Akteneinsicht

Bekanntlich ist sie nicht sehr gut auf ihre Behörde zu sprechen. Die Menschen, die damals weitreichende Entscheidungen über ihr Leben trafen, ohne sie zu fragen, immer mit dieser überheblichen Einstellung, dass sie wüssten, was das Beste sei.

Manchmal ist das Leben gemein und in der Zwischenzeit, ist leider klar, dass die medizinischen Grundlagen all dieser Entschidungn leider, leider falsch gewesen waren, weil ihr Fall kein einfacher ist.

Die Behörde weiss von ihrem „Glück“ noch nichts. Aufgrund von falschen, medizinischen Zeugnissen, Behauptungen, Angaben, hat sie leider entschieden, völlig daneben und völlig zu Unrecht.

Jetzt hat sie also diesen Brief auf ihrem Tisch liegen, dass ihr in den engen Grenzen nach schweizerischem Recht Akteneinsicht, höchstwahrscheinlich in Banalitäten gewährt wird. – Vorher soll sie anrufen und ihr Kommn anmelden. Wie im Film mit Julia Roberts kann sie einige Akten, so die denn interessant wären, kopieren. Die meisten Akten kann sie eh nicht einsehen. Datenschutz, sie betreffen die Wegnahme ihres Kindes. Dass sie daran fast verreckt wäre, interessiert niemanden. Sie dankt Gott auf den Knien, dass sie diese Zeit überlebt hat. Und nun weiss frau, dass die medizinischen Beurteilungen der damaligen Zeit ihrem medizinischen Zustand nicht gerecht wurden.

Wenn das Unrecht zuschlägt, dann mit weit ausgesteckter Hand, damit es richtig schön knallt und der Mensch ins Taumeln gerät. Die Behörde wäscht ihre Hände in Unschuld. – Hat jemand je etwas anderes, Ehrlicheres erwartet von seiner Behörde?

 

Kinderschutzmassnahme zum wievielten?

Im heutigen Bund ist die Geschichte einer jungen Mutter erzählt, der im Wochenbett eröffnet wird, dass ihr die Obhut über ihr neugeborenes Kind entzogen werden wird. Die Geschichte ereignet sich in Thun.

Seit den 1. Januar 3013 sollte doch im Erwachsenen- und Kindschutzrecht alles viel besser und professioneller sein. Der Artikel im Bund belehrt uns eines bessern: Die gleichen Behördenmitglieder sitzen in den Gremien wie vor dem 1. Januar dieses Jahres. Wenn da neu Fachleute hinzukommen, ist doch davon auszugehen, dass bisherige Behördenmitglieder ihre bereits gefällten Entscheide mit Engagement verteidigen werden. So auch in dem Artikel:

Die Eltern in diesem Fall sind im Scheinwerferlicht. Seit 2010 ist das Leben der Kindsmutter in schriftlichen Gutachten, Protokollen und Briefen festgehalten. Wörtlich im Bund: „Trennung vom damaligen Partner, Diagnose einer postnatalen Depression, Gefährdungsmeldung durch die damalige Hebamme, Diagnose einer schizoaffektiven Störung.“

Die Hebamme, die der Mutter nach der Geburt des zweiten Kindes helfen soll, entpuppt sich als Gefährdungsmelderin. Eine postnatale Depression gehört behandelt und Depressionen gelte als gut behandelbar. Trennung von Partner und damit verbundene Schwierigkeiten gehören zum Alltag in der heutigen Gesellschaft. Während der Tod eines Partners als Grund zum Trauern anerkannt ist und Hilfe angeboten wird, ist es bei Trennungen viel schwieriger Verständnis zu finden. Ganz zu schweigen von der Last, die auf den Schultern einer alleinerziehenden Mutter liegt und dem Risiko in die Armut abzugleiten. Zum Begriff schizoaffektiven Störung hilft wikipedia weiter. Da lasse ich mich nicht darauf ein, zumal die Abgrenzung von der Depression unklar scheint.

Im Bundartikel wird später erwähnt, dass die Frau ein Medikament einnimmt. Damit ist klar, dass sie sich ihren Problemen stellt und in Behandlung ist.

Kinderfeindlicher Kinderschutz

Selbst wenn ein Mensch gesund ist und dauernd unter Beobachtung steht, ist das anstrengend und eine Herausforderung. Wie erst, wenn ein Mensch eigentlich Unterstützung und Hilfe bräuchte und statt dessen ins Scheinwerferlicht gestellt wird und die geringste Unbesonnenheit oder Schwäche gegen ihn verwendet wird. Wie soll eine Mutter ihren Alltag meistern, wenn sie ständig im Hinterkopf denken muss: Wenn das Geringste passiert, werden mir meine Kinder weggenommen oder in dem Fall wieder weggenommen. Ein Rechtsstaat, der so auftritt ist familien- und v.a. kinderfeindlich, obwohl er von sich das Gegenteil behauptet.

Die beiden älteren Halbgeschwister des Säuglings, wurden fremdplaziert, als das Jüngere von ihnen wegen einem Sturz im Inselspital behandelt wird. Was soll die Mutter machen, wenn eines Ihrer Kinder medizinische Hilfe braucht? – Dieser Generalverdacht, unter den Eltern gestellt werden, ist heute allgegenwärtig. Sollen sich Kinder gesund entwickeln können, wenn sie von der Mama ins Spital gebracht werden und dann von der Mama wegmüssen und in einer Familie plaziert werden (freikirchlich), die die Werte der Mutter nicht lebt und nicht praktiziert. Kinder in eine freikirchliche Familie zu geben, kann per se zu einer Störung ihrer Persönlichkeit führen, weil die ganze Frage der Schuld – Jesus ist für dich gestorben; du bist ein Sünder –  kleine Kinder in der Regel überfordert. – Erinnern wir uns daran, dass es bei Kinderschutzmassnahmen immer um das Wohl der Kinder gehen sollte. Was immer dieser schwammige Begriff heissen soll.

Einsicht der Behörden gesucht

  1. Es gild dabei zwei Grenzen zu beachten: Eltern können ungerecht behandelt werden und Kinder können ungerecht behandelt werden.
  2. Eltern können Unrecht tun oder versagen und Kinder können wissentlich oder unwissentlich Unrecht in Gang bringen, so dass ihre Eltern von den Behörden vorgeführt werden.

Gemeinsam ist den Geschichten, bei denen Eltern Unrecht erleiden, dass sie sozial schwach sind. Dieser Umstand kann jederzeit aus der Schublade hervorgeholt werden, er ist aktenkundig und als Regel gilt: Einmal schwach, immer schwach, ausser ein Mensch kann sich durch veränderte, äussere Umstände endlich wehren.

Im Bundartikel wird erwähnt, dass es in den letzten Jahren immer mehr Kinderschutzmassnahmen gibt, also Kinder ihren Eltern weggenommen werden. Nach Erklärungen werde noch gerungen.

Ich bin ganz klar der Meinung, dass hier, heute Eltern Unrecht geschieht, weil Behörden irgendetwas machen, um etwas gemacht zu haben. In einigen Jahrzehnten werden die heutigen Fälle aufgearbeitet werden müssen, wie heute die Fälle bis anfangs 80er Jahre aufgearbeitet werden.

Dass vereinzelt Kinder vor Schlägen, Missbrauch und psychischen Schäden bewahrt werden, glaube ich gern. Aber ich gehe davon aus, dass das eher die Ausnahme ist.

Was bringt es den beiden älteren Halbgeschwistern, wenn sie, in dieser Reihenfolge, bei der Mutter, bei einer Pflegfamilie, bei der Mutter, beim leiblichen Vater und wie die Geschichte weitergeht, weiss noch keiner, aufwachsen? Mit etwas gesundem Menschenverstand sieht jeder sofort, dass diese Kinder keine Sicherheit haben können, weil sie herumgereicht werden, wenn etwas passiert. Vielleicht fühlen sie sich sogar schuldig, weil sie denken, es liege an ihnen, dass sie die Mutter verlassen müssen. Diese Wahrnehmung unterläuft oft Scheidungskindern.

Kinder sollten nicht in Familien aufwachsen müssen, in denen ihre Eltern vor unserem freiheitlichen Rechtsstaat Schweiz Angst haben müssen und sich nur noch ohnmächtig fühlen. Der Staat sollte nicht mächtig sondern helfend auftreten, dann wäre dem Leiden der Kinder und Eltern ein echtes Ende gesetzt. Oft wird von den Behörden eine Überanpassung verlangt.

Es kann nicht das Ziel einer Gesellschaft sein, dass alle ihre Mitglieder gleich sind. Wer gegen den Strom schwimmt, ist ein interessanterer Mensch und wer nur wer anders denkt, bringt grossartige Leistungen hervor.

Wie funktioniert (m)eine Behörde?

Wenn ich wüsste, wie sie funktionieren, könnte ich diese Menschen besser verstehen. Oft denke ich diesen Satz. Wenn ich nachvollziehen könnte, warum diese Menschen solche Entscheide fällen, wie in meinem Fall, wäre mein Schmerz, so hoffe ich, kleiner.

Ich bin verwundert, dass die Erkenntnis, dass hier Unrecht am Werk war, meinen Schmerz nicht lindern konnte. Irgendwann war mir von Bekannten, Ärzten und Fachpersonen, die mein Leben begleiteten so oft gesagt worden, dass die Behörden falsch gehandelt hatten, dass kein Zweifel daran bestand. – Ein „Gratisjurist“ hatte sich eingesetzt. Er war, wie ich erst später realisierte, unfähig. Mein Neuer, Bezahlter hat in wenigen Wochen mehr erreicht als  der frühere in zwei Jahren. Er hatte „Mediation“ versucht, als längst Taten gefragt waren.

Trotz der eindeutigen Lage, wurden meine Gefühle nicht ruhiger, ich litt weiter. – Wie ungerecht ist dies: Ich erleide Unrecht und meine Seele leidet weiter, genau an diesem Unrecht. Ich kann froh sein, wenn es mich nicht aus der Bahn wirft, ich irgendwie den Alltag bewältige und hoffentlich irgendwann gelassener auf diese Zeit zurückblicken kann.

Natürlich ist klar, dass die Psyche Warnsignale abgeben soll, wenn sie überfahren wird und schmerzt. So signalisiert auch der Körper, wenn er verletzt wird. Nicht um uns zu ärgern oder mit unnötiger Arbeit einzudecken, sondern um uns die Gelegenheit zu geben, uns zu verarzten und den Heilungsprozess in Gang zu setzen.

Bei meinen seelischen Sachen höre ich: Das ist schwierig.

Ach nein. Dass es schwierig ist, habe ich schon selbst herausgefunden. Wie im Märchen habe ich mich auf den Weg gemacht, die Zauberblume zu finden, die mich heilt und erlöst. Es entspricht nicht meiner Einstellung, mich in ein schweres Schicksal zu ergeben.

Wie also funktioniert diese Behörde? Ich kann davon ausgehen, auch wenn ich die Leute nicht kenne, dass viele, vielleicht alle rechtskonservativ denken. Einige haben einen Universitätsabschluss. Einer, den ich von früher kenne, ist trotz Uniabschluss nicht sehr intelligent. Er hat seine akademischen Ziele nicht erreicht, musste damals die Studienrichtung wechseln. Sowas ist mir nicht passiert: Die Eifersucht, dass ich als behinderte(s) Mensch ein Studium vollendet habe und in diesem Beruf gearbeitet habe, ist weiter verbreitet, als mir bewusst ist und spielt hier sicher mit. Behinderte gehören auf eine niedrige Stufe der Existenz und dürfen einem nicht überfllügeln. Sonst gibt es Haue. Da die Situation scheinbar so günstig war, kam ich unter die Räder. Wie heisst ein philosophischer Satz so schön: „Alles geht vorbei.“

Das haben die Mitglieder dieser Behörde nicht mitbedacht, dass es eine Zeit danach geben wird. Genau dieser Fall ist eingetreten: Ich lebe nicht abgeschoben in einem Heim, sondern selbstbestimmt in meiner Wohnung. Ich kann tun und lassen, was mir gefällt und ich suche täglich nach Möglichkeiten und Tricks, die mein Leben lebenswerter machen. menschen, die mich über die letzten Jahre beobachten, sagen, dasss ich darin unermüdlich und ziemlich erfolgreich sei. Mit den letzten Nuerungen, die ich vor etwa zwei Wochen eingeläutet habe, bin ich mit dieser Sichtweise allmählich einverstanden: Als Tagesstruktur Trompete spielen und schreiben. Kontakt mit ausgewählten Bekannte, die mich mögen und Fachpersonen, die mich lehren. Hin und wieder Ferien, die mich mit Vorfreude erfüllen und hernach mit begeistertem Rückblick. So stelle ich mir mein Leben im Moment vor.

Viel mehr weiss ich über „meine“ Behörde nicht. Es fragt sich, ob eine Behörde Akteneinsicht gewähren muss, wie z.B. ein Spital. Im Moment wäre mir das zuviel. Aber später einmal,  könnte es durchaus spannend sein. – Im Moment reicht es mir, diesen Behörde-Menschen fröhlich ins Gesicht zu lachen und mein Leben zu geniessen.Mein Leben zu geniessen, allen Umständen zu trotz, das betrachte ich als meine Lebensaufgabe.

Letzthin habe im im TV(runterscrollen zu „Heike Dorsch“) einen Satz aufgeschnappt: Einer jungen Frau, war ihr Lebenspartner, mit dem sie über die Hälfte des Lebens verbracht hatte, getötet worden. Sie gab klar zu Ausdruck, dass sie dem Mörder, der ihr bereits unfassbar viel Leid angetan hatte, nicht den Rest ihres Lebens schenken wolle.

So stelle ich mir mein Leben vor, als mir gehörend und als von mir zu gestalten.

Wohl des Kindes II

E. B.* wohnt im Kanton Bern. Ihr Sohn Pascal leidet an einer Depression und ist zu krank, um die Schule zu besuchen. Die besorgte Mutter kümmert sich aufopfernd um die Gesundheit ihres Teenagers. Sie ist alleinerziehend, arbeitslos und behindert.

Sie steht ohne Familie oder Freunde da. Ihre Versuche zwischen Schule und Teenager eine Brücke zu bauen, fallen ins Leere. Sie sieht für ihren grundsätzlich begabten Sohn keine Zukunft in der öffentlichen Schule mehr und meldet ihn bei einer privaten Schule an, die bereit ist, dem Jugendlichen eine Chance zu geben und seine Präsenz im Schulalltag schrittweise zu erhöhen. Das verpasste Schuljahr wird wiederholt. Das Fernziel ist die Matur.

Der Jugendliche hat nur Vertrauen zu seinem Hausarzt und weigert sich lange Zeit, andere medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die öffentliche Schule reagiert und reicht eine Gefährdungsmeldung ein. Es soll ein Beistand ernannt werden. E. B. ist zuerst froh, dass sie Hilfe bekommt und endlich jemand auf ihrer Seite steht. Schnell erweist sich das als Irrtum: Als die neue Schule anfängt, finden Fachleute und die Beiständin, dass Pascal noch in einer Institution bleiben solle, in die er in der Zwischenzeit eingetreten ist, weil er „noch nicht soweit sei“. Dagegen steht der Wunsch des Teenagers, zusammen mit seinen zukünftigen Kameraden das Schuljahr zu beginnen. Die Mutter entscheidet sich für den Wunsch des Jugendlichen und übernimmt für diesen Entscheid die volle Verantwortung.

Irgendwann kann die Mutter gesundheitlich nicht mehr. Sie erleidet Erschöpfungsdepressionen. Als sie zum zweiten Mal für längere Zeit in eine psychiatrische Klinik eintreten muss, bekommt Pascal Pflegeeltern. Diese sind E. B. bestens bekannt: Es handelt sich um ihren ersten Exmann und seine zweite Frau. Er ist nicht der leibliche Vater von Pascal und verweigert als Pflegevater jeden Kontakt zu E. B. Pascal will auch nichts mehr von seiner Mutter wissen. Er erzählt die schlimmsten Geschichten über sie.

Der Mutter wird die Obhut entzogen. Sie kann zu den Vorwürfen ihres Sohnes nicht Stellung nehmen. Angesichts ihrer Gesundheit kann sie sich nicht wehren, finanziell ist sie zu dem Zeitpunkt von der Gemeinde abhängig.

Heute lebt sie von einer IV- und Pensionskassenrente und hat alle ihre Schulden (Link: runterscrollen bis zum Punkt 8.) bei der Gemeinde zurückbezahlt.

Pascal ist in der Zwischenzeit erwachsen. Im Alter von 18 Jahren ist er bei den Pflegeeltern ausgezogen. Die Beiständin findet, der nicht verdienende, junge Erwachsene brauche eine eigene Wohnung. Mit 20 Jahren besteht er die Matur und pflegt Kontakt zu den Leute, wie z. B. der ehemalige Beiständin, die sein Verhalten unterstützen. Finanziell aber sind seine leiblichen Eltern bis zu seinem 25. Geburtstag verantwortlich, den Pascal heute noch nicht erreicht hat. Was ist hier das Wohl des Kindes?

*Name geändert

 

Ein anderes Verständnis von Wohl des Kindes wird in diesem Projekt aus Winterthur umgesetzt.

Die Schweiz ist kein Vorzeigeland“ titelt der Beobachter.