Kinofilm „Jagten“

Der Bund hat in seinem E-Paper und Papierausgabe eine Beschreibung des Films „Jagten“. Online ist zuoberst bei den Filmen ein Bild zu sehen.

Thema: Eine Sechsjährige verwechselt Realität mit Wunschdenken. Weil sie sich zurückgesetzt fühlt, macht sie Andeutungen, dass ein Mann, der beste Freund ihres Vaters, sie missbraucht habe. Darauf wird der Mann zum Gejagten. Laut Bund versteht er es nicht, sich zu wehren. Die unbedachte Bemerkung des Kindes bringt eine Lawine ins Rollen.

Ich habe den Film nicht gesehen. Zu dem Thema brauche ich keinen Film, die Realität ist mir dramatisch genug. Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass ein Psychiater den Filmregisseur auf das Thema hingewiesen hat, dass nicht immer die armen Kinder die Opfer sind.

Wenn die Kritik im Bund stimmt, dann scheint der Regisseur Probleme zu haben, sich in die Situation des verfolgten Erwachsenen hineinzufühlen, während er bei seinem ersten Film den Inzest in einer Familie mit aller Dramatik inszeniert haben soll.

Vorausgesetzt, dass das so stimmt, was ich mir gut vorstellen kann, heisst das für meine Schreibarbeiten:

In der Kunst, im Film ist das Thema angekommen, dass Kinder auch nur Menschen sind und Fehler machen. Sie haben ihre eigenen Gefühle und sind manchmal wütend, fühlen sich zurückgesetzt, wollen mehr Beachtung oder was auch immer. Das Thema ist angekommen, aber der Erwachsene wird im Bund als Waschlappen bezeichnet. Es wäre ein interessanter Gedankengang, sich für einen solchen Fall eine fruchtbare Verteidigungsstrategie auszudenken.

Mir fehlt bisher ein Beispiel aus der Realität, in der sich ein erwachsener Mensch erfolgreich wehren konnte, ohne dass sein Leben auseinandergebrochen wäre.

Offensichtlich ist es selbst für einen Filmregisseur nicht die richtige Zeit, um sich voll hinter einen fälschlicherweise verdächtigten Erwachsenen zu stellen. So heikel ist das Thema, so klar die Täter- und Opferrollen: armes Kind, böser Erwachsener.

Aber immerhin ein zögerlicher Anfang ist gesetzt. Unsere Welt wird nicht gerechter, wenn Erwachsene schlecht behandelt werden und Kinder alles behaupten können. Gerechter und fairer wird unsere Welt, wenn im Zweifelsfall alle Seiten, ohne Vorurteile und Vorverurteilung, angehört werden und sich die zuständigen Stellen ein möglichst klares Bild verschaffen. In einem Rechtsstaat, wie der Schweiz, sollte im zweifelsfalle für den Angeklagten entschieden werden.

Damit mich alle richtig verstehen: Ich plädiere hier nicht für Erwachsene, die Kinder missbrauchen. Ich setze mich ein gegen den Generalverdacht, unter den alle Erwachsenen geraten, nur weil einige sich fehlbar verhalten. Ich bin für Fairness allen gegenüber. Ich bin dafür, dass wir unsere Gesellschaft so organisieren, dass mit solchen Vorwürfen ganz sorgsam umgegangen wird.