Vorteile meiner Wahrnehmung

Automatisch scanne ich mein Umfeld auf Wohlbefinden bzw. Unwohlbefinden ab. In einem Restaurant sitze ich ausschliesslich mit der Wand im Rücken, damit ich die Bedienung von vorne kommen sehe, und deshalb nicht erschrecke.

Eine mir fremde Umgebung rekognosziere ich, insbesondere, wenn ich in ihr mich gut unterhalten, Spass haben will oder eine Leistung abrufen.

Neulich war ich mit meinem Kornett so unterwegs. Auf Wunsch, den ich zuerst abklärte, ob es ein Wunsch und nicht nur ein lockerer Spruch sei, habe ich an einem Sonntagmorgen rasch drei Weihnachtslieder eingeübt, mein Solo eingepackt und bald einmal ging es mit Auto auf die Reise. Wie bei mir üblich, war ich mehr als frühzeitig unterwegs und kehrte ein, um den bei mir üblichen Toilettengang zu erledigen, nicht überall weiss ich, wo ich meinen Eurokey einsetzen kann und eine passende Internetsuche ist viel zu aufwändig. Auch so war ich der erste Gast, der beim Fest eintraf.

Ich lernte, wo ich mein Kornett deponieren könne, mein Mundstück verschwand im Hosensack und ich beging die örtlichen Begebenheiten, sah den mir zur Verfügung gestellten Stuhl an, montierte meinen Notenständer, ein leichter, widerborstiger Kerl, der immer bei den gleichen Bewegungen klemmt, spielte mich in einem warmen Raum ein und in der Zwischenzeit trudelten die ersten Gäste zur offiziell abgemachten Zeit ein.

„Hallo“ hier, „schön dich zu sehen“ dort, auch Überraschungsgäste tauchten auf und andere FestteilnehmerInnen konnten alte, bekannte Fäden aufnehmen und weiterknüpfen. Eine ideale Situation für mich, um leicht im Windschatten „mitzusegeln“, die Ressourcen blieben geschont.

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, trotz Darbietung in der Kälte, so hohe Töne auf meinem Instrument anzuspielen wie nie zuvor ausserhalb meines Übungszimmers. Nicht einmal mein Trompetenlehrer hat mich solche Töne innerhalb eines Stückes spielen hören.

Die Darbietung kam, machte allgemein Freude und ich hatte meinen heimlichen Spass, weil ich mein Ziel erreichte.

So hat meine Wahrnehmung ihre Vorteile, weil ich ganz genau weiss, was ich benötige, um eine Höchstform zu erlangen.

 

 

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Musizieren

Musizieren gilt als neurologisch wertvoll. Das hat mit der Beschaffenheit des menschlichen Gehirns zu tun, auf dessen Details ich hier nicht näher eingehen will.

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Trompetenspiel angefangen, weil mir das Instument in seiner Klangfarbe gefällt und meinem Bewegungsmöglichkeiten entgegenkommt. Die rechte, meine gute Hand ist gefordert, die Lippen kann ich soweit bewegen, dass es zur Tonbildung entsprechend dem Lernstadium reicht. Die Stützaufgabe der linken Hand kann behelfsmässig ersetzt werden durch eine Gürtel- Stabkonstruktion stehenderweise oder sitzenderweise nur den Stab. Natürlich ist dabei die allgemeine Beweglichkeit stark eingeschränkt und für das Konzert der Altstadtmusikanten habe ich letzten Samstag ein Kornett benutzt. Das Gewicht ist wesentlich leichter und das kann ich links stemmen. Ich habe ausschliesslich sitzend gespielt, was meine Aufmerksamkeit enorm erleichtert hat, weil ich mich nicht auf mein Stehen konzentrieren musste und das in einem mir fremden Saal, mit der modernsten Technik, einem Mikrofon an meinem Schallbecher, welches ich anklemmen und wegnehmen musste aus organisatorischen Gründen. – Wie ich Neubewegungen im letzten Moment hasse! Am Donnerstag, in der letzten Probe der Band wurde ich erstmalig mit solch einem Mikrofon konfrontiert, dessen Klemmvorrichtung leider, leider nicht der entsprach, die am Konzert gebraucht wurde.

Das Konzert unserer Band war ein voller Erfolg. Im Publikum sass ein Abteilungsleiter der organisierenden, renomierten Musikschule. Da ich versprochen hatte, zwei behandelnden Ärzten ein Mail zu senden, erkundigte ich mich bei diesem Abteilungsleiter, was ich nun schreiben solle, wie mein Auftritt gewesen sei. Resultat: Ich kann mit meine Trompete Gefühle ausdrücken und meine Präsenz in jedem Ton zieht ein Publikum in Bann. Wie freue ich mich!