Der Wasserkocher

„Kennst du die Geschichte vom Wasserkocher?“, frage ich. Mein Gegenüber verneint und ich beginne zu erzählen:

„In den Jahren, als ich finanziell am Boden lag und auf eine „Zwischenfinanzierung“* der Sozialhilfe angewiesen war, hatte ich eine für mich zuständige Person. Ich gebe ihr den Namen „Gut“. Gut war also zuständig für die Sozialfälle in meiner Gemeinde. Die komplizierten Fälle wurden an eine andere Stelle weitergereicht. Gut war zuständig für die einfachen Fälle. Zu denen gehörte ich. Ich brauchte Geld, ich hatte brav gewartet, bis mein Vermögen nur noch 4.000.- Franken betrug und dann kam ich. Rasch, bei 4000.- kann keiner lang warten, wurde ein Budget erstellt:

  • Existenzminimum
  • Wohnung – ausnahmsweise dürfen sie in ihrer zu teuren Wohnung bleiben
  • Krankenkasse – ausnahmsweise stufen wir ihre Krankenversicherung nicht zurück
  • Gesundheitsausgaben – in ihrem Fall sind wir ausnahmsweise grosszügig

Gut kam sich sehr gut vor. Sie hatte keine Ausbildung für Sozialarbeit, war zu einer Zeit der Not eingesprungen und hatte das Amt übernommen. Was ihr an Fachwissen fehlte, machte sie mit Gefühlen wett. Ich, auf der anderen Seite des Tisches wusste genau, dass ich nur eins konnte: „Gring abe und seckle“, was in dem Fall hiess, Gut ein gutes Gefühl zu vermitteln, damit sie mich möglichst in Ruhe liess, mir, wenn es unumgänglich war, Extrageld bewilligte, was sie in bescheidenem Rahmen auch tat.

Als Kind hatte ich mit Eifer und jahrelangen Mühen Skifahren gelernt. Eine Sportart, die ich gern betreibe und nun, in die Jahre gekommen, noch ausüben will, solange ich kann. Ich fahre leidlich gut und bin mit meiner Skilehrerin unterwegs.

Als meine Gesundheit auf dem Stand war, dass ich in die Skiferien konnte, informierte ich Gut, dass ich beabsichtige in die Skiferien zu fahren. – Man weiss, was über SozialhilfebezügerInnen gesagt und geschrieben wird, die es wagen, sich ein bisschen Lebensfreude zu gönnen. Sofort werden sie in der Luft zerrissen. Skiferien heisst für mich Hotel und Skilehrerin, ist ein teurer Spass. Den hatte ich mir am Mund abgespart, an Kleidern und täglichem Bedarf. Ich benötigte von Gut kein Extrageld, wollte einfach keine „Lämpen“, falls mich in dem Skiort jemand aus der Gemeinde sähe oder noch schlimmer ein Mitglied meiner Behörde.

„Nehmen Sie den Wasserkocher mit“, ermahnte mich Gut, „man muss nicht jeden Kaffee im Hotelrestaurant trinken.“ Natürlich folgte ich dieser Anweisung und wagte nur jeden zweiten Abend auswärts essen zu gehen, begnügte mich mit einem heissen Getränk oder einer Bouillon und Sandwiches. Damit war meine Einsamkeit bis in meine Ferien vorgedrungen, was medizinisch gesehen der perfekte Blödsinn ist. In dem Jahr begann meine Skilehrerin, mich zu sich zum Essen einzuladen.

Der „Wasserkocher“ wurde zum geflügelten Wort für behördliche Schikane und dummes Sparen, nebst der Tatsache, dass selbst ein Sozialhilfebezüger von Gesetzes wegen selbst entscheiden kann, wie er sein Geld einteilt. Aber das wusste Gut wohl nicht, weil sie nicht vom Fach ist. Heute ist Gut zum Glück all meiner NachfolgerInnen beim Sozialamt pensioniert und durch eine kompetente Fachperson ersetzt, die mit viel Verständnis zuhört und die Würde eines Menschen nicht antastet.  Ich muss nicht mehr auf die Gemeinde, weil meine Versicherungen bezahlen. Finanzielle Unabhängigkeit ist grossartig. Bald fahre ich in meine Skiferien. Ohne Wasserkocher. Nie wieder mit Wasserkocher.“

* Die für mich zuständige Person, Gut, betonte immer, dass ich nach Antritt meines Erbes, meine Schulden bei der Gemeinde würde begleichen müssen. Nie in Betracht zog sie, dass mir als versicherter Person Versicherungsleistungen zustehen, obwohl ich sie unzählige Male höflich darauf aufmerksam machte.

Wie funktioniert (m)eine Behörde?

Wenn ich wüsste, wie sie funktionieren, könnte ich diese Menschen besser verstehen. Oft denke ich diesen Satz. Wenn ich nachvollziehen könnte, warum diese Menschen solche Entscheide fällen, wie in meinem Fall, wäre mein Schmerz, so hoffe ich, kleiner.

Ich bin verwundert, dass die Erkenntnis, dass hier Unrecht am Werk war, meinen Schmerz nicht lindern konnte. Irgendwann war mir von Bekannten, Ärzten und Fachpersonen, die mein Leben begleiteten so oft gesagt worden, dass die Behörden falsch gehandelt hatten, dass kein Zweifel daran bestand. – Ein „Gratisjurist“ hatte sich eingesetzt. Er war, wie ich erst später realisierte, unfähig. Mein Neuer, Bezahlter hat in wenigen Wochen mehr erreicht als  der frühere in zwei Jahren. Er hatte „Mediation“ versucht, als längst Taten gefragt waren.

Trotz der eindeutigen Lage, wurden meine Gefühle nicht ruhiger, ich litt weiter. – Wie ungerecht ist dies: Ich erleide Unrecht und meine Seele leidet weiter, genau an diesem Unrecht. Ich kann froh sein, wenn es mich nicht aus der Bahn wirft, ich irgendwie den Alltag bewältige und hoffentlich irgendwann gelassener auf diese Zeit zurückblicken kann.

Natürlich ist klar, dass die Psyche Warnsignale abgeben soll, wenn sie überfahren wird und schmerzt. So signalisiert auch der Körper, wenn er verletzt wird. Nicht um uns zu ärgern oder mit unnötiger Arbeit einzudecken, sondern um uns die Gelegenheit zu geben, uns zu verarzten und den Heilungsprozess in Gang zu setzen.

Bei meinen seelischen Sachen höre ich: Das ist schwierig.

Ach nein. Dass es schwierig ist, habe ich schon selbst herausgefunden. Wie im Märchen habe ich mich auf den Weg gemacht, die Zauberblume zu finden, die mich heilt und erlöst. Es entspricht nicht meiner Einstellung, mich in ein schweres Schicksal zu ergeben.

Wie also funktioniert diese Behörde? Ich kann davon ausgehen, auch wenn ich die Leute nicht kenne, dass viele, vielleicht alle rechtskonservativ denken. Einige haben einen Universitätsabschluss. Einer, den ich von früher kenne, ist trotz Uniabschluss nicht sehr intelligent. Er hat seine akademischen Ziele nicht erreicht, musste damals die Studienrichtung wechseln. Sowas ist mir nicht passiert: Die Eifersucht, dass ich als behinderte(s) Mensch ein Studium vollendet habe und in diesem Beruf gearbeitet habe, ist weiter verbreitet, als mir bewusst ist und spielt hier sicher mit. Behinderte gehören auf eine niedrige Stufe der Existenz und dürfen einem nicht überfllügeln. Sonst gibt es Haue. Da die Situation scheinbar so günstig war, kam ich unter die Räder. Wie heisst ein philosophischer Satz so schön: „Alles geht vorbei.“

Das haben die Mitglieder dieser Behörde nicht mitbedacht, dass es eine Zeit danach geben wird. Genau dieser Fall ist eingetreten: Ich lebe nicht abgeschoben in einem Heim, sondern selbstbestimmt in meiner Wohnung. Ich kann tun und lassen, was mir gefällt und ich suche täglich nach Möglichkeiten und Tricks, die mein Leben lebenswerter machen. menschen, die mich über die letzten Jahre beobachten, sagen, dasss ich darin unermüdlich und ziemlich erfolgreich sei. Mit den letzten Nuerungen, die ich vor etwa zwei Wochen eingeläutet habe, bin ich mit dieser Sichtweise allmählich einverstanden: Als Tagesstruktur Trompete spielen und schreiben. Kontakt mit ausgewählten Bekannte, die mich mögen und Fachpersonen, die mich lehren. Hin und wieder Ferien, die mich mit Vorfreude erfüllen und hernach mit begeistertem Rückblick. So stelle ich mir mein Leben im Moment vor.

Viel mehr weiss ich über „meine“ Behörde nicht. Es fragt sich, ob eine Behörde Akteneinsicht gewähren muss, wie z.B. ein Spital. Im Moment wäre mir das zuviel. Aber später einmal,  könnte es durchaus spannend sein. – Im Moment reicht es mir, diesen Behörde-Menschen fröhlich ins Gesicht zu lachen und mein Leben zu geniessen.Mein Leben zu geniessen, allen Umständen zu trotz, das betrachte ich als meine Lebensaufgabe.

Letzthin habe im im TV(runterscrollen zu „Heike Dorsch“) einen Satz aufgeschnappt: Einer jungen Frau, war ihr Lebenspartner, mit dem sie über die Hälfte des Lebens verbracht hatte, getötet worden. Sie gab klar zu Ausdruck, dass sie dem Mörder, der ihr bereits unfassbar viel Leid angetan hatte, nicht den Rest ihres Lebens schenken wolle.

So stelle ich mir mein Leben vor, als mir gehörend und als von mir zu gestalten.

Gerechtigkeit und Gerechtigkeitsempfinden

Das Nachtcafé von gestern behandelt die interessante Frage, wie es für betroffene Menschen, aber auch uns als Gesellschaft ist, wenn Gerichte Urteile sprechen, die für die KlägerInnen nicht nachvollziehbar, weil zu mild ausfallen.

Im Internet wird die Sendung demnächst zu sehen sein. Gerade jetzt, wo ich den Artikel schreibe, ist sie es noch nicht und ich kann mir den Rest nicht angucken,der für meine Tagesform zu spät ausgestrahlt wurde. Als Mensch mit einer Wahrnehmungsstörung, erinnere ich mich auch nicht an die Namen der Gäste oder des Moderators. Um, was ja ein Ziel dieses Blogs ist, meinen nicht behinderten FreundInnen zu zeigen, wie es dann im Alltag geht, pflege ich Menschen zu umschreiben, damit der/die GesprächspartnerIn weiss, von wem ich sprechen will:

Da ist dieser ältere, freundliche Moderator, der eine ruhige gelassene Atmosphäre herbeiführt. In der Regel spricht er mit einem Gast eine Weile und dann mit dem nächsten. Es gibt wenige Gespräche unter den Gästen, manchmal eine Zweitmeinung oder gegenteilige Auffassung. Die Sendung beginnt immer mit einer ersten Sequenz an der Bar. Was die GesprächspartnerInnen an der Bar von den Gästen in der Sesselrunde unterscheidet, habe ich nicht begriffen. – Mit solchen Verständnislücken lebe ich. Sie können sich bis zur Sinnverzerrung auswachsen, was mich unsicher und vorsichtig macht. – Bildergeschichten kann ich, wenn die Bilder durcheinander sind, nicht in die richtige Reihenfolge bringen. – Unnötig zu erwähnen, dass ich Bildergeschichten ziemlich doof finde.

Das Thema, dass Rechtsempfinden und Recht, ob jetzt in der Form eines Gerichtsurteils oder eines Gesetzesparagraphen auseinanderfallen können, dieses Thema interessiert mich brennend.

Zwei Geschichten der Sendung waren für mich klar: Der Mann an der Bar erzählte, wie sein Sohn zu Tode geprügelt wurde. Auch in der Schweiz werden jugendliche Täter milder bestraft als Erwachsene. Das Ziel ist, diese Täter auf den rechten Weg zu bringen und sie in die Gesellschaft so zu entlassen, dass sie Fuss fassen können und unauffällig den Rest ihres Lebens verbringen. Je nach Auffassung, wie dieses Grobziel zu erreichen sei, wird Recht gesprochen. Die Vorstellung, dass ein(e) TäterIn nur abgestraft werden soll, gilt als überholt. Allerdings ist Reue strafmildernd, weil das Ziel ein verändertes Verhalten ist, sprich der/die TäterIn nach der Entlassung aus dem Gefängnis ohne Rückfall leben soll.

Dass ein Vater, der seinen Sohn auf diese Art verloren hat, befremdet ist, liegt auf der Hand. Vielleicht musste sich dieser Vater vorher nie damit befassen, wie ungerecht in dem Fall deutsches Recht ist – hiesiges ist keinen Deut besser – und hatte immer gedacht, dass Opfer der Rechtssprechung selbst schuld seien. Das ist eine gängige Abwehrhaltung unserer Gesellschaft: Wenn einer kommt und sagt, dass ein Urteil oder eine Rechtssprechung ungerecht sei, dann denken die ZuhörerInnen laut oder leise: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer.“ Damit ihr Weltbild intakt bleibt, setzen sie voraus, dass, wer recht hat, sich auch Recht verschaffen kann. Erst wenn diese ZuhörerInnen selbst betroffen sind, realisieren sie schmerzhaft, dass dazwischen eine grosse Lücke klafft, in die manch einer gefallen ist.

Der zweite Fall, der klar ist: Eine Frau erzählte, wie ihr kleiner Sohn überfahren wurde und starb. Sie forderte, dass der Autofahrer viel strenger bestraft würde. Das geht leider nicht, weil viele von uns Auto fahren. Jeder bemüht sich ehrlich keine Fehler zu machen. Dass ein kleinster Fehler tragische Folgen haben kann, ist eine bedrohliche Tatsache. Diese Mutter könnte sich und dem Unfallverursacher einen Gefallen tun, wenn sie sich wegen ihrem verständlichen Schmerz in professionelle Hände begeben würde. So wie sie erzählt ist der Unfallverursachen mit ihren Wünschen an sein Verhalten überfordert. – Ein schrecklicher Kreislauf von Forderungen – Abwehr ist da im Gang, der in ihrer Forderung nach mehr Gerechtigkeit gipfelt, was soviel heisst, dass der Unfallverursacher weggesperrt gehört. Emotional ist diese Reaktion durchaus verständlich. In der Rechtssprechung sollten Emotionen möglichst aussen vor bleiben.

Dann kommt der Rechtsfall, der mir unter dem Titel Wohl des Kindes unverständlich ist: Ein Mann erzählte, dass er 11 Jahre lang glaubte, einen Sohn gezeugt zu haben, um dann in einer nächsten Beziehung herauszufinden, dass er zu 99.99% seit Kindheit zeugungsunfähig sei. Ein Vaterschaftstest zeigt, dass sein „Sohn“ nicht sein leiblicher Sohn sein kann, trotzdem muss er für ihn Unterhalt bezahlen. Er ist mit seinem „Fall“ bereits durch verschiedene Instanzen gegangen. Kein Erfolg. Er findet es begreiflicherweise ungerecht, dass er Unterhalt für ein Kind zahlen muss, dass nicht seins ist. – Da kommt eines meiner Lieblingsunwörter ins Spiel: Wohl des Kindes.

Die Mutter konnte objektiv als einzige Person wissen, wer der Vater dieses Kindes ist. Aus irgendwelchen Gründen hat sie einen Zahlvater gesucht und zumindest für einige Jahre gefunden. Vielleicht war die Beziehung zum Zahlvater zu der Zeit, als das Kind gezeugt wurde, die wesentliche im Leben der Mutter. Wie auch immer zum Zeitpunkt der Zeugung, Geburt und in den ersten Jahren zweifelte der Zahlvater nicht an seiner leiblichen Vaterschaft. Nach gesundem Menschenverstand ist es klar, dass er seine Meinung ändert, wenn er erfährt, dass er zeugungsunfähig ist. Offensichtlich reagiert er nicht so, dass er froh ist, wenigstens diese Vaterschaft zu haben, auch wenn er nicht der leibliche Vater ist, sondern stellt seine Zahlpflicht in Frage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Beziehung Vater – Kuckuckskind vom Streit Mutter – Zahlvater unberührt bleibt. Ich finde, ein Vater in der Situation sollte mit dem Kuckuckskind gemeinsam eine faire Chance bekomme, ihre Beziehung neu zu definieren und anzupassen. Einerseits sind da etliche gemeinsame Jahre und andererseits ist die unschöne Erwachsenenebene. Ich denke nicht, dass es zum Wohl des Kindes ist, wenn ein nicht leiblicher Vater zu Zahlungen verdonnert wird, nachdem die Geschichte aufgeflogen ist.
Ob später in der Sendung noch etwas zu dem Themenbereich gesagt wurde, weiss ich nicht, weil ich vorher zu Bett gegangen bin und genau weiss, dass ich sie mir im Internet anschauen kann, wenn sie aufgeschaltet ist.

Die IV erholt sich viel rascher als erwartet

Diese Schlagzeile steht im heutigen Bund auf Seite 5.

Diese rasche Änderung der IV-Finanzen zeichnet sich seit Monaten ab, AGILE hat schon im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass die IV-Revision 6b zur Sanierung der IV-Finanzen nicht nötig ist.

Das BSV erwartet einen Überschuss von 430 Milionen Franken bis Ende Jahr. Als Grund werden die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der weitere Rückgang der neu zugesprochenen Renten genannt.
Bisher unterstützen nur die SP und die Grünen die Forderung der Behindertenverbände auf die IV-Revision 6b zu verzichten.

IV-Revision 6b: Einführung eines linearen Rentensystems im Gegensatz zu heute, wo z.B.bei einem Invaliditätsgrad von 65% eine Dreiviertelrente ausbezahlt wird. Invalide RentnerInnern erhalten für ihre Kinder auch Geld: 40% ihrer eigenen Rente. Neu sollen nur noch 30% der Erwachsenenrente ausbezahlt werden.

Nationalrat Lohr aus dem Thurgau soll es als Mitglied der CVP richten und in seiner Partei, FDP  und SVP an die Vernunft appelieren: Er versucht in der vorberatenden Sozialkommission bürgerliche Nationalräte für eine „vernünftige, massvolle“ IV-Revision zu gewinnen:

  • Ab 70% Invaliditätsgrad weiterhin eine volle Rente.
  • Die Kinderrente von 40% auf 30% nur dann kürzen, wenn das Einkommen aus IV-Rente und Kinderrente höher ausfällt als das frühere Erwerbseinkommen.

Die bürgerlichen Parteien zeigen wenig Gehör. Sie sind allenfalls bereit die neue Rentenberechnung auf zukünftige Renten anzuwenden und nicht auf bestehende, weil eine Beschwerdenflut erwartet wird.

Soweit eine Kurzzusammenfassung des Artikels.

Beurteilung:

Minimale Rente pro Monat CHF 1’160.-

Maximale Rente pro Monat CHF 2’320.-

Viele Menschen denken, mit einer IV-Rente könne ein Mensch leben. Diese Frankenbeträge reichen bei weitem nicht. Unwissen schadet den behinderten Menschen.

Der Beitrag an ein Kind ist 40%, je nach Höhe der Rente, die der behinderte Vater oder die behinderte Mutter erhält. Maximal- und Minimalrente beziehen sich selbstredend auf einen Invaliditätsgrad von 100% der erwachsenen Person. Sonst sind die Zahlen kleiner.

Ursprünglich sollte die IV-Rente behinderten Menschen den Lebensunterhalt ermöglichen. Sie ist eine Versicherung. Also Menschen, die einzahlen, möchten die Sicherheit haben, die Leistung zu erhalten, die sie benötigen, wenn sie in Not kommen. Dann gibt es die relativ kleine Gruppe der Menschen, die vor dem Einzahlen behindert wurden: Geburt, Kindheit, junges Erwachsenenalter, soweit es sich nicht um Behinderungen durch Unfälle handelt.

Heutige Situation: Wenn die IV-Rente nicht reicht, muss EL beantragt werden. Mit Versicherung hat das nichts mehr zu tun: Das Vermögen, soweit es vorhanden ist, darf gemäss den Richtlinien der EL eine bestimmte Grösse nicht übersteigen. Die EL muss mit einem ausführllichen Formular beantragt werden. Bekanntlich lassen sich SchweizerInnen nur sehr ungern so tief ins eigene Portemonnaie schauen: Wenn es gar nicht anders geht, nachdem kein anderer Ausweg mehr möglich ist. Die Krankenkassenprämie wird föderalistisch subventioniert.

Irgendwann wird das Volk merken, dass mit solchen „Sparübungen“ die Kosten nur verschoben werden. Aber dann werden die wenigsten der heutigen Politiker noch im Amt sein und die neuen, werden sich nicht verantwortlich fühlen und eine neue Sparrunde verordnen. Das ungute Gefühl bleibt: Wenn behinderte Menschenn wieder unsichtbar gemacht werden, in Statistiken nicht auftauchen, weil sie von Eltern oder Verwandten quersubventioniert werden müssen, ist das kein gesellschaftlicher Fortschitt sondern ein Rückschritt.

Ein sehr ähnlicher Vorgang ist beim Zählen der Arbeitslosen zu beobachten: Die Ausgesteuerten werden nicht mitgezählt. Nur darum sind die schweizerischen Arbeitslosenzahlen so tief und so hübsch für alle, die Abeit haben. Ob unsere Zählart mit europäischen Ländern vergleichbar ist und die europäische Länder untereinander, bin ich mir nicht sicher. Aber vielleicht schummeln alle %-mässig gleich viel, dann stimmen zwar nicht die absoluten Zahlen aber wenigstens der Ländervergleich.