Vollpfosten mit Meute

Gut, ich habs getan. Ich bin in die Stadt mit dem Tram auf den Weihnachtsmarkt, um ein Glas Glühwein zu trinken. Das habe ich alles getan beim Münster. Alles ist schön und gut, ich habe mir sogar gedörrte Tomaten und Pesto auf einem Samstagstrassenmarkt erstanden. Dann gehe ich am Zytgloggen vorbei Richtung Käfigturm und da ist es passiert, auf der Höhe des Marktgassmigros. Ein Mann rammt mich mit seinem Einkaufswägeli, das so lang ist, dass ich mehrere Schritte lang gerammt werde und fast hingefallen bin. Der Mann entschuldigt sich flüchtig, ich gebe zurück, ich sei behindert, er fragt nicht einmal, ob ich einen Schaden von seinem Verhalten davongetragen habe. Ich denke total verängstigt und konsterniert an den Oberschenkelhalsbruch, dem ich knäppstens entronnen bin, beeile mich und tippe den Mann an der Schulter, um ihm die Gefährlichkeit seines Tuns vor Augen zu führen.

Da kommt die Meute ins Spiel. Sie beobachtet mich und greift mit übeschäumender Einbildung für ihre Selbstgerechtigkeit ein: Der Mann habe sich entschuldigt und ich hätte kein Recht…… Ich wiederhole nochmals schreiend, wie gefährlich das gewesen sei und wie knapp ich einem Oberschenkelhalsbruch entronnen sei.

Und mit raschem Schritt entferne ich mich. Vermutlich kommt da der liebe Gott ins Spiel.

Es ist kurz vor Mittag und ich gehe in ein Restaurant essen. Leider sehe ich von meinem Sitzplatz aus zwei Polizisten. Was leide ich vor Angst, dass ich abgeführt werde. Mein Kopf ist ausser sich und durch keine Intelligenz der Welt zu beruhigen.

Jetzt bin ich zuhause und hier fühle ich mich zu meinem Glück sicher und hier will ich jetzt ganz langsam zur Ruhe kommen.