ich immer mit äussester Not aufgeräumt, weil ich mich schämte, nicht einmal fähig zu sein, das bisschen Geschirr wegzuräumen.

Wenn der Stresspegel dann gehörig gesunken ist, wenn zwischen 30 und 50 Traumatas verarbeitet sind, erhoffe ich mir, nicht mehr so schreckhaft zu sein. Das wäre toll: Jemand kommt ungesehen von hinten und ich hopse nicht einen halben Meter in die Luft. Oder ich muss nicht mehr gereizt auf alles Unvorhergesehene reagieren, ich könnte z. B. neugierig sein. Das wäre doch einfach genial.

Heute hat mich mein genialer Assistent umarmt. Er hat sofort gesehen, dass ich aus der Depression raus bin, weil ich ihn angelacht habe. Wir haben wie Kinder rumgetollt und anderes Essen eingekauft, das worauf ich gerade Lust habe. Nächsten Montag machen wir ein Festessen mit dem Silberbesteck, das ich flicken liess, einer zweier Garnitur.

Das Silber ging kaputt als ich zum erstenmal zwangshospitalisiert wurde. Ein Schaden von über 10’000.- SFr. Die Spitex war in der Wohnung. Der Schaden egal. Damals habe ich in diesem bescheuerten Spital gelitten wie ein Hund allein wegen des Silbers und dieses entstehenden Schadens. Wäre ich abgedreht gewesen, wie die Ärzte noch heute behaupten, hätte ich sowas nicht realisiert.

Ich habe nur flicken lassen, was ich brauchen kann und will. Ein Zweierset z. B. für mich und Jonathan oder mich und Eliane oder….

Recht auf eigene Gefühle

Das ist etwas vom fiesesten, einem Menschen seine ureigensten Gefühle abzusprechen. Ist mir neulich in einem Fall wieder begegnet und ich war so vor den Kopf gestossen, dass ich sprachlos war. Wenn ich mich richtig erinnere, war es eine Fachperson, die mich fragte, ob ich Frust empfinde. Ich konnte nicht einmal fragen, was mit dieser Frage gemeint sei, ich empfand ein dumpfes Gefühl von in-der-Falle-zu-hocken, unangenehm klebrig und schwieg ganz lange.

Manche Menschen vermitteln andern auf subtile oder grobe Art, dass sie falsch fühlen würden und natürlich sind es negative Gefühle wie Frust, Neid, Wut etc., einfach all das, was die Leistungsgesellschaft tabuisiert.

Ich habe das garantiert schon geschrieben und wiederhole es gern nochmals, eine Psychiatriepflegefachfrau warf mir Opferhaltung vor. Ich wusste, dass sie falsch lag, ich sagte es ihr regelmässig, was sie nicht davon abhielt mich bei jeder Begegnung, jedesmal, lauthals und selbstgerecht in die Schublade Opferhaltung zu stecken. Dass die Behandelnden in der Psychiatrie IMMER Recht haben ist ein trauriger Selbstläufer, den ich nicht ändern kann. Wenn ich allerdings die Möglichkeit habe, umgebe ich mich nicht mit solchen destruktiven Pfeifen.

Es ist ultimativ grausam einem echten Opfer wie mir, nämlich einem Folteropfer wie mir, zu verkünden, ich hätte eine Opferhaltung. Das macht bei einem sexuell missbrauchten Opfer auch keineR. Da kann die Menschheit verstehen, dass es sich um ein wirkliches Opfer handelt.

Heilung, wirkliche Heilung geht anders, nämlich durch Traumatherapie. Mein Therapeut hat letzten Montag an meiner Folmulierung „Weichei“ sofort erkannt, dass ich zur Selbstzensorin mutiert bin. Da gilt es Stress abzubauen, rauszunehmen und stattdessen Heilung einzulöffeln.

Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigenen Gefühle und die sind, wie sie sind. Bewertungen sind unangebracht und Belastungen sind zu entlasten und möglichst zu heilen und nicht durch den Hinweis auf negative Gefühle noch weiter aufzublasen.

Ich finde es eine spannende Aufgabe zu suchen und hoffentlich zu finden, was ich mir in welcher Situation selbst mitteilen möchte. Ich werde noch viel Heilung brauchen. Ich bin sehr froh, dass ich endlich eine Fachperson gefunden habe, die mich so gut versteht. Nie muss ich mich entschuldigen, weil ich mich anders formuliere, zu krass, schwarz-weiss oder wie immer die jeweiligen Vorwürfe lauten. Auch da ist die Kritik jeweils süffisant: Noch nie wurde ich wegen meiner Hinkerei kritisiert, nie hat jmd. gesagt, ich solle mit dem Hinken aufhören, aber bei der Art, wie ich mich formuliere, da ist alles erlaubt, da ist die grosse Jagd und bin ich frei zum Abschuss, selbstgerechtes Schulterklopfen immer inklusive.

Heute nehme ich mir mein Recht auf meine eigenen Gefühle und die sind gar nicht so schlecht. Die Depression hat sich auf Grund der letzen Therapiestunde leicht gelichtet und ich kann einige Haushaltsarbeiten erledigen, was mich enorm freut.

Mein grosses Traumziel bleibt, wieder so kräftig zu werden, dass ich samt Wohnwagen Eliane heimsuchen kann. Da kenne ich den Weg etwas. Wenn ich das geschafft habe, könnte ich die mir unbekannte Route zu Filippa in Angriff nehmen und dann bin ich als geheilt bei allen ÄrztInnen entlassen. Traum oder Utopie? Wer weiss es?

Stockholm geh weg

Gestern ist mir Frau Stockholm begegnet und das war schmerzhaft. Das Stockholmsyndrom beinhaltet, dass sich ein Opfer mit dem bzw. der TäterIn teilweise identifiziert. In einer traumatischen Situation eine Möglichkeit um überleben zu können. Das war mir schon lange bekannt, auf mich anwenden konnte ich die Theorie nicht.

Vor einigen Monaten habe ich mit der Traumatherapie begonnen und war hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen. Natürlich denke ich unter der Woche ab und zu daran, welche belastenden Erlebnisse ich noch zu verarbeiten habe. Seit einigen Wochen kommt mir nichts mehr in den Sinn, ist da die grosse Leere. Dafür hat sich der Gedanke eingeschlichen, ich sei vielleicht besonders wehleidig. PsychiaterInnen und PsychologInnen hatten sich ab und zu so geäussert, insbesondere wenn es um meine Cerebrale Parese ging. Man sieht nichts, also ist nichts, ist wohl deren Motto.

Genau dieser Satz: Ich bin ein Weichei!, ist die Teilidentifizierung mit der Täterin.

Gestern sah ich die Situation vor mir, ich spürte die Last auf den Schultern meiner damals elf Jahren, die Bürde war zu schwer, es gab kein Ausweichen. Während der Verarbeitung war mir klar, dass diese Arbeit eine ganz wichtige ist, weil auf der Schiene so vieles falsch laufen kann und sie in letzter Konsequenz auf die Selbstzerstörung hinauslaufen muss.

Für meine Verhältnisse habe ich schon viel Vertrauen zu meinem Traumatherapeuten, dass ich so schwierige Themen anzusprechen wage. Das Leben hat mich eigentlich gelehrt, mich möglichst immer in der Situation zu befinden, dass ich mich sofort aus dem Staub machen kann.

Jetzt hoffe ich, dass diese Selbstblockade weitgehend gelöst ist. Jedenfalls fühle ich mich heute Morgen ein bisschen besser als in den vergangenen Wochen. Das wäre ein weiteres Ziel, aus den wiederkehrenden Depressionen herauszukommen. Der Traumatherapeut ermutigt mich von Mal zu Mal, dass sich eine Veränderung ergeben wird, die für mich positiv ist. Er verspricht nie vollständige Heilung, aber eine solche tiefgreifende Verbesserung, dass sich dafür die Arbeit lohnt.

Nur Angst

Ende Woche habe ich diesen Facharzttermin. Ich muss Dienstleistungen von ihm haben, was meine Medikamente betrifft und diese sollte er bitteschön gut erbringen. Daneben habe ich elementare Angst und Traumatas, die noch voll aktiv sind. Ich gehe zum Arzt und überlege mir, was ich wie sagen soll, damit ich die Dienstleistung bekomme, die ich so dringend benötige. Eigentlich sollte ein Arzt mich behandeln und nicht ich ihn.

Aber so läuft es nicht. Wenn ich irgendeinem Arzt in die Finger gerate, dann habe ich genau die Symptome seiner Fachrichtung: Der Neurologe findet neurologische, der Psychiater psychiatrische und der Traumatologe traumatische. Ich sitze auf irgendeinem Stühlchen, kratze mich am Kopf und denke, was stimmt nun? Nicht zu vergessen, dass ich mit knapp drei Monaten Rauchentzug von dem Geschehen auch noch Symptome haben kann wie Schlafschwierigkeiten, Gereiztheit, Depression, Übellaunigkeit.

Das macht das Ganze nicht einfacher. Es war ein ungünstiger Moment mit dem Rauchen aufzuhören nach dem Motto, es ist alles zu viel, also schmeisse ich noch einen Rauchstopp drauf. Der geht dann in der Totalüberforderung unter und fällt nicht weiter auf.

Am Freitag dieser Termin und ich habe echt Schiss. Was wenn dieser Facharzt wieder nichts taugt und ich nochmals einen anderen suchen muss? Ich verstehe nicht, warum diese Fachärzte nicht einfach ihren Beruf ausüben mit ihren Kompetenzen und wenn es über ihr Fachgebiet geht, die PatientInnen weiterleiten. Aber nein, es wird behandelt, was das Zeug hält, ich nenne es verwaltet und die PatientInnen wie in meinem Fall leben mehr schlecht als recht und werden retraumatisiert und neu traumatisiert ohne Ende.

Wenn ich heute schon so fest Angst habe vor einem Termin, der am Freitag kommt, dann ist da was im Busch, was dort nicht sein sollte.

Nicht vorhanden

Logischerweise versuche ich im Internet Blogs oder Foren zu finden, die vom Heilungsverlauf einer (k)PTBS berichten. Für die Rauchentwöhnung gibt es das: Zuerst ist das Reissen nach der Zigaretten gross und dann nimmt es in Wellen ab.

Nicht so bei meinem gesundheitlichen Hauptproblem. Symptome werden beschrieben in vielfältigsten Varianten, auch die gängigen Verwechslungen mit anderen psychiatrischen Diagnosen, die unendliche Mühe die Diagnose zu bekommen, eine entsprechende Fachperson und dann Sendepause. Ein Blog beschreibt sogar, dass die Symptome unheilbar sind. Die Blogs oder Foren, die ich finde sind jahrealt und scheinen momentan nicht wirklich aktiv zu sein.

Die ganze Zeit frage ich mich, warum es so wichtig ist, nicht allein unterwegs zu sein. Ist es Ungeduld, ist es Angst? Weil ich so lange suchen musste nach der richtigen Therapie, bin ich ängstlich, dass ich zu wenig schnell zu wenig lernen kann, dass mir aus welchen Gründen auch immer meine Therapie abhanden kommt. Es ist schwierig auszuhalten, mich selbst zu beruhigen, mir zu sagen, dass es einen Weg geben wird, dass ich keine Angst haben muss.

Diese Angst kann ich momentan nicht loslassen, wie sehr ich es mir auch wünsche. Bei vielem kann ich mir gut zureden und dann klappt es, aber nicht bei dem Thema.

 

Flashbacks

Gestern habe ich gelernt, dass ich keine Ahnung habe, was alles Flashbacks sind. Natürlich sind die aktiv. Offenbar gibt es sowas wie ein Drängeln um Gesundheit. Ich stelle mir das vereinfacht so vor, dass ich in einem Kochtopf rühre und da sind z. B. Gemüsestückchen drin und je mehr ich rühre desto mehr kommen an die Oberfläche und das kann in der Therapie gleich behandelt und verarbeitet werden.

Ich habe schon mehrfach beschrieben, was der Unterschied zw. meiner Traumabehandlung und gängiger Psychiatrie ist, zumindest wie ich sie erlebt habe.

In der Traumabehandlung werde ich nicht bewertet und ich mache nichts falsch, nein, ich müsste mir nicht etwas mehr Mühe geben, anders denken lernen. Auch wenn dieser Aspekt nicht heil macht, aber es ist eine gewaltige Erfahrung völlig ohne die ewige Schuldfrage arbeiten zu können. Aus der Suchttherapie weiss ich schon lange, dass die Schuldfrage obsolet ist. De facto ist die Gesellschaft anders organisiert.

Also ich habe alles gut gemacht, es war zu erwarten, dass ich mehr Hilfe brauche und dass wieder eine Depression kam, die höchstwahrscheinlich schneller vorbeigeht. Das scheint ein gängiger Gesundheitsverlauf zu sein, dass die Krankheitsphasen kürzer werden.

Die wichtigsten Themen, die hochgekommen sind, haben wir gestern mit EMDR verarbeitet. Falls irgendwas nochmals aktiv wird, werde ich mir Mut machen, dass dieses Thema der Vergangenheit angehört.

Der Psychologe hat auch gesagt, dass meine täglichen Meditationen wieder wirksam werden durch die Therapiesitzungen.

Ich habe es von Anfang an verglichen mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Es ist viel Konzentration und viel Übung. Ich soll übrigens sehr schnell sein beim Lernen.

 

Guter Rat teuer

Viele Menschen scheinen zu denken, dass Menschen wie ich ihre Probleme bündeln können, um sie einer Fachperson darzulegen und sich fachlich helfen zu lassen. So läuft es weder bei mir noch bei Traumatisierung in der CH.

Wer nicht mitgelesen hat: Im Alter von zwei Jahren wurde ich medizinisch behandelt, so dass ich unerträgliche Schmerzen erlitt. Das ist meine erste Traumatisierung. Die läuft natürlich völlig unentdeckt mit mir durch meine Lebenszeit. Klar, dass ich damals nie von mir gesagt hätte, dass ich traumatisiert sei. Mit zwanzig wusste ich glasklar, dass ich Nacherziehung brauche, wie ich es für mich nannte, dachte, dass ich das selbst erledigen könne. Mit 22 Jahren kam die erste offizielle Depression, ein klassisches Symptom von Traumatisierung. Die ging vorbei, dann war einige Jahre Ruhe etc. etc. bis zu dem Punkt als ich pro Jahr 2 bis 4 Depressionen bekam.

Ich erinnere mich genau, wie ich in einer Klinik der Physiotherapeutin gegenüber schüchtern formulierte, dass ich als Kind auf die Physio wie auf Folter reagiert hätte. Wie höflich, schüchtern und zurückhaltend war meine Formulierung. Sie stopfte mir meinen Mund für Jahre. Trotzdem blieb in meinem Bewusstsein, dass ich traumatisiert sei auf nicht anerkannte Art. Mir kamen andere Themen in den Sinn, bei denen das Leiden der Betroffenen unter den Tisch gekehrt wurde, jahrzehntelang, möglichst so lang bis die Betroffenen gestorben sind. Tote kosten nichts.

Immer hat sich meine Gesundheit verschlechtert. An irgendeinem Punkt war sie unaushaltbar und die klassische Reaktion der Mediziner war Repression.

Jetzt bin ich erste Schritte mit meinem Traumatologen gegangen. Ich bin in keiner Depression. Mein Alltag ist total unbefriedigend, ich schaue praktisch nur Trash-TV und alle meine Hobbymöglichkeiten stehen und liegen ungenutzt herum. Natürlich kann ich keine Wunder in wenigen Stunden erwarten. Ebenso natürlich ist es für mich schwierig weiter auszuhalten und abzuwarten, bis die Therapie mein Leben hoffentlich zusehends verbessern wird.

Schweigen oder schreiben, Dampf ablassen oder aushalten? Keine Ahnung was richtig ist. Die schlechten Energien der unverarbeiteten Traumatas rasen natürlich ständig in meinem Körper. Kommt mir oft so vor als hätte ich in meinem Oberkörper eine Spielzeugautorennbahn und die Autos rasen wie wild.

Klar ist, dass ich so clever sein muss mit meinen eigenen Resourcen, dass ich überlebe. Das muss frau sich auf der Zunge vergehen lassen: Ich bin 60 Jahre alt und lebe. Dazu gehört, dass ich das, was ich hier schreibe meistens drei-, viermal lese. Schreiben gilt in der Feld-, Wald-, Wiesenpsychiatrie als eine Möglichkeit der Verarbeitung. Keine Ahnung, ob Schreiben kleinere Probleme löst oder grosse etwas verkleinert. Zu wünschen wäre es.