Neurologische Zusatzuntersuchungen…

…. sind jetzt von der KESB verordnet worden und das PZM muss sie per sofortiger Dringlichkeit ausführen lassen. Ich bleibe derweil im Knast, könnte evtl. auf eine andere Station verlegt werden, wo das Leben freier ist.

Mein Anwalt wir entsprechend informiert und Berufung einlegen müssen, was er schon kommen sah.

Ich selbst soll höflich lächeln, mich über sämtliche Minustemperaturen freuen, die keinem Camping allzu bekömmlich sind.

Ich vermisse meine Katze!

Der Psychologe langweilt mich zu Tode

Er hat noch immer nicht begriffen, welche Funktionsstörungen meines Gehirns NEUROLOGISCH sind. Er findet sich und seine Behandlungsart an mir gut. Mit dem Medikamentencoktail intus darf ich nicht einmal Auto fahren. – Ist ihm selbstredend egal, mir als CP überhaupt nicht.

Wer Autofahren können muss, muss entsprechend vermedikamentiert werden. Ich werde einen Teufel tun und auf eigenes Risiko……. da habe ich gleich wieder die 2 am Rücken. Zudem sind die Strassen schneebedeckt und gefroren, keine Zeit um nach monatelanger Autoabstinenz erste Fahrversuche zu machen.

Neurorehabilitation? Der Psychologe ist mehr als erstaunt, dabei verlangt das auch die KESB! Und vielleicht sollten ALLE NOT-WENDENDEN Tests gemacht werden und nicht nur irgendwelche. Der Arzt in Tschugg konnte nicht richtig Deutsch! Es werden nicht die Probleme der Patientin gelöst, sonderrn eine Klinik bietet möglichst ihre teuersten Produkte an. Ich bin doch nicht blöd!!!

Hosen kürzen

Ein Mann hätte gern seine Hosen gekürzt. Als effiziente, amerikanisch ausgebildete Kleidernäherin, inklusive Design von Kleidern mit entsprechendem Werkzeug, traue ich mir diese fast unüberwindliche Schwerstaufgabe von geschätzten 20 Min. Einsatz zu.

Muss ich speziell erwähnen, dass die Leiterin des MST (= milieu-soziale Therapie) findet, ich könne das eher nicht, sie aber viel besser? – Manchmal fehlen mir schlicht die Nerven für solchen Unsinn.

Ich habe mir ein Jacket genäht, meinen beiden Männern Herrenhemden, mir und meinen Kindern alle möglichen und unmöglichen Kleider und überwinde langsam mein Trauma, das mich vor Jahren in ein nähunfähiges Wesen katapultierte.

Hoffentlich ist meine Occasionsoverlook noch nicht anderweitig verkauft. Overlooken ist ein Träumchen von mir und noch lebe ich, um diesen Traum zu verwirklichen.

Tage zählen

Natürlich verliere ich den Überblick beim Tage zählen. An einem Sonntag bin ich hier eingetreten, dann sind sechs Wochen an einem Samstag, nämlich dem übernächsten, fertig.

Zahlenmenschen bitte mitzählen: Heeute ist Montag, also ist das mein 13. letzter Tag. Danach muss ich unbedingt in einen Gasthof neben der Autowerkstatt und Druck auf die Zügelfirma machen, damit sie endlich meie beiden Autos rausrückt. Die Umzugsfirma hat noch nicht begriffen, wo mein Fall liegt und ihr Name steht auf der Liste. Paralell dazu muss mein kleiner WoWa auf Dichtigkeit geprüft werden und ich bin mi einem Campingplatz in Luzern in freundlichem Gespräch. Luzern ist nicht weit von Nottwil entfernt, dem letzten Neurorehabilitationszentrum in der CH, das mich artgerecht untersuchen und mir medizinisch helfen könnte.

Bitte Daumen drücken, dass ich NICHT nach DE auswandern MUSS. Ich habe in DE Null Erfahrung mit Neurorehabilitationszentren und ihrem jeweiligen Ruf.

Für jeder Daumendrücken ein höfliches Dankeschön.

 

Kontaktauge

Meine zweite Webseite aus dem Jahr 2012. Ich habe diese Webseite nie öffentlich ins Netz gestellt, zu gross war der Schmerz. Kontaktauge war der Titel dieses Webauftritts, der wie ich sehe, nur einen Blogeintrag beinhaltet.

 

Bei meiner Akteneinsicht neulich konnte ich zur Kenntnis nehmen, was ich in all den Jahren als Recht bzw. Unrecht ansah und laut, auch gegenüber den betroffenen Behörden, formulierte. Die waren nicht im Geringsten beeindruckt. Meine einzige Waffe dagegen, meine Fähigkeit mich durchaus passabel zu formulieren. Damals, 2012 schrieb ich:

 

Dieser Blog hat das Thema verlassene Eltern.

„Kontaktauge“ ist kein zufälliger Name: Das Letzte, was ich von meiner Tochter wahrgenommen habe, ist, dass sie die Augen senkte. Der Augenkontakt war weg und wenige Tage später der ganze Mensch. Das war vor über fünf Jahren. Damals war meine Tocher kurz vor ihrem 15. Geburtstag. Viele selbsternannte und von Amtes wegen eingesetzte HelferInnen haben dem „armen“ Kind geholfen. Ich wurde zur Seite gestellt und mir wurde bedeutet, dass ich in ihrem Leben nichts mehr verloren hätte. Wenn ich möglichst nüchtern betrachtete, wer nun das Sagen hatte, konnte ich mich nicht genug verwundern: Ein Exfreund meiner Schwester, einer meiner Exmänner und seine neue Frau (nein, nicht der Vater des Kindes), eine studierte Zoologin, meine Mutter, eine amtliche Beiständin. Der Kindsvater scheint entgegen seinen damaligen Angaben in diesem bunten Reigen nicht vorzukommen. Auffallend war, dass die wichtigen ExponentInnen im Leben meiner Tochter bis dahin kaum oder nicht vorgekommen waren, aber alles besser wussten und finanziell viel besser dastanden als ich je.

Von Anfang an habe ich mir von aussen aufgedrängte Gedankengänge in Frage gestellt und was mir als „die Wahrheit“ aufgetischt wurde, schlicht nicht geglaubt. Das kommt daher, dass ich in meinem Leben immer meinen eigenen Weg gegangen bin. Ich habe hingeschaut, wo andere lieber weggucken. Ich habe ausgehalten, wo andere lieber verdrängen. Ich habe keine Wahl: Ich will nicht besonders gut oder heldenhaft sein, aber die Möglichkeiten und Grenzen, die mir auf meinen Lebensweg mitgegeben wurden, haben mich oft wider Willen, diesen Weg gehen lassen. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass meine Lebenseinstellung auf viele Menschen provokativ wirkt und wirken muss. – Noch habe ich nicht vollständig enträtselt, warum das so ist. Aber dass es so ist, daran zweifle ich immer seltener.

Das sind die Voraussetzungen. Ich werde meine Gedanken anonym verfassen, weil alle  Personen noch leben. Mich interessieren die gesetzlichen Grundlagen, die Rechte und Pflichten aller Beteiligten und die Frage, wie ich mir unter den geschilderten Bedingungen Lebensqualität verschaffen kann: Die Frage „Warum“ interessiert mich nicht, weil ich sie für mich beantwortet habe. Ich habe keine Lust in Mitleid oder Selbstmitleid zu verfallen. Ich habe nicht Mitleid mit meiner Tochter, die gegangen ist und ich habe kein Mitleid mit mir. Ich stelle mir das Leben wie eine Hand voll Spielkarten vor: Einige sind gut, einige sind mittel und andere sind schlecht. An mir ist es zu entscheiden wie ich sie ausspiele.

Akteneinsicht

Bekanntlich ist sie nicht sehr gut auf ihre Behörde zu sprechen. Die Menschen, die damals weitreichende Entscheidungen über ihr Leben trafen, ohne sie zu fragen, immer mit dieser überheblichen Einstellung, dass sie wüssten, was das Beste sei.

Manchmal ist das Leben gemein und in der Zwischenzeit, ist leider klar, dass die medizinischen Grundlagen all dieser Entschidungn leider, leider falsch gewesen waren, weil ihr Fall kein einfacher ist.

Die Behörde weiss von ihrem „Glück“ noch nichts. Aufgrund von falschen, medizinischen Zeugnissen, Behauptungen, Angaben, hat sie leider entschieden, völlig daneben und völlig zu Unrecht.

Jetzt hat sie also diesen Brief auf ihrem Tisch liegen, dass ihr in den engen Grenzen nach schweizerischem Recht Akteneinsicht, höchstwahrscheinlich in Banalitäten gewährt wird. – Vorher soll sie anrufen und ihr Kommn anmelden. Wie im Film mit Julia Roberts kann sie einige Akten, so die denn interessant wären, kopieren. Die meisten Akten kann sie eh nicht einsehen. Datenschutz, sie betreffen die Wegnahme ihres Kindes. Dass sie daran fast verreckt wäre, interessiert niemanden. Sie dankt Gott auf den Knien, dass sie diese Zeit überlebt hat. Und nun weiss frau, dass die medizinischen Beurteilungen der damaligen Zeit ihrem medizinischen Zustand nicht gerecht wurden.

Wenn das Unrecht zuschlägt, dann mit weit ausgesteckter Hand, damit es richtig schön knallt und der Mensch ins Taumeln gerät. Die Behörde wäscht ihre Hände in Unschuld. – Hat jemand je etwas anderes, Ehrlicheres erwartet von seiner Behörde?

 

„Wegschauen ist am schlimmsten“

In meinem Kanton erregt diese Schlagzeile im Bund Aufmerksamkeit. Leider ist dieser Artikel online nicht verfügbar. Manchmal ändert sich das nach ein, zwei Tagen. Wenn es soweit kommt, werde ich ihn verlinken.

Weil nicht verfügbar, schildere ich kurz, was beschrieben wird:

Ein Sozialarbeiter soll zwanzig Buben und männliche Teenager missbraucht haben. Er war sehr engagiert und beliebt. Es gab Verdachtsmomente, aber niemand traute sich eine Anschuldigung auszusprechen. Über Jahre wurde so das Problem verschleppt.

Der Artikel versucht zu sortieren und einzuordnen. Mir stösst manches sauer auf. Wenn ein Mensch keine sexuelle Ausrichtung hat, die momentan in unserer Gesellschaft akzeptiert ist, dann ist er sehr einsam und letztlich in einer auswegslosen Situation. Wenn wir uns zudem bewusst sind, dass gerade Männern dauernd zugestanden und eingetrichtert wird, dass sie ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben können, dann wird die Ausgangslage noch dramatischer.

Er war engagiert und charismatisch, kreativ, beliebt, erfolgreich. Und er täuschte sie alle.

So beginnt der Artikel. Wie kann die sexuelle Ausrichtung eines Menschen für andere Menschen ein Täuschmanöver sein? Unsere Gesellschaft lügt sich selbst an, wenn sie sich einredet, dass alle Menschen heterosexuell oder allenfalls homosexuell sind. Da hat kein einzelner Mensch andere getäuscht. All die wunderbaren Eigenschaften, die dem betroffenen Sozialarbeiter jetzt natürlich abgesprochen werden, besitzt er noch heute.

Natürlich ist es verboten, dass Erwachsene Kinder missbrauchen. Bislang habe ich nie gelesen oder gehört, wie sexuell so orientierte Erwachsene in unserer Gesellschaft leben können. Wenn nur Druck da ist und der Aufschrei der Öffentlichkeit, wenn Missbrauch endlich an den Tag kommt, machen wir keinen Schritt vorwärts. Die Kinder, die wir schützen wollen sind nicht geschützt und die Erwachsenen, die zumindest Verständnis brauchen und sicher Hilfe, mit ihrer Sexualität so umzugehen, dass sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sind in ihrem vermutlich leidvollen Versteckspiel allein gelassen. Auch mit einer Gefängnisstrafe ändert sich die Sexualität nicht. Auch da nützt Wegschauen herzlich wenig.

Wie soll man umgehen mit dem Verdacht? Auch der Zürcher Oberstaatsanwalt und Spezialist für strafrechtlichen Kinderschutz Andreas Brunner warnt vor zu frühen Anzeigen. Man könne Existenzen zerstören, wenn Gerüchte die Runde machten, an denen – wie sich später herausstelle – nichts dran sei.

Sehr verantwortungsbewusst finde ich diese Stellungnahme. Oberstaatsanwalt Brunner zeigt auf, dass die gesellschaftliche Verantwortung auf zwei Seiten hin zu wahren ist. Einerseits geht es um Kinder und Jugendliche, die zu schützen sind und andererseits geht es um Erwachsene, die vor ungerechtfertigten Vorwürfen, allenfalls sogar Erpressungsversuchen oder grundlosen, falschen Anschuldigungen zu schützen sind.

Ganz anders sieht das Regula Schwager, Psychologin und Psychotherapeutin bei der Opferberatungsstelle Castagna.

Im Gegensatz zu Brunner ist sie jedoch fest davon überzeugt, man solle «lieber zu viel bei der Polizei melden als zu wenig». Was aber passiert, wenn der vermeintliche Täter in Wirklichkeit unschuldig ist? Die falschen Gerüchte womöglich seine Existenz zerstören? «Eine Falschbeschuldigung ist eine Katastrophe», sagt Schwager. «Doch der Existenz eines Einzelnen steht die Existenz Hunderter potenzieller Opfer gegenüber. Wegschauen ist am schlimmsten.»

Eine unschuldig zerstörte Existenz als bedauerlichen Kollateralschaden. Die naive Vorstellung dass Kinder und Teenager unschuldige, kleine Engel sind, lässt grüssen. – Längst liest diese Altersgruppe das „20 Minuten“. Schon lange hat sie begriffen, dass Eltern, Lehrer und andere Erwachsene erpressbar sind, indem ihnen genau eines dieser Dinge vorgeworfen wird, das sie niemals tun dürfen.

Wann endlich wird unsere Gesellschaft erwachsen und nimmt ihre Verantwortung wahr? Das würde heissen, nicht mehr wegschauen

  • wenn Kinder und Jugendliche missbraucht werden.
  • wenn Erwachsene an ihrer Sexualität verzweifeln müssen, weil sie sich strafbar machen.
  • wenn Kinder und Jugendliche Unwahrheiten behaupten und damit unschuldigen Erwachsenen ihre Leben zerstören.

Letzteres ist nicht in Kauf zu nehmen nach dem Motto, solange es andere betrifft, kann es mir egal sein. Erst wenn ein Mensch selbst betroffen ist, realisiert er, welche Wirkung hier das Wegschauen hat. Ein Mensch, der niemandem etwas zuleide getan hat, hat keine „hunderte potenzielle Opfer“ als Gegenüber. Kein einziges. Das einzige Opfer ist er, der fälschlicherwiese als Täter beschuldigt wird.

Wie lange wird es dauern, bis unsere Gesellschaft hier besonnener und damit gerechter wird?

Gegenbeispiel gleichentags

Der andere Fall, eines Buschauffeurs, der Kinder, die er chauffiert hat und andere sexuell missbrauchte, ist online verfügbar.

Auffällig ist hier, dass der Arbeitgeber des Chauffeurs wusste, dass das Problem besteht. Der Chauffeur wurde trotzdem für SchülerInnentransporte eingesetzt. Es ist für einen Laien unverständlich, dass ein Arbeitgeber nicht die Konsequenzen aus seinem Wissen zieht. An und für sich ist es grosszügig, dass ein Mensch-mit-Vergangenheit eine zweite oder dritte Chance bekommt. Er kann allerdings Erwachsene transportieren und ist von Kindern und erst recht behinderten Kindern fern zu halten.

Wenn nun Leben des Chauffeurs aus den Fugen gerät, er muss für fünf Jahre ins Gefängnis, dann ist das die Konsequenz seines Verhaltens. Die Spielregeln und Gesetze unseres Staates sind bekannt.

In wenigen Jahren wird sich das Problem wieder stellen. Wie lebt ein Mensch mit dieser sexuellen Neigung als verantwortungsbewusster Mensch in unserer Gesellschaft. Vielleicht kann er sich behinderte Menschen zum Vorbild nehmen. Die können ihre Sexualität oft nicht ausleben, weil kein(e) PartnerIn vorhanden ist. Kalt Duschen ist angesagt und keine Straftaten. Aus der Perspektive eines behinderten Menschen ist vieles, was andere tun, unverständlich.

„Luzern muss Lehrer entschädigen“

So ein Titel in der Papierausgabe des Bundes vom 31. 1. 2013.

Der Lehrer war im Jahr 2004 verdächtigt worden, SchülerInnen seiner Kleinklasse missbraucht zu haben. Ein sechsjähriges Martyrium folgte. Am Schluss blieb von all den Anklagen nichts übrig, der Lehrer wurde freigesprochen. 2004 war er 38 Jahre alt. Zwei Jahre später muss er sich einer Herzoperation unterziehen und lebt jetzt von einer IV-Rente. Das Gericht behauptet nun, die Herzoperation habe nichts mit der Anklage zu tun und hat die Entschädigungsforderung von über 800`000.- Franken auf 190`000.- plus 50`000.- Franken reduziert.

Ich stelle mir einige Fragen und mich beschäftigen Gedanken zu dem Zeitungsartikel. Hat ein nun etwa 47 jähriger Mann nach dieser Vorgeschichte noch eine Chance? Mich würde es nicht wundern, wenn er in seinem ursprünglichen Berufsalltag nie mehr Fuss fassen kann. Wenn er SchülerInnen sieht, kann ihm seine Geschichte in den Sinn kommen und durch das Trauma ist er nicht mehr fähig zu unterrichten. Vielleicht ist das Trauma umfassender, weil auch erwachsene Menschen ihn zu Unrecht beschuldigt haben. Wie soll er erwachsenen Menschen trauen? Hatte er in seiner schweren Zeit Freunde oder Familie, die zu ihm hielten oder wollte „mit-so-einem“ keiner mehr etwas zu tun haben? Was an Beziehungsnetz bleibt übrig, wenn ein Mann/eine Frau mit der Anklage „sexueller Missbrauch von KleinklassenschülerInnen“ konfrontiert wird?

Ein Vorwurf ist besonders erwähnt: Dem Lehrer wurde vorgeworfen im Klassenzimmer einschlägige Bilder heruntergeladen und den SchülerInnen gezeigt zu haben. Technisch ein Ding der Unmöglichkeit, weil es keinen Internetzugang gab. Da spätestens wäre Vorsicht geboten gewesen. Aber es ist wohl eher andersrum. Dank dem, dass es technisch unmöglich war, konnte dieser Vorwurf am Schluss nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Ein(e) SchülerIn macht keine Falschaussage

Mich würde interessieren, warum fast alle SchülerInnen der Klasse ursprünglich zur Anklage beitrugen. Von zwölf SchülerInnen sagten elf aus, dass der Lehrer sie missbraucht habe. Ein(e) SchülerIn liess sich nicht in den Lügensumpf ziehen. Das finde ich bemerkenswert, wie ein Kind/Teenager mit seinen Eltern sich von der Verunsicherung nicht mitreissen lässt, die geherrscht haben muss und keine Falschaussage am Mittagstisch oder im Kinderzimmer zusammengetragen werden. Wie entstehen Falschaussagen? Legen die Erwachsenen den Kindern Worte in den Mund oder entspringen diese Falschaussagen der Phantasie der Kinder?

Ich finde die eine Ausnahme umso bemerkenswerter, als dass es für SchülerInnen wichtig ist, dass sie in der Klasse sozial integriert sind, das wird als soziale Fähigkeit gewertet. So ganz glaube ich natürlich nicht, dass es erstrebenswert ist, mit der Masse mitzulaufen. Natürlich ist es einfacher. In dem Fall hier aber war es das einzig Richtige. Wer von Anfang an die Wahrheit sagte und aussagte, blieb bis zum Schluss glaubwürdig. Alle andern, hier die Mehrheit, mussten ihre Aussagen zurücknehmen, mit oder ohne Einsicht.

Fallzahlen?

Wieviele Kinder und Jugendliche werden sich noch einen Spass daraus machen, LehrerInnen, Eltern oder andere Bezugspersonen mit Vorwürfen zu konfrontieren, die keinen Grund  haben. Wann endlich wird unsere Gesetzgebung die Verantwortung übernehmen und für das Recht einstehen. Was nützt ein Gericht, das Recht spricht, wenn durch die Anklage das leben eines Menschen verpfuscht wird? Es geht nicht an, dass ein 38 jähriger Lehrer um seinen Beruf betrogen wird, seine Gesundheit geschädigt wird und er den Rest seines Lebens als IV-Rentner verbringen muss.

Ihm und allen andern seiner LeidenskollegInnen und damit meine ich nicht nur fälschlicherweise angeschuldigten LehrerInnen sondern alle Erwachsenen, die zu Unrecht von Kindern und Jugendlichen mit Falschaussagen bei Gerichten oder Behörden angeschwärzt werden, ihm und allen diesen Erwachsenen steht ein Leben in Würde zu. In einem Rechtsstaat muss ein Vorwurf sorgfältig geprüft werden, aber eine allumfassende Vorverurteilung entspricht nicht unserem Rechtsverständnis. Im Zweifelsfall für den Angeklagten lautet es noch immer. Gesellschaftlich geht das bei gewissen Anklagen vergessen.

Gesellschaftlich hat ein solches Verhalten von Eltern, Schulbehörden, LehrkollegInnen einfache Konsequenzen: Da der Schutz der Erwachsenen nicht gewährleistet ist, wird sich manch fähige(r) LehrerIn fragen, ob er/sie nicht lieber beruflich umsattelt, weil er/sie stets mit einem Fuss im Gefängniss steckt. Das gilt ebenso für andere Berufsgattungen und natürlich Eltern, die in der gleichen Falle stecken. Langfristig muss sich hier etwas ändern. Wenn die Hysterie noch weiter zunimmt, mit der betreuende Erwachsene behandelt werden, schadet sich unsere Gesellschaft selbst.

Kinofilm „Jagten“

Der Bund hat in seinem E-Paper und Papierausgabe eine Beschreibung des Films „Jagten“. Online ist zuoberst bei den Filmen ein Bild zu sehen.

Thema: Eine Sechsjährige verwechselt Realität mit Wunschdenken. Weil sie sich zurückgesetzt fühlt, macht sie Andeutungen, dass ein Mann, der beste Freund ihres Vaters, sie missbraucht habe. Darauf wird der Mann zum Gejagten. Laut Bund versteht er es nicht, sich zu wehren. Die unbedachte Bemerkung des Kindes bringt eine Lawine ins Rollen.

Ich habe den Film nicht gesehen. Zu dem Thema brauche ich keinen Film, die Realität ist mir dramatisch genug. Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass ein Psychiater den Filmregisseur auf das Thema hingewiesen hat, dass nicht immer die armen Kinder die Opfer sind.

Wenn die Kritik im Bund stimmt, dann scheint der Regisseur Probleme zu haben, sich in die Situation des verfolgten Erwachsenen hineinzufühlen, während er bei seinem ersten Film den Inzest in einer Familie mit aller Dramatik inszeniert haben soll.

Vorausgesetzt, dass das so stimmt, was ich mir gut vorstellen kann, heisst das für meine Schreibarbeiten:

In der Kunst, im Film ist das Thema angekommen, dass Kinder auch nur Menschen sind und Fehler machen. Sie haben ihre eigenen Gefühle und sind manchmal wütend, fühlen sich zurückgesetzt, wollen mehr Beachtung oder was auch immer. Das Thema ist angekommen, aber der Erwachsene wird im Bund als Waschlappen bezeichnet. Es wäre ein interessanter Gedankengang, sich für einen solchen Fall eine fruchtbare Verteidigungsstrategie auszudenken.

Mir fehlt bisher ein Beispiel aus der Realität, in der sich ein erwachsener Mensch erfolgreich wehren konnte, ohne dass sein Leben auseinandergebrochen wäre.

Offensichtlich ist es selbst für einen Filmregisseur nicht die richtige Zeit, um sich voll hinter einen fälschlicherweise verdächtigten Erwachsenen zu stellen. So heikel ist das Thema, so klar die Täter- und Opferrollen: armes Kind, böser Erwachsener.

Aber immerhin ein zögerlicher Anfang ist gesetzt. Unsere Welt wird nicht gerechter, wenn Erwachsene schlecht behandelt werden und Kinder alles behaupten können. Gerechter und fairer wird unsere Welt, wenn im Zweifelsfall alle Seiten, ohne Vorurteile und Vorverurteilung, angehört werden und sich die zuständigen Stellen ein möglichst klares Bild verschaffen. In einem Rechtsstaat, wie der Schweiz, sollte im zweifelsfalle für den Angeklagten entschieden werden.

Damit mich alle richtig verstehen: Ich plädiere hier nicht für Erwachsene, die Kinder missbrauchen. Ich setze mich ein gegen den Generalverdacht, unter den alle Erwachsenen geraten, nur weil einige sich fehlbar verhalten. Ich bin für Fairness allen gegenüber. Ich bin dafür, dass wir unsere Gesellschaft so organisieren, dass mit solchen Vorwürfen ganz sorgsam umgegangen wird.