Hosen kürzen

Ein Mann hätte gern seine Hosen gekürzt. Als effiziente, amerikanisch ausgebildete Kleidernäherin, inklusive Design von Kleidern mit entsprechendem Werkzeug, traue ich mir diese fast unüberwindliche Schwerstaufgabe von geschätzten 20 Min. Einsatz zu.

Muss ich speziell erwähnen, dass die Leiterin des MST (= milieu-soziale Therapie) findet, ich könne das eher nicht, sie aber viel besser? – Manchmal fehlen mir schlicht die Nerven für solchen Unsinn.

Ich habe mir ein Jacket genäht, meinen beiden Männern Herrenhemden, mir und meinen Kindern alle möglichen und unmöglichen Kleider und überwinde langsam mein Trauma, das mich vor Jahren in ein nähunfähiges Wesen katapultierte.

Hoffentlich ist meine Occasionsoverlook noch nicht anderweitig verkauft. Overlooken ist ein Träumchen von mir und noch lebe ich, um diesen Traum zu verwirklichen.

Nächte

Nächte sind manchmal lang und gut, ich erwache meistens viel zu früh. Dagegen gibt es benzoähnliche Medis, die ich jahrelang nehmen musste, aber sicher nicht nehme, um durch den Tag von meinen GefängniswärterInnen noch länger und intensiver gedemütigt und isoliert zu werden. – Menschen nehmen sich unglaublich wichtig, die gegenwärtige Nachtwache gehört dazu.

  • Zimmertüre offen
  • Küche natürlich geschlossen
  • Morgenmedis werden un 3 Uhr irgendwas eingenommen
  • Lithiumspiegel wird angepeilt, völlig zu Unrecht bei meiner CP
  • Ich erwarte meine spontane Sofortheilung, sobald ich nur dem/der Staatsanwaltschaft erzählen konnte, wie schändlich mich meine Familie,die Gesamte behandelt und behandelt hat.
  • Mein direkter Cousin, Stapi von Bern wird nicht wiedergewählt werden, weil das Volk „die gnädigen Herren“ nicht mag. Die Bernburgergemeinde hat sich durch meine schlechte Behandlung einen weiteren Todesstoss verliehen. Auch ich werde versuchen an ihre Milliarden zu kommen. – Wer kannte mich nicht 60 Jaahre lang? Alle haben sie weggeschaut und ich hae Überlebt, eine Glanzleistung!

Gerade hat die Polizei das Gebäude verlassen, die Nachtwache ist gewinnbringend mit einem lärmenden Patienten beschäftigt. Ich habe um 4.00 Uhr heissen Kaffee und genehmige mir demnächst ein verbotenes Zigarettchen. Himmlische Ruhe ninnt sich sowas in meinem Knast.

Mich erwischt die Nachtwache mit zu lauter Musik. Trompete halt, Alison!

Falls ich die Addi meiner Folterkammer noch nicht bekannt gegeben habe: PZM (=Psyciatriezentrum Münsingen), Hunzikenallee 1, CH (PLZ unbekannt, googeln) Münsigen, Z.H. von mir, Haus P (Psychose!) 46 Zi 2. _Logisch kommt hier nur Eingeschriebenes an. Dieser Betrieb ist ineffizient und höchst schlampig geführt. Fehlende Ausbildung wird durch übergrosse Einbildung kompensiert. Junge Dinger im Alter meiner Töchter belehren mich und ich darf weder laut lachen noch ausrasten!

Offene Tür

Heute Morgen bin ich mit der erstmalig offenen Tür buchstäblich in den Gang gestolpert, Augen zu wie bei einem Hundewelpen. Ich habe mich im Stationsbüro eine Runde hingesetzt.

  • Frau muss in meinem biblischen Alter die Flüssigkeit in den Gelenken anlaufen lassen.
  • Räumliche Totaldesorientiertheit, bei unerwarteter Situation
  • Rauchen verboten, wenn die Zimmertüre offen im PatientInnenzimmer und je nach Pflege gibt es erst nach 06.00 Uhr Kaffee.

Alles mit Bravour gemeistert. Mein einziges Langarmtshirt muss gewaschen werden und das geliehene Männerhemd ist zugeknöpft. Darüber Trainer, voll okay.

Privatsphäre ist in dieser Institution ein völliges Fremdwort, ausser es ist frühmorgens, da hat niemand Zeit oder während der ewigen Pausen.

Jetzt mit offener Zimmertür kann ich meinen tiefen Blutdruck mit Kaffee in die Höhe treiben und nicht mit Dauerzigaretten……… Trompete, ich komme!!!

Schreckhaft

Wenn ich von den Vorteilen berichte, die meine Wahrnehmung mit sich bringt, dann möchte ich ehrlicherweise die Nachteile nicht vergessen. Die Schreckhaftigkeit ist momentan zuerst zu erwähnen. Sprich mich niemals, NIEMALS von hinten an. Ich erschrecke, das immer und in einem unerträglichen Ausmass.

Es ist mir völlig egal, dass es durchaus üblich ist, Menschen ohne SICHTKONTAKT anzusprechen. Dieses gängige Verhalten taugt für mich nicht. Wenn ich erschrecke, dann zieht dieses Erschrecken mir sehr viel Energie ab. Im einfachen Fall muss ich meine Tätigkeit für Sekunden, Minuten einstellen, bis ich mich gesammelt habe. Meine Ressourcen sind so knapp, dass ich mir diesen „Luxus“ nicht leisten kann.

Eine klassische Situation, in der ich als Mensch mit einer Behinderung, mein Problem so kommunizieren muss, dass Menschen ohne Behinderung eine faire Chance bekommen, nicht in dieses Fettnäpfchen zu treten. Die Krux an der Angelegenheit ist das „Vorher“. Um einen langen Lernprozess abzukürzen, hier mein vorläufiges Resultat: Ich habe viele Stücke meiner Garderobe mit „meinem“ Signet bedrucken lassen oder bügle dieses Signet, glänzende selbstreflektierende Silberfolie auf. – Die letzte Bestellung in einem Druckfachgeschäft hat zu einem ruinierten, neuen Wintermantel geführt und noch weiteren beschädigten Textilien. Ich berücksichtige bei meinen Einkäufen gern das lokale Gewerbe, aber so nicht.

Internet, Google, CH-Anbieter, einen neuen Wintermantel auf eigene Rechnung kaufen…..das Übliche halt.

Mein Signet, auch das im Internet zu finden stellt ein „Pssst…. Zeichen“ dar. Jeder Erwachsene braucht diese Geste, ausgestreckter Zeigefinger vor die Lippen, begleitet mit dem Laut „psst…..“ und in hiesigen Breitengraden lernt das Kind, möglichst still zu sein.

Interessanterweise kennen ALLE dieses Zeichen, sind aber auf Anhieb überfordert, wenn es auf dem Rücken eines Kleidungsstückes aufgedruckt ist. Die übliche Reaktion: „Ah ja….“ und auf dem baue ich auf. Wenn ich mich in den wöchentlichen Runden bewege, die ich in meinem Alltag ziehe, verknüpft sich mein Signet mit einem Lerneffekt. Wenn die Menschen es sehen „ah, ja….“ bitte nicht ansprechen. Stressabbau auf beiden betroffenen Seiten. Sehr oft ist es Menschen, die mich kennen und eigentlich um mein Problem wissen, ungemein peinlich, wenn sie in dieses Fettnäpfchen treten. Das will ich ihnen und mir ersparen.

 

 

Technik

Das Gefühl ist nicht so besonders, gehackt worden zu sein. Irgndwann pfeffere ich diesen Läppi durchs geschlossene Fenster ins Nirwana und rufe hinterher ein freunliches „Tschüss“.

Ich melde mich hier wieder, wenn ich die Technik gelöst habe……hp-Shop, ich komme  :-)!

Mein Hauptlaptop hat einen Virus und ist  jetzt in Profihänden zwecks Reparatur. -Ich wünsche gutes Gelingen.

Ein weiterer Zufall, mein 20 Jahre alter Drucker weigerte sich im Internet irgendeinen Text in vernünftiger Grösse zu drucken. Mit 20 Jahren Arbeitsleben – eine normle Laufzeit eines Druckers soll 10 Jahre betragen – ist er nun gestorben und wird recycliert. Neu steht ein blinkendes Gerät in meiner Wohnstube und mein Kollege hat es zum Laufen gebracht.

Ich bin im Stadium, da ich froh bin, dass es ihn gibt, aber ums Drucken mache ich gerade einen weiten Bogen.

In Reparatur müssen, in einem zweiten Schritt, meine sämtliichen E-Mailsadressen. – Vielleicht haben sie meine Postfächer zum explodieren gebracht.

  • DER PAUSENCLOWN TRITT NOCH NICHT AB

Mitleid oder Empatie?

Viele behinderte Menschen reagieren allergisch auf Mitleid. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Mensch im Rollstuhl von ihm völlig Unbekannten in der Stadt eine Zehnfrankennote zugesteckt bekommt.

An guten Tagen nimmt man solches mit Humor. An weniger Guten grummelt man etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und an schlechten Tagen fragt man sich vielleicht – oh Schreck – sogar laut: “ Was soll das?“

Was erstaunt ist, wie wenig sich nicht behinderte Menschen mit dem Thema Behinderung auseinandersetzen. Ob da magisches Denken dahintersteht? Wenn man sich damit nicht auseinandersetzt, erwischt es einen nicht! Dabei sollte sich in der Zwischenzeit herumgesprochen haben, dass die Menschen älter werden, bis sie sterben. Unterwegs sieht man Rollatoren schiebende FussgängerInnen.

Jeder, der lange leben will, wird früher oder später steifer in seinen Bewegungsmöglichkeiten, gibt ab, wie es der Volksmund ausdrückt und wird damit behindert. Allzuschrecklich ist das nicht, aber ganz arg ist, wie einige Menschen darauf reagieren, eben z. B. die, mit dem Zehnfrankenschein.

Ich könnte über die Beweggründe rätseln, warum sowas gemacht wird. Lieber wäre mir, wenn nicht behinderte Menschen die Anstrengung auf sich nehmen würden und sich in die Lage des Rollstuhlfahrers versetzen würden.

Und völlig utopisch ist es, zu hoffen, dass ich es noch erleben werde, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen ernst genommen werden, man ihnen glaubt, was sie erzählen und sie mit Respekt und Anstand behandelt werden.

 

Der Anfang dieses Textes ist über drei Jahre alt. Mittlerweilen erzähle ich Menschen, die neu in meinen Bekannenkreis kommen: „Wenn ich im Rollstuhl sitzen würde….“, begleitet von passender Gestik. Jeder begreift instinktiv, wie er auf einen Rollifahrer automatisch anders reagiert. Er bekommt sofort die Beisshemmung!