Die Omegastelle* hat gehustet

Pontius Pilatus hat gegrüsst, sie machen sich alle die Hände nach ihrer Vorstellung nicht schmutzig und werden dadurch in meinen Augen zu Pontius Pilatus Neuauflagen:

Die Omegastelle hat schriftlich gehustet. Es liest sich total entsetzt: Wie kann ich es wagen, über meinen Blog anonym Whistleblowerin sein zu wollen und die öffentliche Omegastelle namentlich zu erwähnen. Fast ebenso entsetzt: Unsere jeweiligen Meinungen würden nicht übereinstimmen. – Ich würde an meiner Intelligenz zweifeln, wenn es anders wäre.

Vielleicht verstehe ich schon wieder alles falsch, aber der Omegastelle scheint die Aussicht, evtl. von den Medien kontaktiert zu werden, nicht sonderlich zu gefallen. Rechtlich interessant ist für mich, wer, wem, was kundtun darf. JedeR WhistleblowerIn muss den Medien persönlich bekannt sein oder wie Mia mit einem hieb- und stichfesten Anonym ausgestattet sein. Mir wäre nicht bekannt, dass sie geoutet wäre, Mia ist Mia und gut ist.

Meiner Meinung nach sagt das sehr viel über die gegenwärtige CH aus, behindertenpolitische Arbeit per anonyme Blogs in einem sich selbst als demokratischen Rechtsstaat verstehenden Land. Diese Begriffe bedürfen der Erklärung. Entweder verstehen wir Betroffenen alles falsch oder wir schätzen richtig ein, dass wir uns gut, sehr gut schützen müssen, weil wir in einem übertragenen Minenfeld arbeiten. Ja, das ist genau meine persönliche Einschätzung, dass ich bei dieser, meiner Blogarbeit, mein Leben riskieren könnte, einige Risiken bereits bestanden und überwunden habe, aber längst nicht alle: Solange ich lebe, ist das lebensgefährlich, sogar in einem demokratischen Rechtsstaat wie der CH. (8-tung doppelbödig: Jedes menschliche Leben endet mit dem Tod. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass frau gängige Tabus nur auf eigenes Risiko brechen darf, muss oder will. Wie immer die Sachlage gerade ist.)

Und die permanente Warnung ist mir fest im Ohr: Es wird alles verdreht werden und du wirst dabei drauf gehen, realiter oder im übertragenen Sinn. Kriegszustand in Friedenszeiten: Schweig ja still und stumm oder es geht dir grausam an den Kragen. – Wie versteht sich Meinungsfreiheit rechtlich in der CH? Und warum muss ich schweigen, wie Jesus, während viele andere mich teilweise in aller Öffentlichkeit durch den Dreck gezogen haben und ziehen dürfen? Seinerzeit wurde das im Anzeiger veröffentlicht, als mir die Vorgängerin der heutigen KESB mein Kind wegnahm und nicht dem Kindsvater, sondern meinem ersten Ex zur Pflege übergab. Diese Wahl der Pflegeeltern ist in meinen Augen allein für sich genommen ein Skandal und das Kind hat dabei noch mehr gelitten. Kindswohl? Dass ich nicht ganz laut lache! Kindsleid nenne ich das. Ausnützen eines pubertierenden Teenagers, um mich in den Suizid zu treiben, was auch fast, echt beinahe geklappt hätte. Allerdings war Gott dagegen. Ich war es nicht, meine Kraft war bis zum letzten Quentchen verzehrt.

Kann ich es allein mit den Bern BE aufnehmen? Nie und nimmer! Schweig, still, stumm, leide! – Will ich nicht, habe ich 6 Jahrzehnte Erfahrung damit und das ist definitiv genug für ein einziges Leben.

Das ist wie bei den jungen Wilden: Machen sie nichts, geht die Welt den gewohnten Gang und das könnte ungut enden. Macht frau was oder versucht was zu bewegen, habe ich es wenigstens versucht, ganz gleich ob gescheitert oder, was sehr unwahrscheinlich ist, zufälligerweise den Kairos erwischt.

Was ist eine realistische Lebensbilanz? Das steht doch in jedem Arbeitszeugnis: „Zum CEO hat es nicht gereicht, sie war charakterich leider integer und hat sich stets aufrichtig bemüht.“ – Jetzt ist mir endlich klar, warum mich der erste Arbeitsmarkt ausgespuckt hat! (= 8-tung: trieft vor Ironie!)

 

*Namensgebung von mir frei gewählt, die Erklärung dazu in früheren Posts.

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Vorzeigebehinderte

Es ist immer die gleiche Handvoll Menschen mit Behinderungen, die in den Medien und in den Hochglanzzeitschriften der Behindertenorgansisationen umhergereicht und herumgereicht werden.

Wer wie ich schon einige Jahrzehnte im Behindertenkuchen rumturnt, es nur auf die Frontseite des eigenen Internetblogs geschafft hat, kriegt jeweils das grosse Gähnen, wenn sie wieder portiert werden, die üblichen Verdächtigen.

Respekt und Achtung zolle ich meinem Vorblog ivinfo , der zeitlich vor meinem entstanden ist und im selben behindertenpolitischen Ambiente. Er schafft es Geld zu generieren, Zahlungsverbindungen sind überall aufgelistet, interessant wäre es, zu erfahren, wieviel Mia Baumann mit ihrer Toparbeit verdienen kann. Die Frage, ob ich mit meinen Restfähigkeiten, meinen Lebensunterhalt autonom bestreiten könnte, hat sich mir immer gestellt, mit meiner miserablen Gesundheit, die hoffentlich jetzt mehrheitlich der Vergangenheit angehört, war ich dazu nicht in der Lage, noch habe ich ein solch tragendes Umfeld, das mir dabei hätte helfen können und wollen.

Im Archiv dieses Blogs kann jedeR nachlesen, wie allein ich jeweils war, wie ich gekämpft und gestrampelt habe, um sogleich wieder unterzugehen und in den Jahren 2017 und 2018 statt medizinisch behandelt gefoltert wurde. Das war der krönende Abschluss, wenn diese Wortwahl nicht so ungemein zynisch wäre.

Noch immer sitze ich an der Tastatur meines Läppis und will die leider unfrohe Botschaft bekannt machen, damit das in meinen Augen Unrecht aufgedeckt wird, per Druck von unten irgendwann zu einem Ende kommt. Politischer Druck, über Jahrhunderte, das ist das Schicksal der Frauenbewegung und nach der Frauenbewegung, viel jünger ist die Behindertenbewegung.

Wer also zu der Handvoll der auserwählt Portierten gehört, ist oft fremdgewählt und überhaupt nicht eigenbestimmt und ich weiss für mich, dass ich nur dann in die Medien gehen will, wenn es meine eigene Entscheidung ist.

Neulich im Nachtcafe sass eine Abiturientin, die genau das tat. Die jungen Wilden, die Generation schon fast meiner Grosskinder bringt hoffentlich endlich frischen Wind in die träge Politlandschaft der Mächtigen. Diese Jungen wollen eine bewohnbare Erde erben und nicht jämmerlich zugrunde gehen müssen, nur weil ihre Eltern und Grosseltern die Ressourcen der Erde verschwendet haben und denken, dass sie vorher selig sterben können, vor dem ultimativen Klimakollaps.

Am vergangenen WE war in Bern das E-Rennen. Nachhaltigkeit sieht definitiv anders aus, in den Medien wurde geschrieben, dass Dieselgeneratoren die benötigte Elektrizität für die E-Rennautos hergestellt haben. Welchen Menschen kann MANN sowas als Zukunftsmusik verkaufen? Die schlafen nicht den Kirchenschlaf der Seligen, sondern den unseligen Schlaf des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs. Der Stapi von Bern versteht sich als grün. Darüber, ob ich ihn wiederwählen werde, schweigt der Sängerin Höflichkeit und der Volksmund lehrt: Man begegnet sich im Leben immer zweimal.

Ich habe die Geduld und den Durchhaltewillen, in wenigen Tagen kämpfe ich seit 61 Jahren, Ende glücklicherweise momentan nicht in Sicht. Das ist die grosse Errungenschaft meiner immensen Arbeit der letzten Monate.

Allen denen, die zum Gelingen ihr Scherfchen beigetragen haben, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und dem gebrochenen Mittelfuss hoffentlich gute Besserung und viel Freude beim Fahren meines Cabriolets. – Das war jetzt ein kleiner Insider, bitte nicht nachdenken und hoffentlich anonym genug.

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Ode an den ETH Prof. Ing. Agr.

Der Tag hat mit stundenlangem Lachen begonnen und soll damit auch enden, deshalb diese Ode an den Professoren des Milch Mälchertlis, der im Unterschied zu mir nie in den Schorgraben gefallen ist und zu seinem Vorteil nicht den langen Weg ins Schloss unter die Füsse nehmen musste, um ein simples Mittagessen einzunehmen und dann beim Abtrocknen in der Schlossküche mit nur kaltem Wasserhahn zu helfen.  Schliesslich ist er Professor und kein Schlossmädchen, also in der Schlossküche blieb vom Schlossfräulein nichts mehr übrig, da war nur LangweilerInnenarbeit angesagt.

Danach in Sturmeseile ein Hecht zur Schlossmauer, ein Satz darüber, um sanft auf dem Laubhaufen darunter zu landen, sich dann den Hang runterzukugeln und was gisch was hesch zum Schlossgut zu eilen.

Also mittags schnallte ich ds Milchmälchterli nicht um, da ging es je nach Wetter und Saison in den Heuet oder ids Gwächs mit de Gluuuri i de churze Hose, wo so schuuurig gstoche hei. He ja und nume d Büri het d Gwächspuppe mit der richtige Garbe dörfe decke und sie het gäng die Schönschti broche für obedruf… Däm het me puppne gseit. (Einen lieben Gruss an alle meine LeserInnen aus deutschsprachichen, fernen Landen, wenn ich die Mundartwörter vor lauter Alter kaum mehr finde, werdet ihr vermutlich nicht viel mehr als ich verstehen, also nahezu nichts. Daraus folgere ich, dass es nur noch besser werden kann.)

Warum ich mich beim Herrn Professoren und seiner Entourage so wohl fühle, eher ist es umgekehrt, dass er Entourage ist zur Reitlehrerin, weil wir wild zus.gewürfeltes Behindertengrüppchen auf deren Hof so gut aufgenommen werden. JedeR von uns wird genau an dem Punkt abgeholt, an dem er bzw. sie steht, alle werden liebevoll und respektvoll gefordert, alle sind wir gleich und ich muss meine Intelligenz nicht im Auto liegen lassen. Ein typisch Emmentalerspruch folgt dem andern. Mithalten kann ich locker, weil ich dort, in Langnau Jahre gewohnt habe als Frau von…

Megaschöne Gegend, ich liebe sie. So haben wir uns zwei Stunden lang die Bäuche gehalten vor Lachen, dabei die Turn- und Pferdearbeit zu unserer Zufriedenheit erledigt und auch Menschen, die nicht so gut sprechen können, scheinen entspannt und wohl zu sein.

Klar muss ich Grossmaul nachsitzen und mehr arbeiten, schlicht weil ich es kann und natürlich die alte Geschichte vom Hofkehren zum besten gegeben habe. Hoffentlich ist demnächst  Walpurgisnacht, wehe ich finde auf dem Hof einen Besen, der mir in die Hand gedrückt wird zum Kehren.

Reitlehrerin und Herr Professor, in ca. einem Jahr möchte ich selbständiger geworden sein im Westernreiten, das ich z.B. von der Ranch, die früher am Gurnigel platziert war, her kenne. Den Sattel kann ich nicht stemmen, der ist mir zu schwer. Den Rest kann ich oder kann ich bestimmt lernen. Ich will, dass sich eure Pferde wohl fühlen, das hat man mir schon als Kind eingeimpft, achte nicht aufs Euter der Kuh, sondern die Ohren der Pferde. Sie signalisieren, in welche Richtung ein Pferd lauscht. Gucke gut hin und du wirst an ihnen ablesen können, was als nächstens geschehen wird. Also mein hochdotierter Pferdeflüsterer der so gut flüstert, dass mein Pferd ganz brav neben ihm herläuft und den ich in einer Woche fragen werde, ob der Link was taugt oder Hokuspokus ist, schliesslich ist er Prof. Ing. Agronom und nicht ich. Ich kann nur andere Gurus ziemlich mühelos und blitzartig zuordnen. Nicht jeder ist ein neuer Jesus, der sich dafür hält, da gilt es hellwach zu sein.

Typisch kann ich mich nicht entscheiden, wie sich der Herr (= im Himmel) Prof. Ing. Agronom schreibt. Der Link führt zur ersten Erwähnung seiner Durchlaucht, erster Absatz, ca 2. unterste Zeile.

So, wenn ich brav und gut geschrieben habe, darf ich vielleicht trotz Systemkritik den Pferdestall verlinken. 🙂

Eine Ode ist in dem Post übrigens ein Loblied klar zu unterscheiden von Lobhudelei bitte. Eine solche kratzt sowieso noch in meinem Öhrchen ganz gluurihaft.

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Unterschied bei Reklamationen

Was unterscheidet mich von anderen punkto Reklamationen? Es gibt Situationen, in denen ich, nach dem Motto „et te Brute“ selbst mit an mich gerichteten Reklamationen konfrotiert werde.

Grundregeln:

  1. Eine Reklamation kommt immer oder fast immer, in einem für die Empfängerin unangenehmen und unangebrachten Zeitpunkt. Neutral betrachtet ist das logisch, eine Reklamation strebt zu einem möglichst geringen Aufwand möglichst grosse Veränderung an.  Für die Empfängerin ist es subjektiv oft sehr unangenehm, zusätzlich zum Inhalt der Reklamation.
  2. An dem Punkt scheitern schon die meisten, sie verstehen den Inhalt der Reklamation nicht. Ich muss mich mit Haut und Haaren bemühen zumindest zu verstehen, was mein Gegenüber beanstanden will.
  3. Losschlagen, zurückgeben? Nein, die kluge Hausfrau hält den Ball so flach, dass er nur noch ganz langsam am Boden rollt.
  4. Durchatmen, die GEFÜHLE des Gegenübers bestätigen: Ja, es ist grässlich, was dir wider fahren ist, ich versuche gerade das Ausmass zu erfassen. Wie lange? Nur kurz? Nein Tage, Wochen, Monate lang….. Ich sammle die Infos, solange sie bereitwillig folgen.
  5. Die Zeit vergeht, das Leben auch, die nächste Aufgabe steht an, der nächste Tag wird zeigen, ob die Reklamation nur als abgesandt gilt oder auch als angekommen.
  6. Dann, spätabends, vor mir und Gott oder auch vor verschwiegenen Ohren kann ich meine Wunden lecken, kann ich mich darum kümmern, zu verarbeiten, was ich nicht einmal hören wollte, geschweige denn begreifen.

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Und irgendwann oder nie folgt der Ritterschlag und ich kann nicht selbst behaupten, gut reagiert zu haben, das muss schon der/die Reklamierende bekräftigen, dass er/sie sich wieder wohlfühlt, dass der Konflikt mit Bravour überstanden ist.

Genau so geht das und dann ist das Gelingen garantiert. Unwichtige Konflikte übergehe ich schweigend, tauche nicht mehr auf, rufe nicht mehr an oder was auch immer, kurz ich bin dann mal weg.

Wenn es mir behindertenpolitisch, gesellschaftspolitisch oder warum auch immer wichtig ist, bleibe ich dran, möglichst clever Aufwand und Ertrag im Auge behaltend. Früher konnte man mich vorführen, heute wird es zusehends schwieriger.

Und nie, einfach nie einen Konflikt mit einem Gegenkonflikt beantworten, ausser ich will den Kontakt abbrechen: Antworten a la: Du hast aber auch im Sandkasten mit Sand um dich geworfen, sind nur dann sinnvoll, wenn niemand mehr im Sandkasten spielen will und soll. Das ist auch solch ein Punkt an dem ich jeweils denke, das ich echt anders ticke und nie und nimmer ein anderer Mensch als mich sein möchte.

Menschen sehen das Unheil noch nicht kommen, wenn es sie schon längst überrollt hat. Wieso das so ist, keine Ahnung.

Streit ist übrigens eine bewusste Entscheidung und kein Gefühl.

Mit einem mir lieben Menschen habe ich unseren grossen Konflikt auf den Tag nach meinem 95 Geburtstag festgelegt. Wir beide lachen uns selig, weil ich kaum die Chance habe viel älter als achtzig zu werden, sich der Streit deshalb von selbst erledigt.

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3 mal Ritterschlag, einmal ungenügend, (viel später) einmal Patt mit Fortsetzung folgt…

…das ist meine bisherige heutige Bilanz, der Tag ist noch nicht zu Ende, fürs morgige Fest habe ich Bier kalt gestellt.

Während ich mich in rasantestem Tempo verändere, bleiben andere stehen. Das ist ihr Recht, ich aber gehe vorwärts, lasse sie, wo immer ihnen beliebt stehen und nein, ich muss danach mit ihnen nicht mehr Kaffee trinken gehen, ich habe mich so verändert, dass andere Menschen in mein Leben kommen. Ende der endlosen TherapeutInnenreihen und deren fragwürdigen Beurteilungsbogen, Normalität ist gefragt, Reiselust, rauschende Nachbars- und WoWafeste.

Was andere ein Leben lang getan haben, beginne ich seit wenigen Monaten zu tun.

Was denken sich eigentlich viel jüngere Menschen als ich, wenn sie mir nicht zuhören wollen? Ich müsse xy und z? Muss ich nicht nur nicht, sondern überhaupt nicht. Vielleicht muss ich mal sterben, vielleicht bringt nicht einmal der  Tod meine grosse Klappe zum Schweigen, vielleicht überlebt die meinen irdischen Untergang.

Dreimal wurde ich in höchsten Tönen heute gelobt, dreimal wurde ich zur Ritterin geschlagen allein in diesen wenigen Stunden. Wenn meine noch verbliebenen KritikerInnen wüssten, wie vereinzelt und rar sie geworden sind? Schon bald muss ich sie sorgsam sammeln, diese vom akuten Aussterben bedrohte Spezies.

Ich errichte ihnen dann sorgsam ein kleines, freundliches, behindertengerechtes Biotop. Wer meine zahlreichen Begabungen übersehen muss, der hat echt ein Wahrnehmungsproblem und verdient besonders sorgsamen Schutz, behindertengerecht halt, durchaus freundlich gemeint, aber todlangweilig, mit bunten Medaillen um den Hals und wunderschönen total fehlplatzierten Reden.

Wenn Menschen wie ich auftauchen werden, geleite ich sie in weitem Bogen um dieses Biotop herum. Artengerechtigkeit und -vielfalt sind gewollt, aber diese Krokodile werden nur mit Biomais gefüttert und nicht mehr mit meinesgleichen.

Ich danke Gott auf den Knien für meine Traumatherapie, täglich, stündlich, vielleicht mit jedem meiner Gedanken.


Nachtrag: Ein Ritterschlag kommt ausgerechnet vom verkürzten oder verlängerten Arm der KESB. Wer nur eine schwache Ahnung der Bedeutung dieser Institution in der CH hat, kann ermessen, wie sich das für mich anfühlt: Morgen gibt es ein rauschendes Bierfest, immer so rauschend und bierig wie WieOrt eben feiern will.

 

Ich sag es doch, der Tag ist noch lange nicht zu Ende: Ein Seilziehen wird bestätigt und stolz erwähnt, die Gegenseite habe eine andere Meinung. Hoffentlich auch, sonst würde ich beginnen an meiner Intelligenz zu zweifeln.

Es ist wie andernorts: Zuerst muss ich die CH-typische Ochsentour absolviert haben und mich Seigelchen für Seigelchen emporarbeiten, bis ich irgendwann, irgendwie ernst genommen werden muss.

Im Internet gibt es einen Blog, der seit zwei Jahren ruht, der ist auf meine Stichwortsuche hochgekommen. Der hat einen solch wahnwitzig präzisen Blogtitel, dass allein der mir oft Trost spendet.

Wie will irgendwer ensthaft behaupten, dass die Zwangspsychiatrie anders funktioniert als in den offziellen Medien der CH vor Jahren erwähnt und beschrieben. Da muss ich nur feststellen: Hashtag: ich auch, wobei das Thema klar KESB und Zwangspsychiatrie ist und nicht das andere, was NTs damit verbinden.

Wer sich über die rückständige CH wundert, der darf sich getrost an ledige Mütter in Frauengefängnissen erinnern, Zwangssterilisationen, die oft entwendeten Babies, an die Verdingkinder gerade im Kanton Bern und an Altbundesrätin Widmer-Schlumpf die damals den Mut hatte, die betroffenen Opfer als Opfer anzuerkennen. In meinem Beruf haben mir gerade ehemalige Verdingkinder erzählt, was alles sie erlebt haben und wie sich Ungerechtigkeit auf Ungerechtigkeit gehäuft hat. Nie habe ich verstanden, dass männliche Pfarrer sich in dieser Unrechtsgeschichte die Hände auch schmutzig gemacht haben. Sie müssen in einer anderen Bibel gelesen haben als ich.

Gehen wir zurück in den zweiten WK: Da gab es Barth, Bonhoeffer etc. und die Deutschen Christen. Nicht immer war klar, wer später als Helden gefeiert würde.  Oder nochmals anders: Unrecht ist Unrecht, weil es Unrecht ist, ganz egal, ob es mit menschlichen, staatlich zur Verfügung gestellten Mitteln an den Tag gebracht werden kann. Wem der Mord mit den Rechtsmittel nicht nachgewiesen werden kann, darf nicht Mörder genannt werden, es gilt die Unschuldsvermutung. Die Zeugen, die ihn morden gesehen haben, wissen vor sich und vor Gott, dass er gemordet hat, nach Rechtsstaat dürfen sie das nie laut sagen, wenn sie nicht die Beweise haben, dass es so ist. Verleumdung droht, wenn was behauptet wird, was nicht bewiesen werden kann.

Ich z.B. kann nicht nach rechtsstaatlichen Massstäben beweisen. Der Rechtsweg ist mir verschlossen, ich bin viel zu schwach. Trotzdem weiss ich, was ich weiss, weil ich es erlitten habe. Vor Gott und mir weiss ich es mit Sicherheit. Der Rechtsstaat lacht mich ganz laut aus. Diese Ochentour habe ich nach bestem Wissen und Gewissen, möglichst effizient und rssourcenschonend abgearbeitet.

Pech für meine Gegeseite war, dass ich bei der ersten PZM- Einweisung 2017 total verärgert war, aber ohne psychiatrische Diagnose. Tja, da wird es schwierig, irgendeinen angebliches Heilungsgeschehn zu behaupten. Ich war monatelang so unsäglich wütend, dass ich in der Zeit in keine schwere Depression verfiel, was krankheitsatypisch ist und war.

Gesundheitsfördernd und das massiv, wirkt die Traumatherapie. Das schreibe ich sehr gerne.

Weil ich politisch bewusst und Feministin bin, eine x-mal gekreuzigte und auferstandene Christin im übertragenen Sinn, beschreibe ich diese, meine Lebenskatastrophe und es ist mir erstaunlich egal, was meine GegnerInnen von mir denken. Wer 61 Jahre lang gekämpft hat in wenigen Tagen , der kann kämpfen und wie! Das Schilf beugt sich dem Stum und bricht gerade deshalb nicht!

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Kletterhalle so nicht!

Was ist der Unterschied zwischen einer durch und durch sportlichen Kletterhalle und einem heilpädagogischen Reitstall? Na klar, in der ersteren verkehren hübsche Männer mit gestählten Bodies und Mukis, die mit viel Vergnügen Spässchen machen und im heilpädagogischen Reitstall verkehrt unsereins, da mach ich meine Witzchen mit den StallbetreiberInnen. Der Herr Professor Ingenieur Agronom hat sich vor einer Woche über seinen neusten Titel vor Lachen gekugelt.

In der besagten Kletterhalle, die ich mit Bedauern, aber aus Datenschutzgründen nicht verlinken kann, bin ich bis vor wenigen Jahren mit zwei NT-KletterpartnerInnen verkehrt. Insbesondere die erste war topfit und ist Nummern geklettert, die ich nur vom Zugucken kenne. Da habe ich Arbeit in einem Affentempo abgeliefert, das hat Spass gemacht.

Die zweite, alternde Sozialarbeiterin, sah mich als Versicherungsbetrugsfall an: Ich Faulpelz, nix Akkordarbeit, auf der Tasche liegend von Versicherungen, wäh, räbäh….. Das hat auf die Dauer überhaupt keinen Spass gemacht.

Als die erste Kletterpartnerin aus gesundheitlichen Gründen eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegen musste, bin ich sofort in eine tiefste Depression gefallen. Als die zweite Kletterpartnerschaft beendet war, habe ich tief aufgeatmet. Zu meinem grossen Spass habe ich sie ab und zu mit Jonathan in der Kletterhalle getroffen. Sie, wie eh und je und ich mit jungem, hübschem, topfitem Mann, unsere Beziehung unbekannt, an meiner Seite. Ich habe oft für mich in meinen nicht vorhandenen Bart gekichert.

Und jetzt soll ich in der gleichen Halle brav im Gleichschritt mit ca. acht meinesgleichen oder meinesähnlichen rumhuschen? Irgendwer hat da zu wenig nachgedacht und vielleicht muss ich nur in den Spiegel gucken und dann weiss ich wer.

Allerdings hätte meine ehemalige Physio, Kursleiterin, auch drauf kommen können, als ich mich zu beklagen begann. Sie, die nie ein Gramm Übergewicht hat, hat uns zwei Frauen, die unter ihrem Übergewicht leiden, erklärt, dass das ohne Einfluss sei auf unsere Kletteraktivitäten. Nicht gerade eine Sternstunde in ihrem Unterrichtsleben: Masse geteilt durch Muskelkraft mal Höhe oder so ähnlich muss die physikalische Formel lauten, um hoch zu kommen. Ob die Masse 64 kg oder 78 kg beträgt macht zumindest bei meiner Muskelkraft einen erstaunlich hohen, von mir durchaus erwarteten Unterschied.

Husch, still, stumm, erdulde und ertrage. – Ne, echt jetzt? Da will ich dich sehen in meiner gesundheitlichen Situation. Ich habe mal eine meiner Exphysios an Krücken rumhumpeln sehen und megaschimpfen gehört. Sie war total gewohnt Physio zu sein und überhaupt nicht Patientin. Und plötzlich stieg in ihr Empathie für gesundheitliche Zustände auf, die sie vorher nur vom Hörensagen her kannte.

Wenn ich diese Kletterhalle je wieder betrete, dann mit einem Jonathan an meiner Seite oder solo auf der Suche nach einem hübschen Mukimann in meinem Alter: Er kann gut klettern und ich kann excellent kochen. Aus männlicher Sicht könnte daraus durchaus was werden.

Ähm, tja, auch unsereins ist Mensch, Mann oder Frau oder jede mögliche Spielart dazwischen.

Wie Ursula Egli vor Jahrzehnten schrieb: Liebe im Korsett. (8-tung: Diesen Titel kann ich momentan per Google nicht verifizieren. Evtl. habe ich Schreibfehler oder die Webseite gibt es nicht mehr, was megaschade wäre. In meinem Blog hatte ich den von mir gewünschten Link irgendwann, bloss wann?)

Vor Jahren übrigens, als ich mit der Behindertenkletterei begann, konnten wir ausserhalb der normalen Hallenöffnungszeiten trainieren, in einem geschützten Rahmen. Das hat für mich zumindest durchaus Sinn gemacht und nach genügend Training habe ich den stinknormalen AnfängerInnenkurs absolviert und mir damit die hallenhochoffizielle Erlaubnis erarbeitet, um im Zweierteam Vorstieg sichern zu können. Genau, sorgfältig mitlesen und hoffentlich begreifen: Vorstieg und nicht Nachstieg und auch keinen 78 kg schweren Mann toprope. DAS FINDE ICH REIN GEWICHTSMÄSSIG VERDAMMT GEFÄHRLICH, UMLEITUNG HIN ODER HER.

Und jetzt bin ich also im bevormundeten Grüppchen gelandet, meine erarbeitete Erlaubnis hat mir wer und wenn ja mit welcher Vollmacht klammheimlich entzogen und ich Deppin habe es glasklar realisiert!  – So definitiv nicht! Ich heule nach J., Kletterlehrerin und Psychologin, als Ueli Steck gestorben ist, haben wir uns in Solidarität umarmt und getröstet, hatten beide Gewichtsverlust zu beklagen. Das, genau das ist gleiche Augenhöhe. Klar, dass ich allein auf der Linie  klettere und auf keiner andern.

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Sollen sich Menschen mit Behinderungen bewusst exponieren?

Im Club war neulich eine Jubiläumssendung zu 100 Jahre Knie zu sehen. Knie ist der CH Nationalzirkus, leider hat sich die Kniefamilie in zwei Lager gespalten, was ich an der Stelle nicht thematisieren will.

Was meine Aufmerksamkeit gefangen nahm, war die Sequenz, als das Thema auf Menschen mit Behinderungen kam, die seit altersher im Zirkus auftraten und noch teilweise auftreten. In der Sendung wurde erzählt, dass ein besonders behinderter Mann, CH-Deutsch wertloser, weil invalidus = lat. wertlos = invalid, das Wort für die CH-Invalidenversicherung, Oberhaupt einer Clanfamilie war, im Zirkus gutes Geld verdiente und seine Familie damit gut ernährte.

Nix von zweitem oder drittem Arbeitsmarkt mit CH-üblicher Entlöhnung. – Ich finde immer, das ist moderne Sklavenarbeit, weil sie oft auf Akkord geht, die Entlöhnung, die sich aus Std.lohn und IV-Versicherung und sonstigen Leistungen, die invalide Menschen vom Staat bekommen, zus.setzt. Wobei die Versicherungen sehr oft von Bevölkerungsteilen als Ferienbezahlung verstanden werden: IVs müssen nicht arbeiten, feiern bis tief in die Nacht so laut, dass das arbeitende Volk nicht schlafen kann… etc.

Jetzt gerade ist auch tief in der Nacht und von Bettruhe meinerseits nichts, aber auch gar nichts zu ergattern. Nun, ich kann dann durch den Tag schlafen, wenn die Kinder der arbeitenden Bevölkerung Musikinstrumente üben. Also die geringste Klage meinerseits, ist reinstes Hypochondertum. Natürlich, Hypochonder sind all jene, die medizinisch keine Diagnose bekommen, dann landet frau zwangsläufig unter den Jammerlappen. – So Schnauze zu und ab Medikamente erhöhen, das Wachkomma ist unterdotiert und die Patientin am dumm rummmmotzen. Das erträgt eine Leistungsgesellschaft ganz schlecht.

Also zurück zu diesem vom zweiten, bzw. dritten Arbeitsmarkt verschonten Mann. Er hat sich gezielt und bewusst exponiert. Er hat sich ins Verhältnis gebracht zur Allgemeinbevölkerung und damit gespielt. Alle Menschen des öffentlichen Lebens spielen dieses Spiel: Ich bringe mich oder meine Beghabungen ans öffentliche Licht und das hoffentlich nur gewollt und gekonnt. Dieser weltweit lesbare Blog tut genau das auch, in all seiner Anonymität, ein Tanz auf dem Vulkan, ein hoffetlich gut gespieltes Spiel mit dem Feuer.

Gegen ein solches Sich-Exponieren ist nicht nur nichts, sondern überhaupt nichts einzuwenden, obwohl es dem gegenwärtigen Zeitgeschmack angeblich widerspricht. Rein so, weil es geradeso Mode ist und sich alle modern geben, was immer das heissen mag und wie sinnvoll das immer sein mag. In zehn Jahren wird die Zeitmeinung eine andere sein, der Geschmack sich gründlichst geändert haben. Die Zeit verändert fast alles oder ganz alles, nichts bleibt wie es war. Das war schon immer so und wird wohl immer so bleiben, vermutlich hängt dieser Eindruck mit der menschlichen Wahrnehmung zusammen.

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Veränderungen

Nichts ist so sicher im Leben wie ständige Veränderungen. Ich ändere mich, meine Behinderung ändert sich, mein Alter nimmt zu, die Art wie ich auf andere wirke, wird anders.

Da ich mehr als schlechte Erfahrungen habe mit angeblich objektiven Fremdwahrnehmungen, verlasse ich mich mehr und mehr nur noch auf mich. Ich war es, die mich in meinen Heilungsweg hineindiagnostiziert hat, die entsprechende Fachperson gesucht und GsD gefunden hat und jetzt natürlich die Mühen, den Willen und Weg der Heilung auf sich nehmen will und teilweise auch muss. Heil werden macht nicht nur Spass. Das bringt gewaltige Veränderungen, das bringt Phasen, die beglückend sind, aber auch sehr schmerzhaft.

Die Erkenntnis, dass andere Menschen mit meinem Leben, mit den Irritationen, die ich aushalten muss, überfordert sind, ist uralt. Irgendwie muss sich meine Mimik zu meinem Vorteil bzw. Nachteil verändert haben. Ich werde nun seit zwei Jahren klar unter der Rubrik „behindert“ abgehandelt. Somit fallen gewisse „normale“ Forderungen an mich weg. Das bringt Erleichterung. Ich bekomme einen gewissen Behindertenbonus, den ich vorher nie bekam. Wenn ich z.B. frage, wo das Behindertenwc sei, dann ist es keine Frage mehr, dass ich die Berechtigung habe, diese Toilette zu benutzen.

Soweit so gut. Aber wenn ich dann spüre, wie ich behinderter behandelt werde, als ich bin, dann bin ich damit nicht einverstanden. Es gibt schlicht und ergreifend Bewegungen, die ich in meinen besseren Zeiten gelernt habe und da kann ich die Bewegungen, die ich jetzt können sollte noch nicht. Gewohnheit und heutige Realität klaffen nach zwei Jahren anderer Existenz auseinander. Völlig logisch, dass ich nicht weiss, wo die Fettnäpfchen liegen werden. Wie soll mann bzw. frau mir Bewegungen beibringen, die ich nicht kann, die mich verunsichern, bei denen ich haargenau spüre, dass ich gleich auf die Schnauze fallen werde, weil ich unterwegs das Gleichgewicht verlieren werde. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Mein liebes Köpfchen erinnert sich nicht mehr, weigert sich Neues zu lernen. Was ich seit Urzeiten kann, wie Autofahren und Sportarten, die ich schon als Kind konnte, kann ich adaptieren. Beim Klettern klappt das noch nicht. Erklärungen verwirren mich. Ich spüre ständig, dass ich das Gewicht völlig falsch gelagert habe, die Kraft natürlich fehlt und ich wie immer mit der CP, zuerst das Gewicht richtig verlagern sollte, bevor irgendwas auch nur annähernd Schlaues geschieht. Keine Chance. Nun, solang ich den Dreh nicht wieder raus habe, bringt alles Erklären nichts.

Ich sehe angeblich müde aus und wirke von den vielen Reizen überfordert. Tja, meine Mimik normalisiert sich, ist halt anders, weil ich die Pillen reduziert habe und reduziere, die Wachkomma auslösen. Also, wen ich in den letzten 15 Jahren kennengelernt habe, der kann mit meiner momentanen Mimik überfordert sein. Klar, soll ich das zu meinem Problem machen. Wozu? Ich weiss, wo meine wirklichen Probleme sitzen.

Neuer Mensch braucht neue Umgebung und nein, in meinem kPTBS stecken bleiben, damit sich für mein Umfeld nix ändert, mag ich nicht. Ich habe ein Menschenrecht auf gute, mir angepasste Lebensqualität. Nach 59 Jahren Traumatisierungen läute ich mit jedem Tag, der vergeht, die Enttraumatisierung und Traumaverarbeitung lauter ein. Einigen schellt sie schon zu schrill in den Ohren!

Ich habe noch einige Packungen Ohropax. Bitte vortreten, wer die Stille vorzieht. Leiden muss um mich keiner. Wems keinen Spass macht, der schütze sich bitte, gross, stark, erwachsen und selbstverständlich eigenverantwortlich.

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Behinderung gegen Behinderung

Wenn ich NT wäre, würde mich erstaunen zu lernen, dass es verschiedene Klassen von Hirnverletzungen gibt: Mindestens zwei, die erster Klasse, das sind die Menschen, die auf ein Leben ohne Hirnverletzung zurückblicken können. Es gab eine Zeit davor, in der sie ihre vollen Hirnfähigkeiten hatten, vor dem Unfall, der Hirnblutung oder was es immer war.

Dann gibt es nach der Vorstellung einiger von ihnen die Menschen zweiter Klasse, das sind z. B. wir CPs mit Geburtsgebrechen, wir kleinen, durch und durch doofen, speichelnden SpastikerInnen, mit durchaus chronischen Schmerzen aber nicht mit diesen anderen Schmerzen, die direkt durch eine Hirnverletzung entstehen können, manchmal nach Jahren verschwinden und medikamentös behandelt werden müssen, weil schlicht unerträglich schmerzhaft.

Unser Kletterkurs von fragile ist in Teile zerfallen, da setzt sich jung zusammen, versus die beiden Alten. Das ist eine übergreifende Abspaltung, weil die Alten nicht um ihre Meinung gefragt aus einem „normal“ Hirnverletzten und einer CP bestehen. Dank unserer Altersweisheit schaffen wir beiden es auszukommen, obwohl wir hirnverletzungsmässig Gegensätze sein sollen.

Dann spielt eine Person ihre Hirnverletzung gegen die unsere aus, sie fühlt sich definitiv besser und benimmt sich in meinen Augen überheblich. Die Überheblichkeit von BernburgerInnen habe ich v.a. eine Kindheit lang und bis heute ertragen und ich finde Überheblichkeit nur eins, grässlich.

Ich schätze, dass es in unserem Kurs im Ganzen drei CPs gibt, zwei junge Männer und mich. Ein Mann kann leider kaum sprechen: Wenn die Lähmung und die Spastizität in den Sprechorganen liegt, dann ist bald einmal Ende der Gesprächigkeit. Dieses mechanische Nicht-Sprechen-können hat nichts mit der vorhandenen Intelligenz zu tun. Aber, der Aufwand in Kontakt zu kommen, ist natürlich grösser. Sicher muss frau Sätze vorschlagen, damit Mann mit Kopfschütteln, bzw. -nicken bestätigen oder verneinen kann, was zu sagen ist. Mir scheinen seine Augen sehr aussagekräftig und ich stelle mir vor, dass Menschen mit engem Kontakt zu ihm in seinen Augen lesen können, was gemeint ist. Der Alltag besteht aus x Repetitionen, immer gleichen Abläufen. Mit etwas Gespür, weiss frau wohl rasch, was ein stummer Mensch möchte.

Der Zweite ist immer in Bewegung, was natürlich gerade mit einer Hirnverletzung nicht einfach auszuhalten ist, aber nur weil sich seine Hirnverletzung so manifestiert, ist er kein Mensch zweiter Klasse. Sämtliche Defizite Hirnverletzter sind für sämtliche Mitmenschen mühsam zu ertragen, weil stereotyp gleich, es sind nur winzige Veränderungen erreichbar, wenn ein Hirnschaden so gross ist, wie er nun mal ist. Die vielzitierte Plastizität der Gehirne ist klar vorhanden und bei einem Vorfall kann durch rasches medizinisches Eingreifen oft sehr viel gerettet werden, in die Reversibilität überführt werden, aber längst nicht alles.

Es gibt ganz fiese Leistungsmassstäbe: Ich z.B. fahre Auto, was wenige Menschen mit Hirnverletzung können. Ich habe mit zwei Hirnverletzungen einen Hochschulabschluss gemacht und 16 Jahre darauf gearbeitet. Trotz Hirnverletzung bin ich IQ-mässig hochbegabt. Tja, die Hierarchie muss auch unter Hirnverletzten stimmen und ich lasse mich nicht von Hirnverletzten angeblich erster Klasse, die definitiv leistungsschwächer sind als ich, unterordnen.

Also zurück zum zweiten CP Mann: Er hat auch Spastizität in den Sprechorganen. Hat auch hier nichts mit seiner Intelligenz zu tun: Lesen kann er, er hat ein Smart- bzw. I-phone, guckt dort Zug- und Busanschlüsse in atemberaubender Geschwindigkeit nach und kann mit GA durch die ganze Schweiz reisen. Seit einem Jahr lernt er Englisch, ob für eine geplante Reise oder einfach so, habe ich noch nicht verstanden.

Beide werden ausgebildet im Sichern von KlettererInnen. Das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die über Leben und Tod entscheiden kann, nebst dem, dass mit eingeschränkter Beweglichkeit die Bewegungen individuell angepasst werden müssen. Wir sichern mit Grigri. Das ist ein sehr sicheres Gerät, allerdings finde ich das Abseilen nicht einfach, weil die Bewegung am Hebel, der die Blockierung löst, ganz klein sein müssen, damit das Abseiltempo stimmt. Je nach Durchmesser des Seils unterscheidet sich das Seildurchrutschtempo zudem. Die festinstallierten Topropes haben einen dickereren Durchmesser als die Seile, die für den Vorstieg benutzt werden.

Ob die beiden je voll selbständig werden im Sichern, weiss ich nicht, aber sie werden gelehrt und können ihre maximale Freiheit auskosten und das finde ich bei einer Behinderung wichtig, dass wir auf passender Augenhöhe ernst genommen werden und selbst entscheiden können, was wir lernen wollen und gucken können, wie weit wir uns in unserer Lernfähigkeit richtig einschätzen. In meiner Behinderung will ich nicht künstlich noch behinderter gemacht werden durch gut gemeinte aber völlig unkorrekte Bevormundung.

Gestern hatte ich die Gelegenheit zu beobachten, wie diese Person, die sich als erstklassige Hirnverletzte fühlt, völlig ausser Rand und Band sichert: Ihre gesamte Körperhaltung war beim Abseilen total verspannt.  Insbesondere peinlich sah aus, dass sie sehr breitbeinig dastand, die Hüftknochen gegen hinten kippte und den Beckenboden gegen vorne streckte. Klar ist sie korrekt gekleidet, trotzdem hätte ich sie als Kursleitung wegen dieser Haltung korrigiert, damit sie nicht sexuell aufreizend wirken muss. Das war schlimm anzuschauen und kaum auszuhalten, weil sie sich ungewollt exponierte. – Sie stand an der Wand, was ich verstehe, weil ich es auch so mache, ihre Front gegen die Halle gerichtet, Rücken zur Kletterroute gewandt. Ich stehe mit meiner behinderten, linken  Seite zur Wand, um mangelnde Kraft an der Wand abstützen zu können. Sie stand mitten in einer  freien, toprope Kletterroute statt auf der Seite, die eh blockiert war durch weggespannte Seile. Ehrlich, wenn Menschen mit Behinderungen drei bis vier Kletterbahnen belegen müssen, um eine Kletterpartie zu sichern, dann sollen sie in die Kletterhalle gehen, wenn sie niemand anderen stören. Das sah gegenüber der Sicherungstätigkeit von uns angeblich Zweitklassigen überhaupt nicht erstklassig aus!

Es hat parallell zu unserem Kurs immer Kinderkurse, die auch auf die einfachen Kletterrouten angewiesen sind und da muss man die Anlage teilen. Auch im eigenen Kurs will ich klettern können und nicht warten müssen, bis andere ihre Behinderung ausgelebt haben.

Das habe ich dann unmissverständlich geäussert. Später hat sich dieselbe Person angeblich im Namen aller KursteilnehmerInnen für den Kurs bedankt. Dagegen habe ich mich auch abgegrenzt: Es gibt solche Verdankungen im normalen Leben, aber sicher nicht nach wenigen Unterrichtsstunden und der Kurs geht nach den Sommerferien für die, die wollen, weiter. Eine solche Verdankung gehört an den Schluss eines gemeinsamen Weges. So wie sie vorgebracht wird, finde ich sie sehr hirnverletzt und weil stereotyp wiederkehrend, peinlich. Und so hirnverletzt, dass ich den feinen Unterschied nicht realisieren würde, bin ich noch lange nicht. Auch von Menschen mit Behinderungen lasse ich mich nicht bevormunden und schon gar nicht vereinahmen. Ich entscheide, wer in meinem Namen sprechen darf und wer nicht.

Nachtrag: Völlig unnötig speziell zu erwähnen, dass ich bei der Kursleitung und FRAGILE suisse reklamiert habe. Wenn ich einen Kurs für mich nicht geeignet finde, obwohl er das nach menschlicher Vernunft sein sollte, dann reklamiere ich. Das ist total normal. Auch hier agiere ich total normal, autonom und überhaupt nicht behindert.

Unterschenkelmuskulatur

Um einigermassen vernünftig gehen zu können, müssten die muskulären Voraussetzungen stimmen. Müssten, tun sie aber nicht. Meine beiden Unterschenkel zeichnen sich durch stellenweise knallhart verspannte Muskulatur aus. Rein zufällig haben die Physiotherapeutin und ich diese schmerzliche Tatsache entdeckt und dürfen jetzt langsam mit Hingabe versuchen, diese Verspannungen zu lockern und dann kann ich vielleicht, hoffentlich besser gehen und klettern.

Nicht jede meiner Einschränkungen ist gleich neurologisch. Wer hätte dadrauf kommen sollen? Ich nicht, obwohl es voll logisch ist, dass meine Muskulatur nur noch verspannt ist: Erstens wurde sie vermutlich hoffnungslos überfordert, als ich vor gut zwei Jahren versuchte von allen Vieren auf nur zwei Beine zu kommen, um mich vorwärts zu bewegen.

All die massenhaften spastizitäterhöhenden Psychopharmakas, die in meinen Händen zu ständigem Tremor führten, gaben meinen Beinen den Rest. Das ist so einfach zu begreifen, dass niemand auf die Idee kam, zu ertasten, ob meine Muskulatur die Voraussetzungen für meine Gehfähigkeit liefert und wenn nein, wie sie auf die Gehfähigkeit vorbereitet werden kann.

Ich hasse es, wenn ich mich um neue Baustellen kümmern muss. Ich habe genügend Alte. Das ist von Null Interesse. Will ich vernünftig gehen können, tue ich gut daran, mich auf meine Gegebenheiten einzulassen und danach auszurichten.

Jetzt schwanke ich zwischen Hoffen und Bangen. Ich hoffe, dass unsere Aufmerksamkeit auf meine Muskulatur mir Erleichterung bringt und bange, dass ich mich darin täuschen könnte und meine Geh- und Stehfähigkeit weiterhin so bescheiden bleibt, wie sie immer noch ist.

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