Monster

Ich bin ein Monster, so wie ich bin, sollte es mich nicht geben. Noch bin ich Fussgängerin mit Betonung auf noch. Das neue Schlafmittel fördert meine Ataxie, eine kleine, nicht ganz unwichtige, unerwünschte Nebenwirkung. Das Alte hat vermutlich mein Gedächtnis verschluckt. Ohne Hilfe meines IV-Assistenten bin ich nicht fähig Termine wahrzunehmen, sie einzuhalten.

Dumme Frage: Klar führe ich eine Agenda und ebenso klar schlucke ich seit Monaten Ginkosan. Mit 60 Jahren ist ein normals Gedächtnis gealtert, aber durchaus noch fit. Nicht so meins. Ich kann heulen, ich kann schreien, wen interessiert es? Nur mich.

Irgendwann und der Tag rückt immer näher, muss und will ich mich medizinisch neu aufstellen. Mein Traumatherapeut bewirkt Wunder und der Rest ist katastrophal. X Fehldiagnosen, erzählt von Neurologen, meiner Hausärztin, PsychiaterInnen, PsychologInnen, KESB, nennt sie und ich sage eins, ja, die auch.

Meine Physiotherapeutinnen sind immer auffallend kritisch und erzählen mir, was alles meiner Symptome NICHT zu einer klassischen CP gehört: z.B. Schreckhaftigkeit und miserables Gedächtnis. Kein Wunder bei dem Wust von Chemie, die mir die Psychiatrie zwangsweise verabreicht hat, ist meine Neurologie zusätzlich geschädigt, mein Magen auch, meine Bewegungen sowieso. Diesen ÄrztInnen ist das sowas von egal und meine suizidalen Depressionen, Chemie hin oder her, musste ich aushalten und oh Wunder, durch die Traumatherapie werden sie weniger häufig und weniger schwer.

In meinem Leben, weiss zuerst ich und dann mein von mir angefragter Traumatherapeut, dass es sowas wie eine kPTBS gibt. Ansonsten ist das in der CH völlig unbekannt: Weder war ich im Krieg, noch bin ich sexuell missbraucht worden, ich wurde nur gefoltert, nicht im Gefängnis sondern ab 1960 in der täglichen Physio neun Jahre lang und im PZM 2017 und 2018, Gesamtdauer sieben bis acht Monate: Stichwort Zwangspsychiatrie, Filme auf youtube zu finden.

Alte Posts

Weil mein Blog in juristischer und hoffentlich journalistischer Prüfung steht, lese ich gelegentlich in meinen ersten Posts von 2012.

Es lohnt sich für jedeN darin zu lesen. Die Posts sind zeitlos, engagiert und haben in all den Jahren ihre Aktualität nicht verloren, so alte Links prüfe ich nicht mehr auf ihre Gültigkeit, einEn SekretärIn habe ich bekanntlich nicht.

Irgendwann, wenn ich in den psychedelisch-psychologischen Jahren angelangt sein werde, werde ich Posts massivstens löschen: Ich war mindestens 18 Monate lang Spielball von zwei Psychologinnen. Vierbuchstabenwörter noch und nöcher. Ich könnte mich an meinen Haaren post festum reissen, dass ich sowas so lange zugelassen habe. Meine Gesundheit war in dieser Zeit unterirdisch. Trotz falschen Belehrungen, im Selbstverständnis fachlich kompetent, objektiv genau das Gegenteil, weil falsche Ausbildung, habe ich diesen Blogmist und den ganzen medizinischen Bocksmist überlebt. Soll mich niemand fragen, wie. Tatsache ist, dass es mich noch gibt.

Also, wer schmöckern und stöbern will, sei herzlich eingeladen, es lohnt sich. Hoffentlich viel Spass dabei.

„Luzern muss Lehrer entschädigen“

So ein Titel in der Papierausgabe des Bundes vom 31. 1. 2013.

Der Lehrer war im Jahr 2004 verdächtigt worden, SchülerInnen seiner Kleinklasse missbraucht zu haben. Ein sechsjähriges Martyrium folgte. Am Schluss blieb von all den Anklagen nichts übrig, der Lehrer wurde freigesprochen. 2004 war er 38 Jahre alt. Zwei Jahre später muss er sich einer Herzoperation unterziehen und lebt jetzt von einer IV-Rente. Das Gericht behauptet nun, die Herzoperation habe nichts mit der Anklage zu tun und hat die Entschädigungsforderung von über 800`000.- Franken auf 190`000.- plus 50`000.- Franken reduziert.

Ich stelle mir einige Fragen und mich beschäftigen Gedanken zu dem Zeitungsartikel. Hat ein nun etwa 47 jähriger Mann nach dieser Vorgeschichte noch eine Chance? Mich würde es nicht wundern, wenn er in seinem ursprünglichen Berufsalltag nie mehr Fuss fassen kann. Wenn er SchülerInnen sieht, kann ihm seine Geschichte in den Sinn kommen und durch das Trauma ist er nicht mehr fähig zu unterrichten. Vielleicht ist das Trauma umfassender, weil auch erwachsene Menschen ihn zu Unrecht beschuldigt haben. Wie soll er erwachsenen Menschen trauen? Hatte er in seiner schweren Zeit Freunde oder Familie, die zu ihm hielten oder wollte „mit-so-einem“ keiner mehr etwas zu tun haben? Was an Beziehungsnetz bleibt übrig, wenn ein Mann/eine Frau mit der Anklage „sexueller Missbrauch von KleinklassenschülerInnen“ konfrontiert wird?

Ein Vorwurf ist besonders erwähnt: Dem Lehrer wurde vorgeworfen im Klassenzimmer einschlägige Bilder heruntergeladen und den SchülerInnen gezeigt zu haben. Technisch ein Ding der Unmöglichkeit, weil es keinen Internetzugang gab. Da spätestens wäre Vorsicht geboten gewesen. Aber es ist wohl eher andersrum. Dank dem, dass es technisch unmöglich war, konnte dieser Vorwurf am Schluss nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Ein(e) SchülerIn macht keine Falschaussage

Mich würde interessieren, warum fast alle SchülerInnen der Klasse ursprünglich zur Anklage beitrugen. Von zwölf SchülerInnen sagten elf aus, dass der Lehrer sie missbraucht habe. Ein(e) SchülerIn liess sich nicht in den Lügensumpf ziehen. Das finde ich bemerkenswert, wie ein Kind/Teenager mit seinen Eltern sich von der Verunsicherung nicht mitreissen lässt, die geherrscht haben muss und keine Falschaussage am Mittagstisch oder im Kinderzimmer zusammengetragen werden. Wie entstehen Falschaussagen? Legen die Erwachsenen den Kindern Worte in den Mund oder entspringen diese Falschaussagen der Phantasie der Kinder?

Ich finde die eine Ausnahme umso bemerkenswerter, als dass es für SchülerInnen wichtig ist, dass sie in der Klasse sozial integriert sind, das wird als soziale Fähigkeit gewertet. So ganz glaube ich natürlich nicht, dass es erstrebenswert ist, mit der Masse mitzulaufen. Natürlich ist es einfacher. In dem Fall hier aber war es das einzig Richtige. Wer von Anfang an die Wahrheit sagte und aussagte, blieb bis zum Schluss glaubwürdig. Alle andern, hier die Mehrheit, mussten ihre Aussagen zurücknehmen, mit oder ohne Einsicht.

Fallzahlen?

Wieviele Kinder und Jugendliche werden sich noch einen Spass daraus machen, LehrerInnen, Eltern oder andere Bezugspersonen mit Vorwürfen zu konfrontieren, die keinen Grund  haben. Wann endlich wird unsere Gesetzgebung die Verantwortung übernehmen und für das Recht einstehen. Was nützt ein Gericht, das Recht spricht, wenn durch die Anklage das leben eines Menschen verpfuscht wird? Es geht nicht an, dass ein 38 jähriger Lehrer um seinen Beruf betrogen wird, seine Gesundheit geschädigt wird und er den Rest seines Lebens als IV-Rentner verbringen muss.

Ihm und allen andern seiner LeidenskollegInnen und damit meine ich nicht nur fälschlicherweise angeschuldigten LehrerInnen sondern alle Erwachsenen, die zu Unrecht von Kindern und Jugendlichen mit Falschaussagen bei Gerichten oder Behörden angeschwärzt werden, ihm und allen diesen Erwachsenen steht ein Leben in Würde zu. In einem Rechtsstaat muss ein Vorwurf sorgfältig geprüft werden, aber eine allumfassende Vorverurteilung entspricht nicht unserem Rechtsverständnis. Im Zweifelsfall für den Angeklagten lautet es noch immer. Gesellschaftlich geht das bei gewissen Anklagen vergessen.

Gesellschaftlich hat ein solches Verhalten von Eltern, Schulbehörden, LehrkollegInnen einfache Konsequenzen: Da der Schutz der Erwachsenen nicht gewährleistet ist, wird sich manch fähige(r) LehrerIn fragen, ob er/sie nicht lieber beruflich umsattelt, weil er/sie stets mit einem Fuss im Gefängniss steckt. Das gilt ebenso für andere Berufsgattungen und natürlich Eltern, die in der gleichen Falle stecken. Langfristig muss sich hier etwas ändern. Wenn die Hysterie noch weiter zunimmt, mit der betreuende Erwachsene behandelt werden, schadet sich unsere Gesellschaft selbst.

Erfolg 5. IV-Revision

Wie immer, wenn das BSV Zahlen verkündet und frohe Erfolgsmeldungen in die Welt setzt, werden hier die Details geprüft, liest Mia die entsprechende Studie. Mit einem Zauberhändchen findet sie blitzartig auf der Seite der Eidgenossenschaft, was sie sucht. Ich habe noch nicht begonnen, weil ich regelmässig das, was ich suche nicht finde.

Auch ohne Recherche ist ganz klar und das wird vom BSV natürlich nicht offen diskutiert:

  • Es wurden noch keine Zahlen publiziert, wieviele behinderte Menschen ihren Arbeitsplatz dank der 5. IV-Revision behalten konnten.
  • Ganz wichtig wäre auch zu wissen, welcher Arbeitsplatz stand echt in Gefahr und wo hat die IV eingegriffen, um ihre Statistik aufzupolieren. – Wenn ich die Zahl noch richtig im Kopf habe, kommt die IV nach einem Monat Krankheitsabwesenheit ins Spiel. Da wird – vermute ich – viel zur Optimierung der Statistik getan. z.B. ein komplizierter Beinbruch führt in der Regel nicht zum Verlust des Arbeitsplatzes, weil die Einstellung der Gesellschaft eine andere ist.
  • Auszuweisen wäre auch die Zahl derer, die aus der Rente ausgegliedert und stellenlos auf dem Sozialamt gelandet ist oder der unwürdigen Finanzierung durch Angehörige: Mancher, der essen will und ein Dach über dem Kopf braucht, muss einfach schweigen, weil er in der Position des Schwachen ist. Ich habe früher an meinem Arbeitsplatz gesehen, wie Angehörige z.B. mit Demenzkranken umgesprungen sind. Natürlich ist es eine Frage der Überforderung. Mancherorts war es eine Frage des Geldbeutels: Der Demenzkranke wird in keine Institution gebracht, sondern vermeintlich liebevoll zuhause gepflegt und so bleibt das Erbe beisammen.

Genau bei der letzten Zahl hat Radio DRS gemeldet, dass eher ein Rückgang zu vermelden sei, dass trotz vermehrter Anstrengung weniger Menschen eingegliedert werden konnten. Ursula Schaffner von AGILE hat es auf den Punkt gebracht: Solange die Arbeitgeber nur fordern und keine Arbeitsplätze für behinderte Menschen zur Verfügung stellen, kann die IV Revision um Revision durchziehen und an den Arbeitsplätzen für behinderte Menschen ändert sich nichts.

Was in diesem Zusammenhang natürlich nicht erwähnt wurde: Die Situation der Behinderten verschlechtert sich von Revision zu Revision. Im Gegenteil: „Arbeit vor Rente“ ein Gedanke, der seit der Geburt der IV Pate stand, so neu also nicht ist, diese Neuausrichtung habe den RentnerInnen viel gebracht. Besonders die Menschen, die keine IV zugesprochen bekamen, werden sich dankbar an die Revision erinnern. – Man erinnere sich rasch an fragwürdige Methoden von Medas- und ABI-Gutachtern und die Diskussion, ob sie von der IV unabhängig seien.

Wer keinen Juristen hat oder sonst jemanden, der gegenüber der IV seine Interessen vertreten kann, bekommt heute kaum mehr eine Rente. Ob das vom Volk so gewollt ist?

Der Wasserkocher

„Kennst du die Geschichte vom Wasserkocher?“, frage ich. Mein Gegenüber verneint und ich beginne zu erzählen:

„In den Jahren, als ich finanziell am Boden lag und auf eine „Zwischenfinanzierung“* der Sozialhilfe angewiesen war, hatte ich eine für mich zuständige Person. Ich gebe ihr den Namen „Gut“. Gut war also zuständig für die Sozialfälle in meiner Gemeinde. Die komplizierten Fälle wurden an eine andere Stelle weitergereicht. Gut war zuständig für die einfachen Fälle. Zu denen gehörte ich. Ich brauchte Geld, ich hatte brav gewartet, bis mein Vermögen nur noch 4.000.- Franken betrug und dann kam ich. Rasch, bei 4000.- kann keiner lang warten, wurde ein Budget erstellt:

  • Existenzminimum
  • Wohnung – ausnahmsweise dürfen sie in ihrer zu teuren Wohnung bleiben
  • Krankenkasse – ausnahmsweise stufen wir ihre Krankenversicherung nicht zurück
  • Gesundheitsausgaben – in ihrem Fall sind wir ausnahmsweise grosszügig

Gut kam sich sehr gut vor. Sie hatte keine Ausbildung für Sozialarbeit, war zu einer Zeit der Not eingesprungen und hatte das Amt übernommen. Was ihr an Fachwissen fehlte, machte sie mit Gefühlen wett. Ich, auf der anderen Seite des Tisches wusste genau, dass ich nur eins konnte: „Gring abe und seckle“, was in dem Fall hiess, Gut ein gutes Gefühl zu vermitteln, damit sie mich möglichst in Ruhe liess, mir, wenn es unumgänglich war, Extrageld bewilligte, was sie in bescheidenem Rahmen auch tat.

Als Kind hatte ich mit Eifer und jahrelangen Mühen Skifahren gelernt. Eine Sportart, die ich gern betreibe und nun, in die Jahre gekommen, noch ausüben will, solange ich kann. Ich fahre leidlich gut und bin mit meiner Skilehrerin unterwegs.

Als meine Gesundheit auf dem Stand war, dass ich in die Skiferien konnte, informierte ich Gut, dass ich beabsichtige in die Skiferien zu fahren. – Man weiss, was über SozialhilfebezügerInnen gesagt und geschrieben wird, die es wagen, sich ein bisschen Lebensfreude zu gönnen. Sofort werden sie in der Luft zerrissen. Skiferien heisst für mich Hotel und Skilehrerin, ist ein teurer Spass. Den hatte ich mir am Mund abgespart, an Kleidern und täglichem Bedarf. Ich benötigte von Gut kein Extrageld, wollte einfach keine „Lämpen“, falls mich in dem Skiort jemand aus der Gemeinde sähe oder noch schlimmer ein Mitglied meiner Behörde.

„Nehmen Sie den Wasserkocher mit“, ermahnte mich Gut, „man muss nicht jeden Kaffee im Hotelrestaurant trinken.“ Natürlich folgte ich dieser Anweisung und wagte nur jeden zweiten Abend auswärts essen zu gehen, begnügte mich mit einem heissen Getränk oder einer Bouillon und Sandwiches. Damit war meine Einsamkeit bis in meine Ferien vorgedrungen, was medizinisch gesehen der perfekte Blödsinn ist. In dem Jahr begann meine Skilehrerin, mich zu sich zum Essen einzuladen.

Der „Wasserkocher“ wurde zum geflügelten Wort für behördliche Schikane und dummes Sparen, nebst der Tatsache, dass selbst ein Sozialhilfebezüger von Gesetzes wegen selbst entscheiden kann, wie er sein Geld einteilt. Aber das wusste Gut wohl nicht, weil sie nicht vom Fach ist. Heute ist Gut zum Glück all meiner NachfolgerInnen beim Sozialamt pensioniert und durch eine kompetente Fachperson ersetzt, die mit viel Verständnis zuhört und die Würde eines Menschen nicht antastet.  Ich muss nicht mehr auf die Gemeinde, weil meine Versicherungen bezahlen. Finanzielle Unabhängigkeit ist grossartig. Bald fahre ich in meine Skiferien. Ohne Wasserkocher. Nie wieder mit Wasserkocher.“

* Die für mich zuständige Person, Gut, betonte immer, dass ich nach Antritt meines Erbes, meine Schulden bei der Gemeinde würde begleichen müssen. Nie in Betracht zog sie, dass mir als versicherter Person Versicherungsleistungen zustehen, obwohl ich sie unzählige Male höflich darauf aufmerksam machte.

Heilung kann ihre IV-Rente gefährden

Heilung kann ihre IV-Rente gefährden. Das hat die FMH herausgefunden. Eine einfache Erkennntnis angesichts der laufenden IV-Revision, mit der ein stufenloses Rentensystem eingeführt werden soll. Nur, die FMH sollte sich nicht zu sehr grämen: Wenn ein behinderter Mensch gesünder wird und als Folge davon die Rente gekürzt wird, dann beginnt der grosse Stress:

Ein Rechenbeispiel: Durch gute medizinische Behandlung verbessert sich der Gesundheitszustand von Herrn X. um einen Zwölftel: Die IV bezahlt einen Monat weniger Rente: Im Geldbeutel von Herrn X. fehlen z.B. 1700.- Franken IV-Rente und 3000.- Franken Pensionskassenrente. Er hat pro Monat 200.- Franken weniger Geld und muss sich überlegen, wo er 200.- einsparen kann. – Ich empfehle an dem Punkt Aldi, Migros Budget und Coop Prix Garanti weil diese drei für wenig Geld Menschen ernähren.

Herr X ist sehr besorgt, findet natürlich keine Arbeitsstelle und wird, wie gesunde Arbeitssuchende nach einem halben Jahr Arbeitssuche entmutigt, depressiv und muss sich deshalb medizinisch behandelt lassen. Zur bestehenden Behinderung kommen jetzt gesundheitliche Probleme und der Fall wird – alles ehrlich zusammengerechnet – teurer.
Ich denke, dass Politiker, die solche Entscheidungen fällen, zu wenig Phantasie haben, um zu erkennen, was die Folgen ihrer Entscheidungen sind, Oportunisten sind und den Zeitgeist nachplappern oder irgendetwas vorliegt, was ich mir nicht vorstellen kann. Der jeweilige Hinweis, dass ein Einzelfall nichts beweise, finde ich sehr delikat: Natürlich gibt es für jede mögliche und unmögliche Situation einen Einzelfall. Aber nur Zahlen rumschieben und auf dem Papier sparen, bringt nichts. Was die logischen, praktischen Folgen sind, sollte bedacht werden.

* Wer den Artikel liest und die Kommentare: Hier noch einen  Hinweis zum Kommentar von eugen boller, 26. 11. 2012, 17:36: Jedes Wort stimmt. Hinzu kommt noch, dass wer mit Sozialhilfe unfreiwillig Freiwilligenarbeit leisten muss, pro Monat einige Hundert Franken mehr Sozialhilfe erhält, die er selbstverständlich zurückzahlen muss. Ich kenne einige Institutionen in Bern, die solche „Freiwillige“ einsetzen und nicht darüber nachdenken wollen, was sie machen. Darüber wird man sich in einigen Jahrzehnten entsetzen. Da bin ich mir sicher.

Die IV erholt sich viel rascher als erwartet

Diese Schlagzeile steht im heutigen Bund auf Seite 5.

Diese rasche Änderung der IV-Finanzen zeichnet sich seit Monaten ab, AGILE hat schon im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass die IV-Revision 6b zur Sanierung der IV-Finanzen nicht nötig ist.

Das BSV erwartet einen Überschuss von 430 Milionen Franken bis Ende Jahr. Als Grund werden die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der weitere Rückgang der neu zugesprochenen Renten genannt.
Bisher unterstützen nur die SP und die Grünen die Forderung der Behindertenverbände auf die IV-Revision 6b zu verzichten.

IV-Revision 6b: Einführung eines linearen Rentensystems im Gegensatz zu heute, wo z.B.bei einem Invaliditätsgrad von 65% eine Dreiviertelrente ausbezahlt wird. Invalide RentnerInnern erhalten für ihre Kinder auch Geld: 40% ihrer eigenen Rente. Neu sollen nur noch 30% der Erwachsenenrente ausbezahlt werden.

Nationalrat Lohr aus dem Thurgau soll es als Mitglied der CVP richten und in seiner Partei, FDP  und SVP an die Vernunft appelieren: Er versucht in der vorberatenden Sozialkommission bürgerliche Nationalräte für eine „vernünftige, massvolle“ IV-Revision zu gewinnen:

  • Ab 70% Invaliditätsgrad weiterhin eine volle Rente.
  • Die Kinderrente von 40% auf 30% nur dann kürzen, wenn das Einkommen aus IV-Rente und Kinderrente höher ausfällt als das frühere Erwerbseinkommen.

Die bürgerlichen Parteien zeigen wenig Gehör. Sie sind allenfalls bereit die neue Rentenberechnung auf zukünftige Renten anzuwenden und nicht auf bestehende, weil eine Beschwerdenflut erwartet wird.

Soweit eine Kurzzusammenfassung des Artikels.

Beurteilung:

Minimale Rente pro Monat CHF 1’160.-

Maximale Rente pro Monat CHF 2’320.-

Viele Menschen denken, mit einer IV-Rente könne ein Mensch leben. Diese Frankenbeträge reichen bei weitem nicht. Unwissen schadet den behinderten Menschen.

Der Beitrag an ein Kind ist 40%, je nach Höhe der Rente, die der behinderte Vater oder die behinderte Mutter erhält. Maximal- und Minimalrente beziehen sich selbstredend auf einen Invaliditätsgrad von 100% der erwachsenen Person. Sonst sind die Zahlen kleiner.

Ursprünglich sollte die IV-Rente behinderten Menschen den Lebensunterhalt ermöglichen. Sie ist eine Versicherung. Also Menschen, die einzahlen, möchten die Sicherheit haben, die Leistung zu erhalten, die sie benötigen, wenn sie in Not kommen. Dann gibt es die relativ kleine Gruppe der Menschen, die vor dem Einzahlen behindert wurden: Geburt, Kindheit, junges Erwachsenenalter, soweit es sich nicht um Behinderungen durch Unfälle handelt.

Heutige Situation: Wenn die IV-Rente nicht reicht, muss EL beantragt werden. Mit Versicherung hat das nichts mehr zu tun: Das Vermögen, soweit es vorhanden ist, darf gemäss den Richtlinien der EL eine bestimmte Grösse nicht übersteigen. Die EL muss mit einem ausführllichen Formular beantragt werden. Bekanntlich lassen sich SchweizerInnen nur sehr ungern so tief ins eigene Portemonnaie schauen: Wenn es gar nicht anders geht, nachdem kein anderer Ausweg mehr möglich ist. Die Krankenkassenprämie wird föderalistisch subventioniert.

Irgendwann wird das Volk merken, dass mit solchen „Sparübungen“ die Kosten nur verschoben werden. Aber dann werden die wenigsten der heutigen Politiker noch im Amt sein und die neuen, werden sich nicht verantwortlich fühlen und eine neue Sparrunde verordnen. Das ungute Gefühl bleibt: Wenn behinderte Menschenn wieder unsichtbar gemacht werden, in Statistiken nicht auftauchen, weil sie von Eltern oder Verwandten quersubventioniert werden müssen, ist das kein gesellschaftlicher Fortschitt sondern ein Rückschritt.

Ein sehr ähnlicher Vorgang ist beim Zählen der Arbeitslosen zu beobachten: Die Ausgesteuerten werden nicht mitgezählt. Nur darum sind die schweizerischen Arbeitslosenzahlen so tief und so hübsch für alle, die Abeit haben. Ob unsere Zählart mit europäischen Ländern vergleichbar ist und die europäische Länder untereinander, bin ich mir nicht sicher. Aber vielleicht schummeln alle %-mässig gleich viel, dann stimmen zwar nicht die absoluten Zahlen aber wenigstens der Ländervergleich.

Hilfe für Menschen mit Behiderungen

Behindertenorganisationen sind nach Fachgebieten zusammengefasst: Eltern mit behinderten Kindern treffen sich, wenn ihre Kinder die gleiche Behinderung haben, Hirnverletzte sind organisiert, Krebspatienten haben sich je nach Krebsart zusammengeschlossen. Rollstuhlfahrer unterstützen einander, falls sie gleichgesinnt sind.

Was ich bedaure ist die Zersplitterung der Kräfte und ich behaupte, dass es nicht nötig wäre, dass viele behinderte Menschen ihre Hilfsmittel selbst erfinden. Das wird auch Yael sehr viel Substanz kosten. Ich frage jeweils kritisch, wer einen Gewinn davon hat, wenn behinderte Menschen unnütz so beschäftigt sind.

Es wird immer betont, dass behinderte Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen sollen. Es werden Trottoirs abgesenkt, die Lifte mit Blindenschrift angeschrieben, wenn es hoch kommt wird eine Veranstaltung für Hörbehinderte zugänglich gemacht.

Ich bin für einen Museumstag für wahrnehmungsbehinderte Menschen, für ihren Zugang auf die oft leeren Behindertenparkplätze, wenn ihre Behinderung im räumlichen Bereich liegt, für lärmgedämpfte Eckchen in Restaurants, für freundliche Menschen, die die immer gleichen Fragen höflich beantworten, für eine Familie, die diesen Namen überhaupt verdient.

Eine erste Sammlung von Links, die ich in meinem Alltag mehr oder weniger regelmässig brauche:

AGILE .CH   
Dachorganisation, zuständig für politische Fragen auf schweizerisch nationaler Ebene. In ihren eigenen Worten: „AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz setzt sich als Dachverband der Behinderten-Selbsthilfeorganisationen für die Interessen von Menschen mit Behinderung ein.“

Fragile Vertritt die Interessen hirnverletzter Menschen und ihrer Angehörigen, wenn die Hirnverletzung nach der Geburt stattfand. z.B. Unfälle jeglicher Art, Hirnblutung, Krebs.

Vereinigung Cerebral Vertritt die Interessen der Eltern von cerebral paretischen Kindern. Seit ungefähr 10 Jahren versuchen Betroffene Erwachsene innerhalb dieser Elternvereinigung ihre Interessen zu vertreten

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Wahrnehmungsstörung Schweiz Für mich ein Internetauftrittt bei dem ich Informationen  über Wahrnahmungsstörungen hole.

Autismus und Wahrnehmung Der Artikel von Wikipedia: Eine Sammlung von Details.

Autismus Asperger Syndrom Hier nur der Link zu einem einzelnen Artikel, der mir sehr hilft. Im Zusammenhang mit Autismus und Asperger darf eine intelligente Person Schwierigkeiten mit einfachsten Dingen haben und sie bleibt bildungsfähig. Das finde ich schön. So stelle ich mir einen hilfreichen Umgang vor.